Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: ?!

Andreas (d.a.), Friday, 07.01.2005, 14:09 (vor 7698 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Zustimmung von Garp am 07. Januar 2005 10:46:42:

Hallo Garp, erlaube mir einen kurzen Kommentar:

Eine für die Mutter weitgehend komplikationslose Abtreibung ist Verdienst der modernen Medizin; es macht daher wenig Sinn, im "Zwang zum Kindergebären" einen Akt patriarchaler Gewalt gegen Frauen zu vermuten - zumindest mangelt es für die "weisen Frauen des Matriarchats, die noch um das Geheimnis der Abtreibung wußten" und von denen man gar nicht mal so selten in der feministischen Literatur liest, bisher an stichhaltigen wissenschaftlichen Belegen. Du hast also natürlich Recht, wenn Du sagst, das Thema Abtreibung habe in der Geschlechterdebatte nichts verloren (und das hatte es auch schon damals nicht). Es gehört mehr in Richtung der Debatte "Wohin mit den Alten?" und "Sind Behinderte für eine Gesellschaft tragbar?" (Die Formulierung dieser Fragen ist natürlich zynisch, aber sie ist auch nicht von mir.)

Was ich aber noch unbedingt loswerden wollte: Wenn man die Argumentationslinien der Befürworter ansieht, dann scheint die Abtreibung selbst erst aus der Polarisierung ihren Anspruch gewinnen zu können - seien es die sich vom Gebärzwang befreienden Frauen oder auch die von der Vormundschaft eines überkommenen Klerikalismus noch immer zu befreienden "aufgeschlossenen" Menschen. Solch eine Sichtweise verwandelt die Frage der Abtreibung stets in einen Befreiungskampf, gegen wen auch immer. Ich war immer der Meinung, daß eine religiöse Argumentation den Lebensrechtler-Bewegungen letztendlich mehr schade als zu nützen. Vor allem, weil ein Verweis auf "Gott" für diese Frage letztendlich völlig unnötig ist, bei Atheisten aber eher zu einer Abwehrbewegung führt. - Die Frage, die sich eine Gesellschaft immer wieder stellen muß, ist, wie sie mit ihren Schwächsten, mit denen, die keine Stimme haben, umzugehen weiß. Das hat nichts mit Religion zu tun, es ist lediglich eine ethische Frage. Da es sich bei der Abtreibung um einen außerplanmäßigen Eingriff handelt, sollte es daher auch an den Befürwortern sein, diese zu rechtfertigen. Abtreibung als fristengeregeltes Grundrecht ist jedenfalls argumentativ nicht überzeugend.

Und Dein Einwand, es gäbe ja auch Männer, die froh seien, für die Folgen ihres Seitensprungs nicht aufkommen zu müssen ... Willst Du damit sagen, daß geteilte Unmoral weniger schwer wiege? - Ich hatte auch mal einen ähnlichen Standpunkt, als ich lediglich die Entscheidungskompetenz im Auge hatte und es ungerecht fand, daß allein Frauen darüber entscheiden dürfen sollten. Genau dieser(!) Gedanke führt dann aber dazu, das Thema zum Argument eines endlosen Geschlechtergerangels um die letztendliche Entscheidung zu machen. Und dabei geht es nicht mehr um das Kind, sondern um das Recht auf Konsequenzlosigkeit eigenen Handelns.

Aber Du hast Recht - dieses Thema gehört nicht wirklich hierher.

Ein schönes Wochenende, Andreas


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