Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Jungen werden verdummt

Sven75, Saturday, 27.11.2004, 11:08 (vor 7740 Tagen) @ Sebastian

Als Antwort auf: Re: Jungen werden verdummt von Sebastian am 26. November 2004 23:17:29:

mhm also ich mochte computerspiele von anfang an, ich spiele auch jetzt noch viel und schätze die ganze sache sehr. und naja nach jahrelangem spielen kann ich heute ungefähr folgendes:
[Aufzählung]

Deine Liste ist ja gut und schön, nur: Was hat das mit dem Spielen zu tun? Du willst mir sicherlich nicht erzählen, dass du dieses Wissen "beim Spielen" erlangt hast. Ist es nicht eher so, dass du durch das Spielen zu technischen Bereichen gekommen bist, weil diese innerhalb der Communities dieser Spiele Tätigkeitsfelder sind? Und kann man deshalb zwangsläufig darauf schliessen, dass jemand, der spielt, zwangsläufig zum Programmierer wird? Wohl kaum. Dass die von dir aufgezählten Bereiche mit Technik zu tun haben, ist unbestritten, aber dass diese zwangsläufig nur über das Spielen erschlossen werden, ist wohl ein großer Irrtum. Lineare Algebra kann jemand ganz einfach über Interesse an Mathematik erschliessen, Programmiersprachen über Interesse am Programmieren, usw.

- und ein breites interesse für alle möglichen technischen und naturwissenschaftlichen / mathematischen dinge (hast du vielleicht eine ahnung wieviel wissen in modernen spielen steckt? sicher nicht ;))

In Anbetracht der Tatsache, dass ich mich über 20 Jahre lang damit beschäftigt habe, kannst du wohl davon ausgehen, dass mir dies bekannt ist. Ich kann mich allerdings auch nicht erinnern, irgendwo behauptet zu haben, dass in Spielen kein Aufwand stecken würde.

ok auf der anderen seite muss ich sagen das meine rechtschreibung mies ist (mein satzbau ebenso. stört mich allerdings nicht) und ich wenig soziale kontakte habe. aber das ist es was ich wollte und es ist ok so (ich bin auch garnicht bereit daran etwas zu ändern - für jede minute die ich darin investieren würde meine rechtschreibung zu verbessern könnte ich viel eher andere dinge lernen die mir mehr liegen).

Das ist die klassische Argumentation, wenn jemand sich Gründe sucht, sich mit einem bestimmten Bereich nicht beschäftigen zu müssen. Sie deckt sich mit der Argumentation vieler Studenten von Kulturwissenschaften, warum sie denn keine Mathematik können müssten oder der Argumentation vieler Naturwissenschaftler, warum sie denn keine Fremdsprachen bräuchten. Aber früher oder später holt sie dieser Mangel dann doch ein. Denn Mathematik braucht man überall, schriftliche Arbeiten muss man auch überall abliefern und es könnte ebenfalls mal sein, dass der Arbeitgeber Kunden hat, die nicht aus Deutschland stammen. Und dann ist das Geschrei gross.

Für die Informatik gilt das ebenso. Mittlerweile sind in der Informatik Studiengänge sehr gefragt, die noch einen zweiten Schwerpunkt haben wie z.B. beim Medien- oder Wirtschaftsinformatiker. Wer da in Rechtschreibung schlecht ist, hat verloren.

von daher würde ich sagen das computerspiele nicht schädlich sind (sie können es allerdings durchaus werden), jedenfalls nicht schädlicher als bücher.

Informiere dich mal im Netz über RSI, CTS sowie die Haltungsschäden die bei Bildschirmarbeit auftreten. Auch wenn dies in Deutschland noch nicht allzu bekannt ist: Derartige Gesundheitsprobleme füllen ganze Bände und ein Großteil dieser Krankheiten ist noch nicht heilbar. Ähnliches ist über Bücher nicht bekannt.

nun man muss sich eben immer entscheiden was man macht, wenn du merkst das dich die beschäftigung mit computern oder spielen nicht weiterbringt mach eben was anderes. aber per se zu sagen das computerspiele schlecht sind bzw. nichts bringen ist völliger schwachsinn.

Ob Computerspiele schlecht sind oder nicht, muss jeder selber entscheiden. Für mich waren diese Spiele viele Jahre lang eine vorzügliche Form der Unterhaltung - neben dem Lesen. Zumindest früher gab es auch noch Spiele, die mehr als nur Unterhaltung boten - komplexe Wirtschaftssimulationen zum Beispiel. Aber das ist heute absolute Mangelware. Und neben der Frage, ob man etwas tut, stellt sich immer die Frage, wie intensiv man dies betreibt. Wenn man es geradezu exzessiv betreibt, bleibt der Nutzen hinter dem Aufwand allerdings sehr stark zurück.

schade das du dabei nichts gelernt hast.

Och ich habe dabei sogar jede Menge gelernt. Ich habe damals am Amiga und CPC 464 sogar programmiert gehabt, allerdings habe ich dies später aufgegeben, weil es schon alles gab, was ich brauchte. Ich habe jahrelang für andere Kisten zusammengeschraubt, Rechner repariert und damit auch die eine oder andere Mark nebenher verdient. Und ich habe auch eine Phase im Internet gehabt, wo ich jahrelang einen Clan geleitet, dessen Website verwaltet, Maps gebaut und die dort üblichen Spielereien gemacht habe. Nur: Das alles bringt einen beruflich absolut nicht weiter. Man hat natürlich ein gewisses Vorwissen, aber dieses ist nur handwerklich und weder grundständig noch durchgehend.

Ich hätte damals, als es noch keine Kammerausbildungen im IT-Bereich und kaum Hochschulabsolventen gab, als Quereinsteiger sicher etwas bekommen können, wäre dann heute aber genauso arbeitslos wie viele andere nicht-akademische IT-Fachleute auch. Heute allerdings stellt niemand einen Jugendlichen ein, nur weil er ein Computerfreak ist. Ganz einfach deshalb, weil dessen Wissen in keiner Weise kategorisierbar oder erfassbar ist. Er weiss hier und da vielleicht etwas, aber nichts durchgängig belegbares.

Von denjenigen, die ich während meiner Jugend gekannt habe und die ebenfalls solche Freaks waren, haben einige Informatik studiert und mir danach ewig in den Ohren damit gelegen, dass dieses Studium ja doch nicht so war, wie sie sich das gedacht hatten. Andere sind einen anderen Weg gegangen, haben sich an andere Fähigkeiten erinnert oder versucht, ihre technischen Fertigkeiten am Computer in gewerblich-technischen Berufen zu nutzen. Der größte Teil aber versucht bis heute, mit MS-Scheinen, Umschulungen von Arbeitsamt oder auch nur mit ihrem Vorwissen aus der Jugend einen IT-Job zu bekommen - erfolglos.

Ich halte nichts von Luftschlössern. Und wenn ich da Bewerbungen lese von Jungs, die mit ihrer "Berufserfahrung beim Clan XXX" und ihrer "Berufspraxis als Netzwerkadministrator bei LANs" hofieren gehen, fühle ich mich doch immer wieder an so viele Spieler aus meiner Clanzeit erinnert, die später als "Progamer" großes Geld verdienen wollten. Nun, das "große Geld" bekommen sie nun vom Arbeitsamt.

keine ahnung. ich kenne zum teil geniale programmierer die eine wirklich miese rechtschreibung haben, aber stört mich das? nö. es ist ok, diese leute können eben andere sachen.

Das Dumme ist nur, dass es heutzutage nicht ausreicht, "andere Sachen" zu können, sondern dass man eine grundständige Allgemeinbildung haben muss, weil Berufsbilder heute sehr viel komplexer sind.

das mag komisch klingen aber ich glaube nicht das daß hauptproblem von jungen schlechte noten sind. ich glaube wichtiger ist das noten nicht so gravierende auswirkungen auf leben haben bzw. das die menschen weniger darauf achten als vielmehr auf die echte leistung.
ich kenne soviele leute die in der schule völlig versagt haben (hehe noch mehr als ich) aber trotzdem erfolgreich sind.

Das sind sehr allgemeine Aussagen, die man für nichts verwerten kann. Gleiches gilt natürlich für Noten, aber ich halte es für müßig, auf allgemeinen Feststellungen, die wahr sein können oder nicht, eine Diskussion aufzubauen.

mhm ich will das mal an einem beispiel erläutern. stell dir einen jungen vor der sich während seiner schulzeit unheimlich für physik interessiert. er lernt alles mögliche über physik, liesst bücher, macht experimente usw. seine noten können dann durchaus in allen fächern die nichts mit physik völlig abstürzen aber trotzdem kann sich aus diesem jungen etwas viel besseres entwickeln als aus all diesen menschen die ein gutes abitur haben aber eigentlich nichts besonders gut (oder eher phantastisch) können.

Nun hast du ein konkretes Beispiel gemacht, das auch zum Forentopic passt ;) Sicher gibt es heute viele Jungen, die im mathematisch-technischen Bereich gut, im sprachlichen Bereich aber schlecht sind. Die können in diesem Bereich zweifelsohne auch etwas Großes werden. Nur: Sie werden ihr Leben lang die anderen Fähigkeiten auch brauchen. Nicht in dem Maße wie die für ihr Diplom wichtigen Fächer, aber dennoch genug, um sie am Weiterkommen zu hindern. In dieser Gesellschaft kommt aber eher weiter, wer über alle Fächer etwas weiß, als über wenige Fächer viel. Da kann man sich drüber aufregen wie man will, es ändert nichts daran. Und es wäre dann in der Tat schlauer, sich zu bemühen, wenigstens in den grundlegendsten Fächern der Allgemeinbildung sich einen akzeptablen Stand zu verschaffen, denn wie ich oben schon ausführte wird auch ein Physiker oder Mathematiker früher oder später sprachlich etwas formulieren müssen.

Gruss,
Sven


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