Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Machtfrage

Max, Sunday, 31.10.2004, 17:58 (vor 7767 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Machtfrage von Eugen Prinz am 31. Oktober 2004 14:19:40:

Hallo Eugen,

Damit es nicht heißt, ich stänkere nur herum:

...was nun wirklich weit hergeholt wäre...

Die rhetorischen Fragen lasse ich mal aus. Es geht garnicht um Wählerstimmen.

...nicht? Ohne daß ich es genau wüßte, aber: Fast möchte ich wetten, daß die Grünen den höchsten Anteil weiblicher Wähler haben. Und in den Nachrichten kannst du z.Zt. jeden Tag "Women for Kerry" - Plakate sehen.

Es ist ja auch völlig egal, wer dran ist. Die Parteien machen alle mehr oder weniger das gleiche und nehmen sich ja gegenseitig auch die Frauenstimmen weg.

...na ja - sie buhlen alle um Frauenstimmen eben weil Frauen die Mehrzahl der Wähler stellen. Zwar weiß ich nicht, ob die Wahlbeteiligung unter Frauen höher ist als die unter Männern, dennoch vermute ich, daß sich eben diejenige Partei die höchsten Siegchancen ausrechnen darf, die sich am "frauenbewegtesten" geriert. Daß dann hinterher eh alle mehr oder weniger dasselbe machen ist eine andere Geschichte, oder?

Es geht ja auch nicht nur um Gender-Mainstreaming. Es gibt noch mehr solche Kuckuckseier, die omnimöse.. äh, ominöse Agenda21 zum Beispiel. Schlage sie auf und du liest darin wie in einem Buche die Handschrift einer grün-feministischen Lobby. Nachhaltigkeit für Frauen, außerdem für Frauen und zusätzlich noch für Frauen. Nicht dass das mehr wert wäre, als das Papier, auf dem es steht, aber es ist ein Beispiel(!), wie die Besetzung öffentlicher Plätze funktioniert. Die sind eben hingegangen nach Rio und haben mitgemischt.

...ja schon, aber das ist ja meine Frage: Begeben wir uns, wenn wir da mitmischen, in ein Endlos-Tauziehen, das letzlich um seiner selbst Willen betrieben wird, da gerechte Ergebnisse im Hinblick auf die bereits erfolgte und etablierte "Besetzung öffentlicher Plätze" und der daraus resultierenden (Medien)machtverteilung illusorisch sind?

Klar, es macht viel mehr Spaß, am Wochenende sein Lieblingsspielzeug auf Hochglanz zu polieren. Aber dann ist man oder der Mann eben draußen.

...das ist schon wahr. Auch wahr ist aber, daß ein Scheißspiel ein Scheißspiel bleibt, selbst wenn ich notgedrungen mitspiele. Warum nicht kategorisch die Einmischung des Staates in das Geschlechterverhältnis ablehnen und diese Einmischung "bekämpfen", anstatt in das "Scheißspiel" mit einzusteigen? Ich bin mir nicht so sicher, daß "mitspielen" andere Ergebnisse zeitigen würde, als nur die Bindung von Kräften, die letztlich wirkungslos verpuffen - die Gründe habe ich oben genannt.

Die Politik wird ja nicht mit Wählerstimmen entschieden.

...die nicht. Aber die Politiker, die zum Einsatz kommen schon.

Das sollen wir vielleicht glauben, aber wer ist noch so blöd? Die Hälfte jedenfalls nicht mehr. Die geht schon garnicht mehr hin zum Wählen.

...ob es wohl diese Einsicht ist, die sie vom Wählen abhält? Ich kann mir da eine Menge anderer Gründe vorstellen. Schlechtwetter am Wahltag, Bequemlichkeit, Indifferenz u.v.m....

Männerarbeit, wie ich sie verstehe, bedeutet, dass WIR (damit meine ich UNS) Plätze wieder besetzen, die wir preisgegeben, um nicht zu sagen: verschlafen haben. Das muss nicht bedeuten, dass wir versuchen, von dem Kuchen, den andere backen, etwas für UNS abzubeißen. Es kann auch bedeuten, dass wir selbst in die Bäckerei einsteigen, mit Initiativen... mit Agenden25, Gender-Downstreaming-Programmen, mit Koalitionen mit anderen, wasweißich... Aber dazu brauchen wir Kompetenzen, Zeit, Leute, Beharrlichkeit, wenn wir die öffentlichen Plätze nicht verschenken wollen.

...die öffentlichen Plätze, um die wir uns Deiner Ansicht nach bemühen sollten, die dürfte es meiner Ansicht nach ( zu einem guten Teil jedenfalls)gar nicht geben.

Das Resultat ist Macht. Jedenfalls funktioniert es so, hierzulande. Man mischt mit und gewinnt Einfluss, oder man tut es nicht und hat keinen.

...Das ist aber doch kein Zustand!?...äh... Zustände sind das! Ich finde es absolut nicht in Ordnung, daß man neuerdings wo mitmischen soll, um nicht über den Löffel balbiert zu werden. Wozu habe ich denn schließlich Volksvertreter?

Wenn beim Tauziehen eine Partei nichts macht, bleibt auch nichts, wie es ist.

...wohl wahr! Wenn man allerdings beim Tauziehen keine Chance hat, weil man bspw. gar keine haben soll, dann kann man auch gleich los lassen und zuschauen, wie es die Gegenseite "siegreich auf den Arsch setzt". Sodann geht man einfach über die Linie und "haut ihr ein paar auf die Nuß".

Ich gebe es gerne zu: Was hat mich vor zwanzig Jahren die Frauen/Männerkiste interessiert, außer in einer Hinsicht, hehe. Und noch heute kann ich mir zwanzig schönere Zeitvertreibe vorstellen, bevor ich an Politik denke. Aber das ist, wie sich zeigt, eine gefährliche Ignoranz.

...deswegen bin ich dafür, die Kräfte zu unterstützen, die sich allgemeiner gegen die Anmassungen des Staates engagieren (Stichwort "Neoliberale" - "was auch immer das sein soll"... hehehe), da Fehlentwicklungen - bspw. in der Wirtschafts-, Gesellschafts- und Bildungspolitik - viel größere Resonanz finden dürften als rein geschlechterbezogene Themen. Und eines ist sicher: Im Zuge weitreichender Deregulierung (und die ist unausweichlich) hätte es der totalitäre Staatsfeminismus samt seiner Frauensubventions - und Quotierungspolitik gleich mit verschissen.

Die alten Griechen hatten für den unpolitischen Menschen das Wort: Idiot
So wollen wir doch wohl nicht dastehen.
Ich jedenfalls nicht.
Eugen

...na ja, das waren die alten Griechen. Unter denen gab es auch die Stoiker. Ich bleibe jedenfalls stoisch dabei, ein von mir als solches erkanntes "Scheißspiel" nicht mitzuspielen. Wenn ich mich für etwas engagiere, dann dafür, daß sich Staat und Politik aus dem Geschlechterverhältnis strikt raushalten. Das heißt also, gegen die Staatsgläubigkeit allgemein etwas zu unternehmen und dabei mehrere Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen.

Gruß - Max


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