Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Merkels Demontage und die Männer-Netzwerke in der Union

Garfield, Wednesday, 20.10.2004, 18:40 (vor 7778 Tagen) @ Ruth Teibold-Wagner

Als Antwort auf: Merkels Demontage und die Männer-Netzwerke in der Union von Ruth Teibold-Wagner am 18. Oktober 2004 14:27:15:

Hallo Ruth!

Wie ist die Merkel denn überhaupt an die Macht gekommen? Zunächst einmal brauchte man nach der Wiedervereinigung bei vielen Parteien einige Quoten-Spitzenpolitiker. Um die Ostdeutschen zu bauchpinseln, brauchte man Politiker ostdeutscher Herkunft, und um die Frauen zu bauchpinseln, brauchte man Politiker weiblichen Geschlechts. Da politische Spitzenposten nicht in unendlicher Menge vorhanden sind, erschien es angebracht, beide inoffiziellen Quoten zu vereinigen, also einige ostdeutsche Politikerinnen auf Spitzen-Positionen zu setzen. Die SPD hatte mit Regine Hildebrandt bereits eine passende Person auf Landesebene (in Brandenburg), die man den Wählern als ostdeutsche Quotenfrau präsentieren konnte. Die CDU suchte in ihren Reihen nach einer vergleichbaren Figur und fand Angela Merkel.

Bald zeigte sich jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen diesen beiden Frauen: Während die Hildebrandt Klartext redete und unbequem wurde, erwies sich die Merkel als brav und anpassungsfähig (wie zu DDR-Zeiten eben). So wurde sie auch schnell Bundesministerin.

Dann passierte ein politischer GAU: Die sogenannte Spendenaffäre. Korrekt hätte es "Schmiergeldaffäre" heißen müssen, und die wesentliche Frage dabei war gar nicht so sehr, wer da eigentlich geschmiert hat, sondern was für dieses Schmiergeld getan wurde und wieviel Milliarden Steuergelder das gekostet hat.

Kohl stand auf einmal im Blickpunkt des öffentlichen Interesses, obwohl er natürlich keineswegs allein verantwortlich war. Aber er mußte möglichst viel auf sich nehmen, um so möglichst viel Schaden von der CDU und natürlich auch von den Schmiergeldzahlern abzuwenden. Da ein Spitzen-Politiker in Deutschland finanziell auf jeden Fall ausgesorgt hat und da er ohnehin schon nicht mehr der Jüngste war, fiel ihm das nicht sonderlich schwer. Er stellte sich also stur und verweigerte jegliche Aussage zu den Geldgebern. Zum einen hielt er diese Geldgeber damit aus der Sache heraus und zum anderen lenkte er alle Aufmerksamkeit auf sich.

Nun brauchte man aber einen Nachfolger. Das Problem bestand jetzt darin, daß die gesamte Führungsebene der CDU in den Skandal verwickelt war. So war zu befürchten, daß der Nachfolger Kohls genauso demontiert werden würde. Und noch so ein Skandal wäre äußerst übel für die CDU gewesen.

Also brauchte man jemanden, der möglichst wenig angreifbar war. Und da kam man auf Angela Merkel. Nicht etwa, weil sie besonders integer war. Nein, sie war einfach noch nicht so lange dabei, um so viel auf dem Kerbholz zu haben wie die übrigen CDU-Spitzenleute. Außerdem war sie eine Frau, und das gab ihr die Möglichkeit, eventuelle Kritik als "Frauenfeindlichkeit" abzuschmettern. Man hoffte vermutlich auch, daß die Medien mit einer Frau nicht so hart ins Gericht gehen würden. Und daß Teile der Öffentlichkeit eine Frau an der Spitze der CDU als positiv empfinden würden, womit die Partei wieder Boden gutmachen könnte.

Und so kam die Merkel dann auf ihren Posten. Nicht etwa, weil sie kompetent ist, sondern weil sie sich in der CDU genauso brav angepaßt hat wie früher in der FDJ.

Freundliche Grüße
von Garfield


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