Linke und Feministen sind nie an etwas schuld
Hallo Nick!
Wenn er getauft war, was man bei einem Bischof wohl unterstellen darf: Ja, wenn auch wohl ein irrender.
Das heißt, ich kann mich jetzt christlich taufen lassen, danach üble Massenmorde begehen und mich trotzdem mit Fug und Recht solange als Christ bezeichnen, bis ich irgendwann vor dem göttlichen Strafgericht lande?
Oder kommt es nicht vielleicht doch mehr darauf an, wie man sich verhält, welche Werte man lebt? Ist das nicht vielleicht doch entscheidender als eine Art Etikett, das man kurz nach der Geburt aufgeklebt bekommen hat?
Wer "den Christen" heute die fast ein Jahrtausend lang zurückliegenden Kreuzzüge lächerlicherweise zum Vorwurf macht, der weiß entweder nicht oder unterschlägt mit böser Absicht, daß dem vier Jahrhunderte islamische Eroberung vorausgegangen waren. Wer den Schutz der christlichen Jerusalempilger vor ständigen muslimischen Raubüberfällen für verwerflich erklärt...
Du glaubst allen Ernstes, Papst Urban II. ging es 1095 bei seinem Aufruf zum Ersten Kreuzzug um Jerusalem???
Urban führte die Politik Gregors VII. fort, der schon 1074 identische Pläne hatte. Tatsächlich ging es beiden um Byzanz, genauer geschrieben um die griechisch-orthodoxe Kirche. Die sah den Papst nämlich nicht als Führer aller Christen, sondern lediglich als Bischof von Rom. Was die Päpste schon lange sehr wurmte. Sie wollten die griechisch-orthodoxe Kirche heim ins Heilige Römische Kirchenreich holen, nur wie? In Byzanz wollte ja partout niemand die geistliche Oberherrschaft der Päpste anerkennen.
Nun herrschte in Byzanz zu der Zeit aber ein heilloses Chaos. Kaiser war dort ein überaus gefährlicher Beruf - üblicherweise starb man dabei irgendwann eines unnatürlichen Todes, wenn man es nicht schaffte, noch vorher rechtzeitig in ein Kloster zu flüchten. Die islamischen Seldschuken nutzen dies aus und bedrängten Byzanz immer heftiger.
Der byzantinische Kaiser rief nun um Hilfe, und das schien Gregor VII. und auch Urban II. eine überaus günstige Gelegenheit zu sein, um sich die Oberherrschaft über die griechisch-orthodoxe Kirche zu sichern. Ihr Plan sah so aus: Der Papst initiiert einen Kreuzzug, die Kreuzfahrer ziehen nach Byzanz, besiegen die Seldschuken, der Papst zieht daraufhin als siegreicher Gönner in Konstantinopel ein und der dortige oberste Patriarch huldigt ihm als oberstem Stellvertreter Gottes auf Erden.
Jerusalem interessierte beide Päpste überhaupt nicht! Und die christlichen Pilger dort schon mal gar nicht!
Es gab aber das Problem, daß man genügend Kreuzfahrer für den geplanten Kreuzzug motivieren mußte. Es war zu befürchten, daß Hilfe für Byzanz keine ausreichende Motivation sein würde. Dummerweise konnte man für den Kreuzzug auch nicht überall die Werbetrommel rühren, denn mit dem damals mächtigsten Herrscher der christlichen Welt, dem römisch-deutschen Kaiser Heinrich IV. hatte Urban leider mal wieder Streit.
Es mußte also etwas Besseres her, etwas, was die Menschen begeistern konnte. So kam man auf die Idee, als Ziel des Kreuzzugs die Rückeroberung des Heiligen Landes zu nennen. Dafür startete man eine große Propagandaaktion und betonte dabei allerlei Gräuel, die christlichen Pilgern irgendwann mal in Palästina widerfahren waren. Vieles davon lag 1095 schon Jahrzehnte zurück.
Weder Gregor noch Urban glaubten ernsthaft daran, daß Jerusalem erobert werden könnte. Ihnen ging es einzig und allein um die Ausweitung ihrer Macht auf Byzanz.
Und die Kreuzfahrer hatten auch häufig keine selbstlosen Motivationen. Anfangs waren es viele Franzosen. Das lag nicht nur daran, daß Urban II. in Frankreich gut für seinen Kreuzzug werben konnte. Nachdem sich das Klima allgemein abgekühlt hatte, waren die auf Grönland und in Skandinavien lebenden Wikinger gezwungen, sich in großer Zahl auf Seeraub zu verlegen, weil sie sich von der Landwirtschaft nun durch die gesunkenen Erträge schlechter ernähren konnten. Besonders häufig suchten sie u.a. Nordfrankreich heim. Dort litt man auch unter dem Klimawandel, und nun kamen auch noch die marodierenden Wikinger dazu. Es ging also vielen Franzosen schlecht. Man brauchte ihnen also nur etwas von den Schätzen des Orients erzählen, und schon zogen sie begeistert los. Die Begeisterung war schließlich so groß, daß viele Menschen gar nicht abwarten konnten, bis sich die Adeligen auf den Weg machten - die zogen gleich auf eigene Faust los. Teilweise wurden sie von religiösen Träumern angeführt, oftmals aber auch von Raubrittern und anderen Strauchdieben. Die massakrierten dann auf dem Weg erst einmal Juden, vor allem auf deutschem Gebiet, und wenn nur Christen da waren, hatten sie auch keine Probleme damit, die auszuplündern. Nachdem die (bereits christlichen) Ungarn mehrere solcher Horden erlebt hatten, machten sie die Grenzen dicht.
Nun wirst du vielleicht einwenden, daß Urban II. doch nichts dafür konnte, wenn auch Kriminelle seinem Aufruf folgten. Er hat sich mit seinem Aufruf aber explizit ganz besonders auch an Kriminelle gerichtet, indem er ihnen Ablaß all ihrer Sünden fürs Diesseits wie fürs Jenseits versprach, wenn sie sich am Kreuzzug beteiligten. Es scherte ihn nicht die Bohne, wer da für ihn in den Krieg zog - Hauptsache, er zog mit.
Es ist das selbstverständliche Recht und sogar die moralische Pflicht eines jeden Christen, so wie die eines jeden Menschen, sich gegen evidentes Unrecht auf angemessene Weise zur Wehr zu setzen.
Ja, aber darum ging es ja eben gar nicht! Es war pure Machtpolitik der Päpste. Wie ist das nun mit christlichen Idealen vereinbar?
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Nicht die Feministinnen waren schuld! -
Movemen,
27.01.2010, 08:00
- Nicht die Feministinnen waren schuld! -
Klausi,
27.01.2010, 10:08
- Chance... - Ein Mann, 27.01.2010, 10:50
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld -
Chato,
27.01.2010, 11:18
- was sie ja mit Rechten gemeinsam haben -
Trust,
27.01.2010, 13:19
- was sie ja mit Rechten gemeinsam haben - Krischan, 27.01.2010, 13:33
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld -
Garfield,
27.01.2010, 15:11
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld -
Mirko,
27.01.2010, 16:07
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld -
Garfield,
27.01.2010, 17:21
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Chato,
28.01.2010, 02:27
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld - Garfield, 28.01.2010, 19:01
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld - Mirko, 28.01.2010, 20:30
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Chato,
28.01.2010, 02:27
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Movemen,
28.01.2010, 03:20
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld - Robert, 29.01.2010, 11:53
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Garfield,
27.01.2010, 17:21
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Chato,
28.01.2010, 02:24
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld - Garfield, 28.01.2010, 18:29
- Linke und Feministen sind nie an etwas schuld -
Mirko,
27.01.2010, 16:07
- was sie ja mit Rechten gemeinsam haben -
Trust,
27.01.2010, 13:19
- Feministische TAZinnen schon ... -
Müller,
27.01.2010, 17:57
- Feministische TAZinnen schon ... -
Oliver,
27.01.2010, 18:04
- Feministische TAZinnen schon ... -
Garfield,
27.01.2010, 18:38
- Feministische TAZinnen schon ... -
Isegrim,
27.01.2010, 20:33
- Feministische TAZinnen schon ... - Garfield, 28.01.2010, 19:05
- Weder, noch -
Krischan,
28.01.2010, 13:55
- Weder, noch -
Puffbesucher,
28.01.2010, 14:30
- Weder, noch - Krischan, 28.01.2010, 22:56
- Weder, noch -
Garfield,
28.01.2010, 19:25
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Krischan,
28.01.2010, 23:04
- Immer noch -
Rainer,
29.01.2010, 01:51
- Immer noch - Krischan, 29.01.2010, 17:34
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Rainer,
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Krischan,
28.01.2010, 23:04
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Puffbesucher,
28.01.2010, 14:30
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Isegrim,
27.01.2010, 20:33
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Garfield,
27.01.2010, 18:38
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Oliver,
27.01.2010, 18:04
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Klausi,
27.01.2010, 10:08