Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Andere Todgeweihte (z.B. krebskranke Kinder)

Christine ⌂, Friday, 17.12.2010, 12:10 (vor 5508 Tagen) @ Informator

Es war Christine, die mir einmal schriftlich, ein
andermal telefonisch vorgeworfen hatte, den Tod ihres damals krebskranken
Sohnes (den ich nicht kenne) herbeigewünscht zu haben. Davon hat sie sich
auch durch meinen Widerspruch nicht abbringen lassen.

Thomas, ich habe nicht behauptet, das Du den Tod speziell meines Sohnes gewünscht hast. Allerdings habe ich behauptet und dabei bleibe ich auch, das Du damit absichtlich provozierst hast. Das Du gerne provozierst, ist ja nichts neues und dazu stehst Du ja auch.

Seitdem erscheint der Vorwurf immer wieder mal in diesem Forum gegen mich,
ohne daß der Leser erfährt, was es damit auf sich hat. Ich selbst weiß
es nicht so ganz!

Na, dann will ich Dich und die Leser mal aufklären.

Ich hatte im paPPa.com-Forum folgenden Beitrag eingestellt:

Grundgesetz - Homosexuelle drängen auf Schutz vor Diskriminierung
In Artikel 3 des Grundgesetzes soll künftig auch die Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung ausdrücklich verbieten. Unter den Unterstützern des Vorstoßes sind Prominente wie Dieter Thomas Heck, Iris Berben und Hape Kerkeling, aber auch politische Köpfe.

In einem Aufruf mit prominenter Unterstützung haben Lesben und Schwule ein Diskriminierungsverbot für Homosexuelle im Grundgesetz gefordert. Mit einer Mahnwache vor dem Bundesverfassungsgericht erinnerte der Lesben- und Schwulenverband am Donnerstag in Karlsruhe an das so genannte Homosexuellen-Urteil vor 50 Jahren.

Hier der komplette Text
--

Ähem... sind nicht alle Menschen vor dem Gesetz gleich und wo werden Homos speziell diskriminiert?

Irgendwie irritiert - Christine

Nachfolgend der Link, den aber nur Angemeldete lesen können http://www.papa.com/paPPa-Forum/viewtopic.php?f=6&t=9137&p=120975&hilit=Krebs#p120975

Aus Deiner Antwort stelle ich nur den relevanten Text ein:

Es ist auffällig, wie in unserer Gesellschaft homogenisiert wird, und mit welchem z. T. absurdem Kostenaufwand. Beispielsweise werden unglaubliche Summen investiert, um irgendwelche Gebäudeteile "behindertengerecht" zu machen. In der allgemeinen Krankenversicherung ist es noch absurder: Da wird die Krankenversicherung z.B. für Studenten (wie mich) unbezahlbar, weil das Leben von Alten und anderen Todgeweihten (z.B. krebskranken Kindern) mit Millionensummen um ein paar Tage verlängert werden soll.

Meine Antwort darauf war folgende:

Du bist echt das Letzte!
Warum brauchst Du überhaupt eine Krankenversicherung, denn wenn Du krank wirst, warum sollen wir Deine Krankheitskosten nach Deiner Logik übernehmen?
Wer soll Deiner Meinung nach entscheiden, wem man Medikamente zugestehen sollte und wem nicht?
Du hast von todgeweihten, krebskranken Kindern gesprochen, denen man nach Deiner Meinung eine Genesung/Medikamente verwehren sollte, warum nur Ihnen?
Mein Sohn war so ein Todgeweihter, die Ärzte hatten die Hoffnung fast aufgegeben und man teilte mir mit, das er wohl sterben wird. Trotzdem hat man nicht aufgegeben und das zu recht, denn mein Sohn lebt heute, fast 17 Jahre später immer noch.
Danke für Deine Verachtung, aber sie war mir ja bekannt.

Es entstand damals eine heftige Diskussion im Thread und Thomas war harter Kritik ausgesetzt. Jemand anderer versuchte dann das Thema wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen und daraus entstand folgendes:


Zitat:
Ausgrenzung ist kein Heilmittel gegen Argumentierungsschwäche.

Maxo hat geschrieben: Das stimmt.

Christine hat geschrieben: Sehe ich ebenfalls so.

Zitat:
Nimm meine Äußerung als Chance, Vernunftgründe dagegen zu finden ! Überlegungen obigen Themas werden längst und werden immer häufiger angestellt. Wir werden mit Sicherheit noch viel häufiger mit ihnen konfrontiert werden.

Maxo hat geschrieben: Hatten wir nicht erst neulich einen Beitrag zum "freien Organhandel" oder erinnert sich niemand an diesen CDU-Fritzen, der die Alten aufforderte "den Löffel abzugeben".

Christine hat geschrieben: Richtig und auch ich habe die Befürchtung, das irgendwann wahr wird, was heute hin und wieder angedeutet wird.

Zitat:
Mit Flucht bzw. Ausgrenzung löst man keine Probleme.

Maxo hat geschrieben: Richtig, und deshalb sind mir Students Beiträge (auch wenn ich ihren Inhalt nur manchmal teile) um einiges wichtiger und argumentativ gehaltvoller als etwas das realitätsferne Rollenspielgesülze eines modorok.

Ohne harte argumentative Auseinandersetzung wird sich in unserem Anliegen nichts bewegen.

Christine hat geschrieben: Gegen Dein Argument ist auch nichts einzuwenden und ich teile auch deine Sichtweise, das der eine oder andere Beitrag von Student lesens- und nachdenkenswert ist.
Hätte Student über die zu hohen Krankenkassenbeiträge gemotzt, wäre ich ihm beigestanden, keine Frage.
Seine Argumentation war aber, seine zu hohen Krankenkassenbeiträge gegen Alte und todgeweihte, krebskranke Kinder zu stellen. Hier stellt sich mir die Frage, warum hat er Kinder genommen, statt Menschen oder vielleicht sogar Erwachsene? Student wußte genau, was er tat, um in diesem Fall Gesunde gegen Kranke auszuspielen.
Ich habe mal ein bischen bei destatis nachgeschaut, weil ich wissen wollte, wieviele Erwachsene jährlich an Krebs sterben, allerdings finde ich sehr mühsam diverse Daten seit der Umstellung ihrer Homepage. Was ich allerdings ziemlich schnell gefunden habe, war die Todesrate bei Brustkrebs der Frauen, siehe hier, weil diese explizit aufgewiesen werden. Alleine im Jahre 2003 sind etwas über 17.000 Frauen daran gestorben und das war nur eine Krebsart. Man kann sich jetzt vielleicht die Dimension vorstellen, wieviele Erwachsene jährlich an Krebs sterben. Ich stelle also nochmals die Frage: warum hat Student ausgerechnet Kinder genommen, wo er sich denken konnte, das da einige drauf anspringen werden, aber vielleicht beantwortet Student diese Frage ja selber.
Desweiteren stellt Student 10.000 malariakranke Kinder, die evtl. mittel eines für uns billigen Medikamentes geheilt werden könnten gegen todgeweihte, krebskranke Kinder. Davon abgesehen gibt es sehr wohl eine Lösung für den größten Teil der malariakranken Menschen, welche aber viele Jahre abgelehnt wurde, obwohl nachweislich dieses Mittel, nämlich DDT für eine Entseuchung dieser Krankheit gesorgt hätte. Im Internet fand ich dazu soeben eine Mitteilung der WHO, das DDT als Lösung des Malariaproblems wieder genehmigt wurde. In der Zeit des Verbotes sind tatsächlich Millionen Menschen dran gestorben, wobei sich mir die Frage stellt, ob das vielleicht gewollt war, aber das gehört in die Abteilung Verschwörungstheorien, trotzdem zu dieser Thematik ein Link
Nochmals zur Krebserkrankung: Es gibt Menschen, bei denen eine Krebserkrankung zu spät festgestellt wird und da wird dann lediglich im Endstadium Morphium verabreicht, damit die Schmerzen erträglich werden. Bei dem überwiegenden Teil der krebskranken Menschen kann kein Arzt vorhersagen, ob diese nun sterben oder nicht. Bei einigen Krebsarten ist sogar die Chemotherapie umstritten und sie wird oftmals angewandt, weil auch Ärzte in manchen Fällen nicht mehr weiter wissen und den Patienten vorgauckeln wollen, etwas zu tun (Aussage eines Arztes meinem Mann gegenüber, nachdem dieser sehr genau die Auswirkungen einer Chemotherapie wissen wollte und den Arzt massiv bedrängt hat). Nach der Intention von Student dürfte man aber keinem krebskranken Menschen Medikamente verabreichen, in welcher Form auch immer, denn ein Teil dieser Menschen kommt ja an einen Punkt, wo tatsächlich alle Mühe vergebens ist, da kein Medikament mehr hilft, wer das aber sein wird, kann kein Arzt vorher sagen. Letztendlich irren auch Ärzte, denn wenn diese jemanden aufgeben und nur noch Morphium verabreichen, es Menschen aber trotzdem schaffen, kann man nur zu dem Fazit kommen: Erst wenn ein Mensch trotz aller Bemühungen der Ärzte tot ist, kann man sagen, das alles umsonst war, aber kein Mensch/Arzt ist in der Lage, dieses bei Feststellung der Krankheit vorher zu sehen.
Zum Schluß bleibt eigentlich nur übrig: Kann man ein/viele Menschenleben gegen zu hohe Krankenkassenbeiträge aufrechnen? Kann man überhaupt ein Menschenleben gegen ein anderes aufrechnen? Ich sage nein, weil man grundsätzlich nicht bestimmen kann, wieviel ein Mensch wert ist.

Gruß - Christine

Ich denke, das zitierte reicht erst mal. Ich hatte vorher in anderen Threads hin und wieder über die Krebserkrankung meines Sohnes geschrieben und bei der Provokationslust von Thomas bleibe ich dabei, das er absichtlich von anderen Todgeweihten (z.B. krebskranken Kindern) geschrieben hat.
Genauso wie Thomas immer wieder auf seine prügelnde Frau zurück kommt, weil er das Erlebte nicht vergessen kann, kann ich die Zeit meines Sohnes während der 2-jährigen Chemotherapie nicht vergessen, erst recht nicht, als er mit dem Tod gekämpft hat.
Man wird im Kontext hoffentlich verstehen können, das ich auch das Geschriebene von Thomas nicht vergessen kann.

Gruß - Christine

--
Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein


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