Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Och Ferdi!

Alex, Sunday, 30.03.2003, 17:33 (vor 8347 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: Re: Och Ferdi! von Frank am 30. März 2003 08:18:33:

Hallo Frank!

es ist die regel, nicht die ausnahme.

Sorry, das kann ich nicht bestätigen. Sowohl vom Studium als auch unter meinen Bakannten kenne ich Nieten, die besser einen anderen Beruf gewählt hätten. Aber es ist bei weitem nicht die Mehrheit.
Das Problem ist aber, dass wenn man auf eine solche Niete trifft, die Auswirkungen i.d.R. desaströs sind. Deshalb wäre es durchaus angebracht, schon während der Ausbildung auf einige Punkte mehr zu achten.

Wer sich mit sog. Kinderpsychologen/INNEN befasst, bzw. damit zu tun bekommt, lernt das fürchten über deren status und Einfluss.
[quote]unkritische richter/jugendämter, übernehmen derart hingelogene beurteilungen/gutachten.
[/quote]

Bist Du durch jemanden dieser Art geschädigt worden? Weil Du das so pauschal einfach behauptest. Ich meine, Fälle, die verbreitet werden, sind logischerweise hauptsächlich grobe Fehler oder Vergehen... das läßt aber Rückschlüsse auf den normalen Berufsalltag kaum zu.

es gelingt nur wenigen P. die eigene historie während der sitzungen/Befragungen auszublenden.

Es geht nicht darum die eigene Historie auszublenden, sonder eben gerade darum, sie zu erkennen. Wenn ich z.B. Opfer einer Gewalttat war, werde ich sofort, wenn jemand BEHAUPTET Opfer einer solchen Tat zu sein, emotionaler beteiligt sein... ebenso, wenn mir jemand erzählt Täter zu sein...die sogenannte professionelle Distanz geht den Bach runter.
Wenn ich meine eigene Hirstorie möglichst genau kenne, weiß ich, wo ich mich selbst weiter zurücknehmen muß oder im Zweifelsfall den Klienten sogar ablehenen muß (was ich z.B. von einer Freundin von mir auch definitiv weiß, dass sie aus diesen Gründen schon mehrfach abgelehnt hat).

Nicht umsonst ist es so, das chronisch kranke , zu Fachleuten in sachen eigener Krankheit werden. Selbst betroffen, wenden diese sich dem thema zu.
[quote]warum sollte es bei P. anders sein ?
[/quote]

Du meinst wohl die These, Psychologen studieren dies, weil sie alle selber "eine Knall" haben *g*. So pauschal ist das aber auch ziemlicher Schwachsinn. Es gibt den Drang sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen persönlich betreffen, ja, aber um durch die Ausbildung zu kommen, gehört ein bisschen mehr. Es kommen auch Leute heil durch die Ausbildung, wo nicht soziale Aspekte und Interesse am menschlichen Wesen im Vordergrund stehe, das bemängele ich genauso, wie Du. Aber der Regelfall ist das sicher nicht.
Man sollte auch differenzieren. Es KANN sinnvoll sein, sich auf eine Erkrankung zu spezialisieren, die man persönlich erfahren hat. Eine schweizer Freundin von mir, die an ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom) leidet hat z.B. einen Psychiater mit dem selben Krankheitsbild vorgezogen, weil er durch seine eigenen Erfahrungen der erste war, der ein tiefes Verständnis für sie hatte.
Es ist aber nicht zwingend, etwas selber erfahren zu haben... und manchmal ist es sogar äußerst schädlich, da die Gefahr besteht, die professionelle Distanz eben zu verlieren.
Die Selbsanalyse umfasst auch nicht nur die Historie, sondern eben auch persönliche Überzeugungen, weltanschauliche Aspekte u.s.w.
Wenn beispielsweise (mal ein ganz plumpes Beispiel) ein Therapeut selbst an einer Essstörung leidet, könnte er Klienten die an Anorexie leiden nur ablehnen, da er selbst durch sein eigenes verzerrtes Körperbild nicht in der Lage ist, zu helfen. Das Beispiel ist deswegen plump, weil gerade Essstörungen so weitreichende Wirklichkeitsverzerrungen beinhalten, dass so jemand als Therapeut wohl kaum überhaupt noch Klienten haben dürfte... aber Du verstehst, auf was ich hinaus möchte, oder?

Habe persönliche einen Arzt erlebt, der folgende titel sein eigen nannte.
[quote]Psychater
Neurologe
Psychologe BdP
klinischer Psychologe
Psychotherapeut
Das alle im alleingang praktiziert
praxisöffnung war um 9:00 Uhr, abends um 20:00 hatte ich einen Termin wegen nervenwasser untersuchung (brrrrr).
der stand mir wankend gegenüber, rot unterlaufene Verquollene Augen.
ein LKW-Fahrer geht in den Bau wenn er unter solchen umständen (totale Übermüdung, praktiziert (fährt), und ein Unfall passiert.
O.G. arzt, erteilt Bescheinigungen verfasst beurteilungen, therapiert,
macht neurologische untersuchungen und ggf. weist menschen in die Psyhatrie ein....., die kontrollinstanz besteht darin, das eine negativ betroffene Person genug Kraft/Geld hat, um sich zur wehr zu setzen, wenn etwas nicht stimmt.
[/quote]

Da stimme ich Dir gnadenlos zu! Ich kenne selbst so einen Fall. Und da gehört ein Riegel vorgeschoben. Ähnlich der Tachoscheibe im LKW.
Ich halte es für unmöglich, auf Dauer mehr als 7-8 Stunden täglich qualitativ hochwertige, therapeutische Arbeit zu leisten. Mir sind aber selbst Fälle bekannt, in denen teilweise 12-14 Stunden gearbeitet wird, und zwar ohne, dass zwischen den Terminen größere Pausen wären. Zusätzlich darf man nicht vergessen, dass da administrative Arbeiten (Protokolle, Gutachten, Berichte...) dazu kommen. Hier erliegt das Berufsverständnis der Geldgier... sowas findest Du aber in fast jedem Beruf. Die LKW-Fahrer sind da eher noch "harmlos", weil solche Dinge da vornehmlich durch Druck von oben passieren, seltener durch eigene Geldgier des Fahrers. Ebenso bei Ärzten, die angestellt arbeiten. Wenn aber persönliche Geldgier die Ursache ist, dann finde ich das äußerst verwerflich und unverantwortlich. Solche Leute gehören ans Fließband und nicht in Positionen, in denen sie große Verantwortung tragen.

Liebe Grüße

Alex


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