Re: Stärkt die Reproduktionsmedizin die Rolle der Frau?
Als Antwort auf: Re: Stärkt die Reproduktionsmedizin die Rolle der Frau? von Jolanda am 18. November 2002 09:24:52:
Hallo Jolanda!
Also, ich finde es gut, daß man heute besser in der Lage ist, Behinderungen bei Neugeborenen zu verhindern als in früheren Zeiten.
Wenn meine Verlobte und ich mal ein Kind haben möchten, werden wir jedenfalls alles tun, um auszuschließen, daß das Kind mit einer größeren Behinderung geboren wird.
Aber nicht etwa, weil wir kein behindertes Kind akzeptieren würden oder weil wir uns von irgendjemandem dazu gedrängt fühlen, nur ein gesundes Kind haben zu dürfen, sondern vor allem deshalb, weil wir nicht eines Tages in die Situation kommen möchten, daß unser Kind uns fragt, wieso wir nichts getan haben, um seine Behinderung zu korrigieren oder zumindest zu mildern und ihm stattdessen einige Möglichkeiten gesunder Menschen vorenthalten haben.
Eine Behinderung ist in den meisten Fällen eine Belastung für alle Beteiligten. Für ein behindertes Kind ist es niemals toll, nicht alles das tun zu können, was andere Kinder tun und obendrein womöglich auch noch gehänselt zu werden.
Meine Verlobte kennt eine Frau, die einen behinderten Sohn hat und ihn lange aufopferungsvoll gepflegt hat. Die Frau hatte praktisch kein eigenes Leben mehr und mußte immer für ihren Sohn da sein, auch als er schon längst größer war als sie. Sie mußte ihn im hohen Alter noch windeln und waschen, bis es irgendwann einfach nicht mehr ging. Sie hat es körperlich in ihrem Alter nicht mehr geschafft, ihn zu versorgen und mußte ihn in ein Pflegeheim geben, was ihr nicht leicht gefallen ist. Vielleicht hat er Glück, und dort im Heim gibt es gutes Personal. Vielleicht hat er aber auch Pech und trifft dort auf Leute, die ihren Frust an den Patienten abreagieren. Er wird jedenfalls den Rest seines Lebens dort im Heim verbringen und allein sein, wenn seine Mutter eines Tages stirbt.
Solch ein Schicksal möchte ich meinen Kindern möglichst ersparen. Man könnte nun zwar einwenden, daß behinderte Menschen doch wegen ihrer Behinderung nicht weniger wert sind. Aber das geht am eigentlichen Thema total vorbei. Es geht nicht um den Wert des Lebens allgemein, sondern um den Wert, den jeder Mensch seinem eigenen Leben beimißt.
Stell dir mal vor, jemand würde dir ernsthaft vorschlagen, dir z.B. den Nerv im Rückenmark zu durchtrennen, oder die Sehnerven. Würdest du dich damit einverstanden erklären, weil dein Leben ja deshalb nicht weniger wert wäre? Oder würdest du nicht doch ablehnen, weil dir das definitiv enorme Verluste an Lebensqualität bringen würde?
Und wieso sollen dann Eltern ihren ungeborenen Kindern solche Verluste an Lebensqualität zumuten, wenn es Möglichkeiten gibt, dies zu verhindern oder die Behinderung zumindest nicht zu stark ausfallen zu lassen?
Freundliche Grüße
von Garfield
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Odin,
17.11.2002, 16:03
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