Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes

T.Lentze, Wednesday, 29.12.2004, 22:39 (vor 7707 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes von Garfield am 29. Dezember 2004 18:05:29:

Hallo Garfield,

ich danke dir für deine ausführliche Antwort. Mir scheint aber, wir haben im Wesentlichen aneinander vorbeigeredet.

Du gibst einen Gesamtüberblick über Formen der Wertschätzung des Mutterseins vom Blickwinkel der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Fast alles, was du sagst, finde ich insoweit völlig einleuchtend, mit Ausnahme folgender Aussage:

"Das bedeutete, daß der Fortbestand der Art durch Dezimierung der Anzahl der Männer nicht direkt gefährdet war, durch Dezimierung der Anzahl der Frauen aber sehr wohl."

Diese Ansicht wurde in einem anderen Forum vor kurzem auch vertreten, und zwar von einer Studentin. Ihr wurde aber sogleich widersprochen mit dem Hinweis darauf, daß es grundsätzlich unsinnig sei, die Geschlechter in Betreff des Fortbestandes einer Art als ungleichwertig anzusehen. Wenn nämlich Männer im Verhältnis zu Frauen dezimiert sind, so werden die Mütter nicht mehr ausreichend ernährt und können folglich auch ihre Säuglinge nicht mehr stillen. - Der Denkfehler, welcher den Wert von Frauen somit höher ansetzt, beruht, wie ich vermute, auf eine unreflektierte Anwendung züchterischer Praktiken in landwirtschaftlichen Betrieben auf die Humangesellschaft. Wenn ein Bauer 10 Kühe unterhält, aber nur einen Bullen, dann deshalb, weil er selbst die Kühe beschützt und ernährt. Wenn Gott nachweislich dasselbe für uns täte - na schön. So aber haben Solana, Gaerhart und Christian Pfeiffer Unrecht, wenn sie uns mit einer Dezimierung des männlichen Geschlechtes die Erhaltung unserer Art versprechen.

Mir ging es um einen ganz speziellen Mutterkult, nämlich - neu formuliert - um unseren öffentlich-rechtlichen Mutterkult seit Beginn der 68-Bewegung. Eigentlich hätte ich F.e.m.i.n.a.t schreiben müssen, um ihn als atavistische Variante des archaischen Matriarchats zu charakterisieren. Aber das Wort ist ja hier, soviel ich mich entsinne, gesperrt. Matriarchate sind natürlich gewachsene Gesellschaften und insofern nicht kritiktauglich. Das F. jedoch in dem von mir gemeinten Sinne ist eine soziale Mißgeburt, zumindest aber ein problematisches Gebilde ohne jedes natürliche Vorbild. Du berührst diese Frage am Schluß deiner Antwort, wo du sagst, daß Frauen kaum noch Gebär-Risiken tragen müssen, von ihren Privilegien aber, zulasten der Männer, nicht lassen wollen.

Ich meine also gerade nicht z.B. den Marienkult der katholischen Kirche. Der ist mir beinahe sympathisch. Gegen eine Frau, die eine Frau ist und nicht ein Mann in einer Frau, habe ich nichts einzuwenden.

Vielmehr ist mir aufgefallen, daß die geistigen Wegbereiter des heutigen F.s in Deutschland, insbesondere also die Wortführer der Frankfurter Schule, Juden waren; und, zweitens, daß sexistische Strömungen innerhalb der christlichen Kirchen evangelischer/protestantischer, insofern also wiederum alttestamentlich-jüdischer Provenienz sind.

Meine Betrachtungsweise ist also die geistesgeschichtliche. Ich frage nun: warum propagierten gerade Vertreter einer (ehemals) extrem patriarchalischen Lebensform die Zerschlagung der Familie ? Es heißt doch in den mosaischen Geboten: Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebst. Die Familie war ihnen heilig. -

Nun ich denke, ihr Haß gegen die "Keimzelle jeder Herrschaft", als welche sie die Familie erkennen, und ihr Haß gegen das Väterliche, in welchem sie nur das Element der Unterdrückung der Söhne sehen, resultiert aus ihrem Versäumnis der Annahme einer zeitgemäßen Religion - als welcher ich das Christentum erkenne -, in der es heißt: "Ich und der Vater sind eins". Da ist völliger Einklang zwischen Vater und Sohn; und Raum auch für weibliche Elemente (Marienkult), wie sie am ehesten dann im Katholizismus zur Entfaltung kamen. Der hat also gerade NICHT das F. geschaffen, das ich oben ungenau als "staatlich-rechtlichen Mutterkult" bezeichnet habe. Ein Christentum in diesem Sinne ist geschützt gegen sexistische Entgleisungen. Es ist die Religion des Sohnes, der zwar opponiert, allerdings gerade nicht gegen seinen (himmlischen oder irdischen) Vater, sondern gegen die jüdischen Autoritäten, mit der Inkaufnahme und Folge seiner Hinrichtung.

Wenn also einige User gegen Meinungsäußerungen von bekennenden Christen hier polemisieren, so tun sie das vermutlich aus den o.g. Gründen, jedenfalls aus mangelnder Reflexion.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: ich gehöre keiner Kirche oder organisierten Glaubensgemeinschaft an. Ich bin nicht "beauftragt", meine Überzeugung zu vertreten. Ich tue es auf eigenes Risiko.

Ebenfalls mit freundlichen Grüßen, T.L.


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