Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes
Als Antwort auf: Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes von T.Lentze am 29. Dezember 2004 20:39:24:
Hallo Thomas!
Hm, also ich finde nicht, daß wir so sehr aneinander vorbei schreiben.
"Wenn nämlich Männer im Verhältnis zu Frauen dezimiert sind, so werden die Mütter nicht mehr ausreichend ernährt und können folglich auch ihre Säuglinge nicht mehr stillen."
Sicher war es für eine Frau nicht optimal, wenn sie plötzlich keinen Ernährer mehr hatte. Aber das bedeutete nicht automatisch, daß sie dann keine Kinder mehr groß ziehen konnte. Es gab auch in früheren Zeiten schon Unterstützung für allein stehende Mütter. Die war nicht so gut organisiert wie heute, aber es hat sie immer gegeben. In einigen Kulturen wurde für genau diesen Zweck die Mehrfrauen-Ehe eingeführt. In islamischen Ländern ist das ja auch so, und dabei gibt es ein ganzes Bündel von Regeln, um sicher zu stellen, daß in so einer Ehe auch jede Frau optimal versorgt wird. So muß ein Mann allen seinen Frauen immer gleichwertige Geschenke machen, darf also keine auf Kosten der anderen bevorzugen usw. So wurde und wird sichergestellt, daß ein Mann nicht mehr Frauen heiratet als er ernähren kann. Und so ist es heute noch so, daß in islamischen Ländern üblicherweise nur Männer mit hohem Einkommen mehrere Ehefrauen haben.
Selbst im Christentum hat es so etwas immer gegeben, wenn auch nicht offiziell legitimiert. Aber auch da kam es immer wieder vor, daß vor allem Männer mit gutem Einkommen neben ihren Ehefrauen noch eine oder sogar mehrere Geliebte und mit diesen Geliebten häufig auch Kinder hatten. Dafür, daß diese Geliebten schwiegen, wurden sie finanziell gut versorgt.
Es war also durchaus möglich, daß wenige Männer jeweils mehrere Frauen ernährten. Und tatsächlich hat es in der Geschichte auch immer wieder Situationen gegeben, in denen das nötig war. Nicht nur in Kriegen, sondern beispielsweise auch als Folge von Hungersnöten, die durch Mißernten immer wieder auftraten. Dann waren es auch die Männer, die sich für ihre Familien aufopferten und z.B. durch Jagd versuchten, noch irgendwie Essen heran zu schaffen, während Frauen und Kinder zu Hause blieben und möglichst wenig taten, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. So kam es, daß es unter Männern bei solchen Hungersnöten oft besonders viele Opfer gab - obwohl sie diejenigen waren, die die Nahrung heranschafften.
Natürlich war es für die Frauen schwieriger, Kinder aufzuziehen, wenn wenige Männer da waren. Natürlich gingen die Geburtenzahlen dann auch zurück. Aber es war nicht so, daß deshalb die Menschheit gleich vom Aussterben bedroht war.
Wenn aber sehr viele Frauen starben, dann gingen die Geburtenzahlen sofort drastisch zurück. Da konnte eine einzelne Frau mit so vielen Männern schlafen, wie sie wollte sie bekam trotzdem nicht mehr Kinder.
Deshalb hat sich die Ehe einer Frau mit mehreren Männern ja auch nur selten, unter Ausnahme-Bedingungen durchgesetzt, während umgekehrt die Ehe eines Mannes mit mehreren Frauen sehr viel häufiger üblich war. Und deshalb setzte man den Wert von Frauen früher höher an und nur so konnten sämtliche gefährliche Tätigkeiten Männersache werden.
Der Denkfehler, welcher den Wert von Frauen somit höher ansetzt, beruht, wie ich vermute, auf eine unreflektierte Anwendung züchterischer Praktiken in landwirtschaftlichen Betrieben auf die Humangesellschaft.
Das glaube ich nicht, weil der Mutterkult offenbar sehr viel älter ist als die Landwirtschaft.
Wenn ein Bauer 10 Kühe unterhält, aber nur einen Bullen, dann deshalb, weil er selbst die Kühe beschützt und ernährt.
Aber im Tierreich ist genau dasselbe also dass ein Männchen mit einem Harem von Weibchen zusammen lebt bei manchen Arten genauso üblich! Da ist auch kein Bauer da, der das Männchen dabei unterstützt, die Weibchen zu beschützen und zu ernähren.
So aber haben Solana, Gaerhart und Christian Pfeiffer Unrecht, wenn sie uns mit einer Dezimierung des männlichen Geschlechtes die Erhaltung unserer Art versprechen.
Sie haben Unrecht, aber aus anderen Gründen. In der Vergangenheit war das Leben weitaus härter als heute. Damals brauchten die Frauen die männliche Unterstützung, und so hätte es sich langfristig negativ ausgewirkt, wenn es nur wenige Männer gegeben hätte. Kurzfristig ließ sich ein Männermangel wie oben beschrieben durchaus ausgleichen, aber langfristig wäre das problematisch geworden. Wenn es anders gewesen wäre und die Erhaltung der Art mit weniger Männern besser funktioniert hätte, dann hätte sich alles mit der Zeit so eingespielt, dass weniger Männer geboren worden wären. Daß das nicht geschehen ist, ist allein schon ein Beweis dafür, dass eine Verringerung der Zahl der Männer zumindest keine Vorteile mit sich gebracht hätte.
Solche Theorien sind heute auch deshalb modern, weil es heutzutage ja immer weniger gefährliche und körperlich schwere Tätigkeiten gibt. Daraus schlussfolgern Radikalfeministinnen gern, dass der Mann somit nun nicht mehr nötig wäre und höchstens noch in geringer Anzahl als Samenspender benötigt werden würde.
Übersehen wird dabei, dass die moderne Technologie den Wert der Frau gleichermaßen gesenkt hat. Eine Frau muß heute weit weniger Kinder zur Welt bringen, um die Art zu erhalten. So könnte man heute problemlos auch die Zahl der Frauen reduzieren, wenn die verbliebenen Frauen dafür fleißig ein Kind nach dem anderen gebären würden. Und die künstliche Gebärmutter ist schon länger in Entwicklung
Mir ging es um einen ganz speziellen Mutterkult, nämlich - neu formuliert - um unseren öffentlich-rechtlichen Mutterkult seit Beginn der 68-Bewegung.
Das sehe ich nur als eine Fortführung des uralten Mutterkultes an. Auch in früheren Zeiten war es schon so, dass man jede Frau als potenzielle Mutter betrachtete und entsprechend für schutzwürdig hielt. Als es die modernen, bequem anzuwendenden Verhütungsmittel noch nicht gab, wurde auch tatsächlich nahezu jede Frau früher oder später schwanger.
Heute hat sich das grundlegend geändert, aber der uralte Mutterkult wird weiter betrieben, und zwar weiterhin auf sämtliche Frauen bezogen. Auch Frauen, die in ihrem Leben kein einziges Kind zur Welt bringen, müssen keinen Wehrdienst leisten, haben berufliche Vorteile durch Quotenregelungen, können spezielle Leistungen des Arbeits- oder Sozialamtes in Anspruch nehmen usw. Gleichzeitig bekommen Männer wie eh und je alle diese Privilegien nicht, auch nicht, wenn sie Kinder allein großziehen.
Das fällt jetzt allmählich nur immer mehr auf. Erstens, weil es uns ja noch recht gut geht und Frauen so auch mehr Leistungen aus öffentlichen Mitteln bekommen. Zweitens weil heute immer weniger Frauen diese Privilegien wirklich benötigen. Und drittens, weil immer mehr Frauen ihre Vorrechte Männern gegenüber massiv missbrauchen.
Es haben natürlich noch einige andere Faktoren dazu beigetragen, die Frauenbevorzugung voranzutreiben. Da war die 68er-Bewegung, die letztendlich auch erreicht hat, dass der Feminismus als sexuell/politisch korrekt eingestuft wurde. Seitdem fühlen sich unsere Politiker genötigt, bei jeder Gelegenheit frauenfreundlich aufzutreten.
Und da sind die modernen Medien, die sich Feministinnen immer wieder als Propaganda-Plattformen zur Verfügung stellen. Das ist auch ein ganz wesentlicher Unterschied zu früheren Zeiten. Radikalfeministinnen hat es schon immer gegeben, und die haben auch früher schon Bücher über die Minderwertigkeit des Mannes geschrieben. Nur hat die kaum jemand gelesen. Die Masse der Bevölkerung konnte ja noch nicht einmal lesen. Fernsehen und Radio gab es auch nicht. Also bekam kaum jemand etwas davon mit, und der Unsinn blieb in der Versenkung, wo er hingehörte. Heute kann aber fast jeder lesen, und wer dazu zu faul ist, wird vom Fernsehen mit feministischen Dogmen berieselt.
Das alles hat dazu beigetragen, dass auf der Grundlage des uralten Mutterkultes und der Forderungs-Mentalität der Frau der heutige Feminismus entstanden ist.
Vielmehr ist mir aufgefallen, daß die geistigen Wegbereiter des heutigen F.s in Deutschland, insbesondere also die Wortführer der Frankfurter Schule, Juden waren; und, zweitens, daß sexistische Strömungen innerhalb der christlichen Kirchen evangelischer/protestantischer, insofern also wiederum alttestamentlich-jüdischer Provenienz sind.
Sind das wirklich die alleinigen Wegbereiter des Feminismus? Ich glaube das nicht. Ich sehe es eher so, dass sehr viele Männer den Feminismus unterstützt haben und heute noch unterstützen. Von Männern haben Feministinnen schon immer mehr Unterstützung bekommen als von Frauen. Männer, die ein sehr traditionelles Rollenbild hatten, standen manchen feministischen Forderungen zwar skeptisch gegenüber, aber dafür waren und sind gerade diese Männer noch mit am ehesten bereit, sehr viel für Frauen zu tun. Es ist ein uralter männlicher Instinkt, Frauen in jeglicher Situation zu unterstützen. So waren viele Männer egal, welcher Religion dann auch gern bereit, Frauen immer mehr Privilegien zu geben und dafür immer mehr Nachteile in Kauf zu nehmen.
Ich frage nun: warum propagierten gerade Vertreter einer (ehemals) extrem patriarchalischen Lebensform die Zerschlagung der Familie ?
Vielleicht aus Opposition zum Vater heraus? Aber das ist eigentlich nicht die wesentliche Frage. Wirrköpfe hat es immer gegeben. Nur wurden sie in früheren Zeiten eben weitgehend ignoriert.
Der hat also gerade NICHT das F. geschaffen, das ich oben ungenau als "staatlich-rechtlichen Mutterkult" bezeichnet habe.
Nein, aber der Katholizismus hat auch nichts gegen den Radikalfeminismus unternommen. Zwar stemmte und stemmt sich die katholische Kirche gegen Abtreibung und Verhütungsmittel, aber den Feminismus an sich stellte und stellt sie nicht wirklich in Frage.
Und man muß ja eben auch bedenken, dass das Idealbild der christlichen Familie niemals 100%ig durchgesetzt worden ist. Menschen sind immer fremdgegangen, haben sich (mit oder ohne Scheidung) getrennt oder ohne Trauschein zusammen gelebt, es wurden immer uneheliche Kinder geboren So war es kein Wunder, dass manche Menschen die christliche Ehe und auch die Familie nur als eine Farce betrachteten. In den 1920er Jahren gab es in Deutschland heftige Diskussionen um eine Ehe auf Zeit. Es war eben eine Zeit, in der alles Althergebrachte zu zerfallen schien. Der Kaiser war weg, die Adelstitel waren abgeschafft, das Geld war nichts mehr wert, die Wirtschaft lag am Boden - der ganze Glanz des Deutschen Reiches war dahin. In so einer Situation neigen Menschen dazu, etwas Neues auszuprobieren. Aber so eine Ehe auf Zeit wäre niemals ernsthaft vorgeschlagen worden, wenn die Ehen und Familien bestens funktioniert hätten.
Wenn also einige User gegen Meinungsäußerungen von bekennenden Christen hier polemisieren, so tun sie das vermutlich aus den o.g. Gründen, jedenfalls aus mangelnder Reflexion.
Ich denke, sie tun es vor allem dann, wenn jemand daher kommt und seine Religion als der Weisheit letzter Schluß und einzige Rettungsmöglichkeit der Menschheit präsentiert. Oder wenn sie zumindest das Gefühl haben, dass jemand das so meint.
In mancher Hinsicht haben die christlichen Kirchen da heute tatsächlich wieder eine progressive Rolle. Aber sie stellen nach wie vor den Radikalfeminismus nicht in Frage, sondern beklagen nur einige wenige seiner Auswüchse.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes -
T.Lentze,
29.12.2004, 17:37
- Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes -
Garfield,
29.12.2004, 20:05
- Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes -
T.Lentze,
29.12.2004, 22:39
- Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes - Garfield, 30.12.2004, 19:40
- Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes -
T.Lentze,
29.12.2004, 22:39
- Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes - susu, 30.12.2004, 00:52
- OT: Freud, Jung und Sophokles -
Daddeldu,
02.01.2005, 17:06
- Re: OT: Freud, Jung und Sophokles - T.Lentze, 02.01.2005, 19:13
- Re: Wurzeln unseres staatlich-rechtlichen Mutterkultes -
Garfield,
29.12.2004, 20:05