Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Chato, Thursday, 28.01.2010, 02:24 (vor 5817 Tagen) @ Garfield

Hallo Garfield!

War so ein keulenschwingender Bischof nun noch ein Christ oder nicht?

Wenn er getauft war, was man bei einem Bischof wohl unterstellen darf: Ja, wenn auch wohl ein irrender. Dazu muß man wissen und bedenken, daß Christen, die sich verfehlen, keineswegs fein raus damit sind, sondern im Gericht die Verantwortung dafür zu übernehmen haben. Der Vorteil gegenüber Nichtchristen, die das ebenfalls zu machen haben, ist, daß der Bischof sich daran erinnern könnte, daß er ein Christ ist und sich deshalb von seinem Irrweg abkehrt. Wer Keulenschwingen sowieso in Ordnung findet, wird das eher nicht machen. Warum sollte er?

Man wirft den Christen immer gerne pauschal vor, was jedem Menschen vorzuwerfen ist, wobei der Vorwurf aber komischerweise darauf abzielt, ausgerechnet den Vorwerfenden selbst von diesem Vorwurf auszunehmen, was natürlich Unsinn und eine sehr verlogene Heuchelei ist. Christen sind meistens nicht bessere Menschen, aber es sollten welche sein, denen das bewußt ist. Damit läßt sich nämlich etwas anfangen. Mit dem Nichtbewußtsein über diese Tatsache hingegen läßt sich überhaupt nichts anfangen. So gut wie jeder hält sich selbst für einen guten Menschen. Das ist so trivial, wie verkehrt. Interessant im christlichen Sinne beginnt die Sache dann zu werden, wenn einer das nicht mehr von sich annimmt. Dann wird es nämlich realistisch und aufrichtig und kann in Bewegung geraten.

War ein Papst, der zu einem Kreuzzug aufrief, ein Christ oder nicht?

Ja, und zwar sogar ein besonders pflichtbewußter. Wer "den Christen" heute die fast ein Jahrtausend lang zurückliegenden Kreuzzüge lächerlicherweise zum Vorwurf macht, der weiß entweder nicht oder unterschlägt mit böser Absicht, daß dem vier Jahrhunderte islamische Eroberung vorausgegangen waren. Wer den Schutz der christlichen Jerusalempilger vor ständigen muslimischen Raubüberfällen für verwerflich erklärt, müßte mir erst vormachen, daß er seine eigenen Kinder auf ihrem Schulweg nicht davor beschützt, verprügelt und ausgeraubt zu werden. Erst wenn er mir das hinreichend lange unter Beweis gestellt hätte, finge ich langsam an, ihn für einen naiven, aber gutmütigen Spinner zu halten, der leider den Menschen nicht kennt, und würde mich deshalb wahrscheinlich selber diskret um den Schutz seiner Kinder kümmern. Wenn er diesen Beweis freilich schuldig bleibt, und das ist erfahrungsgemäß immer so, ist er ein selbstgerechter, scheinheiliger Heuchler, also nichtiger Abschaum, der keinerlei moralische Autorität besitzt und gar nichts zu verlangen oder zu beurteilen hat.

Es ist das selbstverständliche Recht und sogar die moralische Pflicht eines jeden Christen, so wie die eines jeden Menschen, sich gegen evidentes Unrecht auf angemessene Weise zur Wehr zu setzen. Allerdings muß er dabei das rechte Maß wahren und die rechten Mittel einsetzen, darf nicht über den Anlaß, sich und die Seinen zu beschützen, hinausgehen und muß aufhören, sobald er sein Ziel erreicht hat. Das ist das Ideal, das natürlich schwer zu erreichen ist, sobald kollektive Prozesse mit ins Spiel kommen, was im Verlauf der Kreuzzüge natürlich der Fall war und sie deshalb im Nachhinein nicht gerade als ein Ruhmesblatt christlicher Tugend dastehen läßt. Das ist wahr, aber sekundär und vom Prinzip und von der Ausgangsfrage von vor 1000 Jahren zu trennen.

Nick

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Wenn wir Toren wüßten, daß wir welche sind, wären wir keine.


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