Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: noch mal Abtreibung

Nick, Thursday, 06.01.2005, 23:44 (vor 7699 Tagen) @ AJM

Als Antwort auf: Re: noch mal Abtreibung von AJM am 06. Januar 2005 19:55:15:

Guten Abend AJM!

Das ist kein Problem des Rechthabens, sondern es hat grundsätzliche Bedeutung. Zum Rohrkrepierer kommt es dann, wenn dies nicht mehr erkannt wird, wenn so etwas nicht mehr absolut unhinterfragt selbstverständlich ist. Sobald der Mensch darüber diskutiert, ab wann ein Mensch ein Mensch ist, und ab wann nicht, schafft er sich selbst ab. Deshalb gibt es keine humane Alternative zu Carlos' "Basta!"

Wenn der Zellhaufen "vielleicht kein Mensch ist", dann darf es folglich auch Menschen geben, die denken dürfen, daß 'der Zellhaufen' kein Mensch ist. Und dann behandeln sie ihn eben auch so. Wozu führt dieser vermeintliche "Liberalismus"? Zur Freiheit? Oder zum nackten Grauen, wie ich meine?

Wenn du so argumentierst, stehen andere Menschen auf und benutzen deine Argumente, um dir darzulegen, daß ein Alzheimerpatient kein Mensch ist. Stell dir vor, dein Arzt sagt dir,daß du an Alzheimer erkrankt bist. Auf dem Heimweg triffst du zufällig einen gewissen AJM, einen netten, cleveren Typ, der sich gut in allen Dingen auskennt und der dir erklärt: "Ob ein dementer Alzheimerpatient ein Mensch ist, ist eine Frage des Standpunktes, und solange "Basta"-Menschen jedwede andere Ansicht mit fast schon missionarischen Eifer als falsch abqualifizieren (und ihre eigene logischerweise als die einzig richtige ansehen), solange wird über dieses Thema weiter gestritten werden und zu einem Ergebnis kommt man nie. Wobei es m.E. gar keines Ergebnisses bedarf. Es wird immer verschiedene Meinungen geben und niemand kann mit Sicherheit sagen, ob ein Alzheimerkranker noch ein Mensch ist oder eben nur humanoide Biomasse. Ich nehme nicht für mich in Anspruch allwissend zu sein, deshalb würde ich auch nie sagen: "Ein Alzheimerkranker ist kein Mensch- Basta", sondern ich sage: "Meiner Meinung nach ist er kein Mensch." Aber ich respektiere andere Meinungen. Nur die Schärfe und die (vermeintlich) entgültige Aussage der Alzheimerschützer führt leider in eine Sackgasse. Ich überlasse es jedem selbst zu entscheiden, wie er den Alzheimerkranken sieht, als Mensch oder eben nur als Boimasse, die vom Mensch-Sein weit entfernt ist. Wo ist denn der tatsächliche Beweis, daß der Alzheimerkranke noch ein Mensch ist? Es gibt keinen, genau so wenig wie es keinen Beweis gibt, daß es eben kein Mensch ist. Nur weil die Mehrzahl aller Wissenschaftler, Gläubigen, Richter oder sonstige Meinungsbildner es so sehen muß es noch lange nicht richtig sein." Das ist die Konsequenz deiner eigenen Argumentation - außer du sagst zu dem AJM eben: "Basta! Ich habe zwar Alzheimer, aber ich bin dennoch ein Mensch. Und ich bleibe das auch, bis ich von allein gestorben bin!"

Nun stell dir vor, eine Feministin, die der Ansicht ist, der Anteil der Männer an der Bevölkerung sollte auf "ausreichende 10-20% abgesenkt" werden, würde dafür kritisiert, weil Männer ja auch Menschen sind. Nun zöge auch hier dein "Basta!" nicht, auf das du dich dann wahrscheinlich doch lieber zurückziehen willst - einfach weil du meinst, du seiest ganz selbstverständlich ein Mensch. Diese Feministin wird dir nämlich erklären, daß das deine Meinung sei, daß das deshalb aber noch lange nicht bewiesen sei: "Meiner Meinung nach sind Männer keine Menschen. Sie haben weder Brüste noch Vagina, können keine Kinder gebären, denken linear statt vernetzt, sind gewalttätig, es fehlt ihnen das zweite X-Chromosom, das richtige Menschen besitzen usw. usf. blabla..." Wenn du jetzt erst recht einen unwiderstehlichen Drang verspürst, "Basta!" zu sagen, weil du dein Menschsein nicht für eine Frage der Meinung anderer Menschen hältst, dann wird dir geantwortet: "Ob ein Mann ein Mensch ist, ist eine Frage des Standpunktes, und solange "Basta"-Wesen jedwede andere Ansicht mit fast schon missionarischen Eifer als falsch abqualifizieren (und ihre eigene logischerweise als die einzig richtige ansehen), solange wird über dieses Thema weiter gestritten werden und zu einem Ergebnis käme man nie. Wobei es m.E. gar keines Ergebnisses der Diskussion bedarf, da wir Menschen (Frauen) einfach eine humane Lösung beschließen und durchsetzen. Es wird immer verschiedene Meinungen geben und niemand kann mit Sicherheit sagen, ob ein Mann noch als Mensch bezeichnet werden kann oder eben nur als protohumanoide Biomasse und Spermienlager, denn wir Menscheninnen brauchen ihn ja nur zu diesem Zweck. Ich nehme garnicht für mich in Anspruch allwissend zu sein, deshalb würde ich auch nie sagen: "Ein Mann ist kein Mensch- Basta", denn vielleicht ist er ja doch einer, sondern ich sage: "Meiner Meinung nach ist er kein Mensch." Ich respektiere andere Meinungen. Nur die Schärfe und die (vermeintlich) entgültige Aussage der Männer führt leider in eine Sackgasse. Ich überlasse es jeder Menschin, selbst zu entscheiden, wie sie den Mann sieht, als Mensch oder eben nur als Spermienlager, das vom Mensch-Sein weit entfernt ist. Wo ist denn der tatsächliche Beweis, daß der Mann ein Mensch ist? Es gibt keinen, genau so wenig wie es keinen Beweis gibt, daß es eben kein Mensch ist. Nur weil die Mehrzahl aller männlichen Wissenschaftler, Gläubigen, Richter oder sonstige Möchtegernmeinungsbildner es so sehen muß es noch lange nicht richtig sein."

Es gibt zum "Basta!" in der Frage, was ein Mensch ist, keine Alternative, weil es eine grundsätzliche Frage ist, die der Mensch nicht definieren oder entscheiden kann - außer um den Preis der hybriden Barbarei. Wenn Menschen definieren, was ein Mensch ist, dann schaffen sie sich selbst als Menschen ab: den, dem sie es absprechen, natürlich, aber auch sich selbst, da ein solcher Standpunkt immer und vom Grundsatz her inhuman, unmenschlich ist. Basta!

Ich weiß, daß ich da inzwischen vielleicht in der Minderheit bin. Ich weiß auch, daß eine genügend große Zahl von Menschen - ihren eigenen Regeln nach - alles qua Mehrheit beschließen kann und daß das dann auch so gemacht wird. Nur ist das dann eben nicht die menschliche Welt, in der ich leben will, sondern eine Hölle. Die Abschaffung des Menschen auf dieser Erde durch sich selbst halte ich inzwischen für "beschlossene Sache", weil sich in allen Lagern eigentlich alle darüber einig sind. Es geht nur noch darum, wer wen zuerst entmenschlichen und vernichten darf.

Nick


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