Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Antimaterie Mann - Männlichkeit in der Werbung

Garfield, Tuesday, 08.02.2005, 18:03 (vor 7666 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Antimaterie Mann - Männlichkeit in der Werbung von Max am 07. Februar 2005 10:48:20:

Hallo Max!

Das wundert mich überhaupt nicht, betrachten doch viele Unternehmen mittlerweile Frauen als ihre hauptsächliche Zielgruppe. Es gibt zwar vereinzelt auch Werbespots, die Männer positiv darstellen, dann aber nur für die wenigen Produkte, die hauptsächlich von Männern gekauft werden (vor allem Mobiltelefone oder manche Autotypen).

Auch sonst fällt mir in den Medien zunehmend auf, daß es immer weniger Männer gibt. Vor allem im Musikbereich. Wenn man sich mal Videos auf diversen Musiksendern ansieht, dann sieht man da fast nur noch Frauen. Einzige Ausnahme: Männer, die schon länger im Geschäft sind, Männer die Teil einer gemischten Band sind (wobei dann aber auch meist die weiblichen Bandmitglieder in den Vordergrund gestellt werden) oder die immer noch ab und zu auftauchenden Boygroups oder auch einzelne männliche Sänger, deren Aufgabe es ist, Schnulzen für junge Mädels in der Pubertät zu Gehör zu bringen.

Nun könnte man ja meinen, daß der Markt das halt so will. Aber auch dann stellt sich die Frage, wieso so viele Menschen heute weibliche Musiker bevorzugen.

Außerdem glaube ich nicht, daß der Markt das wirklich festlegt. Ich denke, das läuft so ab:

Die Leute, die im Musikgeschäft das Sagen haben, lassen regelmäßig Marktanalysen durchführen. Da schickt dann also ein Markforschungsunternehmen z.B. Leute auf die Straße, die dann die Passanten befragen. U.a. wird dann auch gefragt, ob den Leuten männliche oder weibliche Musiker lieber sind. Vielleicht antworten 80% darauf, daß ihnen das egal ist, 5% geben an, daß sie Männer bevorzugen, und 15% sagen eventuell, daß ihnen weibliche Musiker lieber sind.

Das heißt nun zwar nicht, daß die Masse wirklich weibliche Musiker bevorzugt, aber die Musikbosse verstehen das so: Mit männlichen Musikern liegt der Anteil der potenziellen Plattenkäufer bei 85%, mit weiblichen Musikern jedoch bei 95%. Also wird eben beschlossen, daß bevorzugt weibliche Musiker vermarktet werden.

Das läuft so in sämtlichen großen Plattenfirmen, die es sich leisten können, gut dafür zu zahlen, daß die Radiosender ihre Platten spielen und somit große Teile des Marktes beherrschen. Und so kommt es dann eben, daß männliche Nachwuchs-Musiker kaum noch Chancen haben, ganz egal, wie gut sie sind. Sie kriegen allenfalls noch bei kleineren Plattenfirmen einen Vertrag, die aber kaum Mittel für großangelegte Werbung haben und so nur geringe Verkaufszahlen erreichen.

Wieviele männliche Musiker sind denn seit den 1990er Jahren mit Pop-Musik zu Superstars geworden? Außer Robbie Williams fällt mir da keiner ein, und der hat es auch nur über eine Boygroup geschafft.

In den 1980er Jahren sah das noch ganz anders aus. Da hielt sich das Verhältnis zwischen Männern und Frauen unter den Musik-Superstars noch in etwa die Waage. Es gab Tina Turner, Madonna, Cyndi Lauper usw., aber auch Phil Collins, Michael Jackson, Bruce Springsteen...

Manche dieser männlichen Superstars sind noch heute im Geschäft, aber sie zehren von ihren früheren Erfolgen. Müßten sie heute noch einmal bei 0 anfangen, hätte kaum einer von ihnen eine Chance, wie talentiert er auch immer sein mag.

Im Rap-Bereich sieht man natürlich noch viele Männer, weil die dort besser in das bei den Fans dieser Musikrichtung gefragte "Gangster"-Image passen. Aber ich denkte, auch dort ist es nur eine Frage der Zeit, bis die großen Plattenfirmen auch da keinen männlichen Nachwuchs mehr zulassen.

Früher war ja der Hardrock- und Heavy-Metal-Bereich auch von Männern dominiert. Es hat zwar auch dort immer auch weibliche Musiker gegeben, aber meist waren es Männer, die solche Musik machten. Zumindest im Hardrock-Sektor tauchen mittlerweile aber immer mehr Frauen auf. Offensichtlich werden Männer da auch schon zunehmend abgeblockt.

In Fernsehserien und Filmen läuft das ähnlich, nur ist es dort schwer möglich, Männer so stark auszublenden, wie das im Musikgeschäft geschieht. Aber bei neueren Krimiserien fällt beispielsweise auf, daß da grundsätzlich Frauen die Hauptrollen spielen, und man gibt diesen Serien Titel wie "Knallhart weiblich".

Ich frage mich nun, ob das wirklich daran liegt, daß die Mehrheit der Bevölkerung so etwas tatsächlich sehen will. Bei Frauen stelle ich sogar oft fest, daß sie solche Serien mit weiblichen Superheldinnen eher albern finden. Es scheinen mehrheitlich Männer zu sein, die sowas konsumieren, und auch die Computerspielfigur Lara Croft wurde ja nur durch Männer zur Kultfigur.

Und die Fernsehsender lassen so etwas vielleicht auch produzieren, weil sie das für das passende Rahmenprogramm für die meist frauenzentrierte Werbung halten.

Und dann frage ich mich auch, wie das eigentlich auf Kinder wirkt. Die Wirkung muß nicht unbedingt negativ sein. Wird man den heutigen Kindern, die ganz selbstverständlich mit dieser Frauen-Dominanz in den Medien und teilweise auch im realen Leben aufwachsen, noch einfach so einreden können, daß Männer die Welt beherrschen und Frauen unterdrücken?

Freundliche Grüße
von Garfield


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