Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: @Astrik - Re: Kinder - ein

Ekki, Thursday, 03.03.2005, 19:04 (vor 7642 Tagen) @ astrid

Als Antwort auf: Re: @Astrik - Re: Kinder - ein von astrid am 03. März 2005 16:03:26:

Liebe Astrid,

Hei Ekki,
Kinderwunsch ist etws ganz persönliches. Es gibt viele unterschiedliche Gründe weswegen jemand Kinder will. Viele sind eigennutzig.

Allerdings. Und das kriegen die Kinder spätestens dann mit, wenn sie merken, daß ihre Eltern sie nach deren Vorstellungen modellieren wollen, was man schwerlich als Liebe bezeichnen kann.

Ich selber hatte eine Zeit, in der Kinder, das letzte war, was ich haben wollte. Vor allem so direkt nach Ende meiner Berufsausbildung, habe ich mir gedacht: Nach den 3 Jahren lernen, arbeiten, karge Freizeit, will ich mich erstmal voll ausleben, die Früchte meiner Mühen genießen.

Voll nachvollziehbar.

Irgendwann habe ich alles was wichtig war für mich erledigt und das Gefühl bekommen: eigentlich will ich jetzt einen anderen Menschen die Möglichkeit geben auch so viele schöne Dinge zu erleben. Eben meinen Kindern. Außerdem kommt die Neugierde dazu: wie wird dieser neue Mensch werden? Wie sich entwickeln? Irgendwie, wie ein Übrraschungsei! :-)

Das scheint - zumindest in dieser Ausprägung - etwas primär Weibliches zu sein. Natürlich kennen auch Männer Altruismus, aber sie verwirklichen ihn eher im gesellschaftlichen Engagement (Vereine, karitative Tätigkeit usw.), denn in der Elternschaft.

Aber ich verstehe jeden, der sagt, er hat keinen Bezug zu Kindern, das bringt mir nichts. Egal ob Mann oder Frau. Ist jedenfalls ehrlicher als aus den falschen Gründen einen neuen Menschen auf diese Welt zu bringen und dann zu vernachlässigen.

Freut mich! So viel Verständnis findet man als freiwillig Kinderloser bei den Allerwenigsten.

Im übrigen leben wir in einer Welt, der insgesamt Überbevölkerung droht. Die Plätze für alle sind nicht sehr gleichmäßig verteilt. Daß es Leute gibt, die nur ein oder kein Kind wollen ist eher nützlich (in Bezug auf die Gesamtbevölkerung).

Auch richtig.

Ja es gibt einige Mütter mit fraglichen Erziehungsmethoden und Väter, die gerne und gut in ihre Vaterrolle hineinwachsen.
Auch eine Frau muß mit Kindern erst umgehen lernen. Überhaupt in unseren westlichen Länder, wo die Familien klein sind, nicht so viele Möglichkeiten da sind, Kinder bewußt hautnah zu erleben.

Stimmt. War früher auch in unseren Breiten mal anders.

Mein kleiner Bruder ist auf die Welt gekommen als ich gerade ein Teenager war. Ich habe gewußt wieviel Arbeit ein Kind ist, vor allem ein gesundes, lebhaftes wie meine Geschwister. Ich war mit 17 nicht bereit mir einen kleinen "Parasiten" ins Haus zu setzten, der nur nimmt, alles was ich sage lästig findet, lieber spielen will statt lernen, nicht merkt wenn ich müde bin, mich dann noch als faden Erwachsenen empfindet, obwohl ich nur das notwendige, beste für mein Kind will.....

Da hast Du eine sehr wertvolle Erfahrung gemacht, die nur wenigen gegeben ist, denn daß ein Kind geboren wird, wenn ein anderes schon im Teenageralter ist, ist nicht gerade häufig.

Auch habe ich es immer blödsinnig empfunden, wenn Erwachsene meine jüngeren Geschwister und später andere kleine Kinder gesehen haben und dann ganz dümmlich geworden sind. Nur weil die klein waren - und es (wie eine Schwester weiß) in Wirklichkeit ganz faustdick hinter den Ohren haben!

Na toll, daß es außer mir noch Menschen gibt, die in dieser Hinsicht genauso empfinden wie ich. Das ganze "Getuddele" um die Kinder ist wirklich nervig.

Also Kindchenschema funktioniert bei mir nicht. Habe auch nie mit Puppen gespielt. (Mich haben eher Abenteuer interessiert, die Welt retten, Mord und Totschlag, Rumrennen, Ringen - nicht wirklich raufen, aber harmlose Kämpfe)

Das erinnert mich an eine Ex-Freundin, die dasselbe von sich erzählte, was ich ganz toll fand, weil ich ein paar herb-männliche Züge an Frauen ganz gern mag. Trotzdem ging die Beziehung dann leider in die Brüche.

Ich habe eher manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke, meine Kinder in diese Welt zu lassen: Ist das Leben wirklich schön genug um es jemanden anzutun? Die Gesamtbvölkerung explodiert - sollte ich nicht lieber auf Weitergabe meiner (eh nicht so großartigen) Gene verzichten und lieber ein armes kleines Kind ohne Eltern adoptieren?

Kann ich nachvollziehen. Denkbar wäre aber auch genausogut, daß sich jemand sagt: "Gerade weil diese Welt so ist, wie sie ist, will ich - im doppelten Sinne des Wortes! - mit der Zeugung eines Kindes davon zeugen, daß ich diese Welt liebe und ihr einen Menschen schenken will, der sie besser macht."

Das sind so meine Überlegungen.
Nein, du bist kein Unmensch, weil du Kinder nicht interessant findest.
Unmenschen sind die, die wie meine eine Oma ihr Kind bekommt nur weil sie unter Hitler nicht in die Waffenfabrik wollte und es dann bei Verwandten und in allen möglichen Heimen ablegt, ihr dann noch Geld, das der Vater der Tochter zukommen läßt, selber einsteckt - obwohl schon Enkelkinder da sind!
Unmenschen sind die die ein Kind bekommen um den Partner zu halten und dann doppelt los gehen auf das kleine, wenn das nicht funktioniert.

Und das Letztere ist eine nur allzuweit verbreitete Praxis!

Unmenschen sind die, die damit nur ihre Urinstinkte befriedigen wollen, ein kleines nach dem anderen nachbekommen und das/ die älteren Kinder daneben verrotten lassen......

Aucn das vielfach entsetzliche Realität.

Stehe zu dir und deinen Wünschen,
du fühlst was du fühlst und bist wer du bist,
solange das nicht auf Kosten anderer geht, du niemanden damit wehtust

Ganz meine Einstellung.

Ich habe mich sehr über diese ausführliche Antwort gefreut.

Hätten alle, die gern Kinder wollen, zu Kindern und auch zu gewollter Kinderlosigkeit dieselbe Einstellung wie Du - unsere Welt wäre eine sehr viel tolerantere und verständnisvollere.

liebe Grüße
Astrid

Auch Dir ganz herzliche Grüße von

Ekki


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