Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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OT: Freud, Jung und Sophokles

Daddeldu, Sunday, 02.01.2005, 17:06 (vor 7703 Tagen) @ T.Lentze

Als Antwort auf: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes von T.Lentze am 29. Dezember 2004 15:37:36:

Hallo,

Bekannt ist die psychoanalytische Deutung des Ödipusmythos durch S. Freud. Demnach haben wir es in diesem antiken Mythos mit einer Projektion frühkindlicher, allgemeingültiger Erlebnisse zu tun: während einer bestimmten Entwicklungsphase entwickeln Jungen Fantasien des Inzestes mit der Mutter und der Tötung des Vaters. Diesen empfinden sie konsequenterweise als Rivalen.

Ich bin zwar kein intimer Freud-Kenner, aber was Du hier über ihn schreibst dürfte falsch sein. Freud hat nämlich nicht den antiken Ödipusmythos gedeutet. Er hat nur die These über die menschliche Psyche aufgestellt, die Du im Wesentlichen richtig wiedergegeben hast: während einer bestimmten Entwicklungsphase entwickeln Jungen Fantasien des Inzestes mit der Mutter und der Tötung des Vaters. Diesen empfinden sie konsequenterweise als Rivalen. (Nach Freud entwickelt es sich bei Mädchen ganz genauso, mit umgekehrten Geschlechterrollen, genannt „Elektrakomplex“.)

Dies ist, wie gesagt nur eine These über die menschliche Psyche. Freud hat einen Namen dafür gesucht, und es eben nach der antiken Tragödie des Sophokles benannt. Eine Deutung des antiken Textes hat er meines Wissens dabei nicht veröffentlicht.

Denn es war ja auch so, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dass erst der Freud-Schüler C. G. Jung ein „Kollektives Unterbewusstes“ annahm und anfing Märchen und Mythen psychisch auszudeuten. Freud hat sich dann mit seinem Schüler überworfen.

Und Freud meint auch mit Projektion etwas anderes: Projektion bezeichnet bei ihm die unbewusste, Angst abwehrende Verlagerung von Triebimpulsen, Wünschen und Schuldgefühlen auf andere Personen. Also rein auf der Ebene individueller Psyche, nicht kollektiv oder literarisch.

Aber wenn Du da andere Informationen hast, lasse ich gerne meinen Horizont erweitern.

Gruß,

Daddeldu


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