Re: So'ne und solche Mütter
Als Antwort auf: Re: So'ne und solche Mütter von Paul am 14. September 2004 18:14:35:
Hallo Paul!
"Sie behaupten das nicht einfach - es ist im allgemeinen schon so. Das trifft nicht nur auf Kleinunternehmen zu, auch Großunternehmen müssen ihre Preise der Marktlage anpassen. Mit Verschwörungstheorien kommt man da nicht weit. Auch die deutsche Bahn kann nicht ewig am Markt vorbeiwirtschaften. Denn werden sie immer teurer, dann weichen die Leute eben auf das Auto bzw. für längere Strecken auf das Flugzeug aus."
Das tun sie ja auch zunehmend - aber das Management der Deutschen Bahn scheint das nicht zu interessieren. Die planen schon wieder die nächste Preiserhöhung. Immerhin kassieren sie ja auch noch gut aus der Staatskasse. Offensichtlich hilft ihnen das dabei, trotz dieser Mißwirtschaft noch weiterhin genug Geld für ihre überhöhten Gehälter übrig zu haben. Und das ist für sie der wesentliche Punkt.
Wie Großunternehmen ihre Preise der Marktlage anpassen, sieht jeder Autofahrer regelmäßig an der Tankstelle. Da geht's mit den Preisen (von kurzzeitigen Schwankungen abgesehen) insgesamt nur aufwärts, und das, obwohl die Kaufkraft sinkt. Aber die Mehrheit der Autofahrer muß wirklich fahren und kann somit nicht am Benzin sparen. Das wissen die Ölkonzerne genau, und deshalb interessiert sie die Kaufkraft ihrer Kunden nicht im Geringsten. Freie Tankstellen sind dabei keine wirkliche Konkurrenz. Die haben keine eigenen Raffinerien, müssen ihr Benzin somit auch von den großen Ölkonzernen kaufen und bekommen so Mindestpreise diktiert.
Ähnlich sieht das bei Gasanbietern aus. Da gibt es jetzt ja auch gerade wieder das Problem, daß die allesamt ganz zufällig die Preise erhöhen wollen. Das Bundeskartellamt befaßt sich damit schon, aber das wird wohl wieder mal nicht viel ändern.
"Was dabei übersehen wird ist, daß dieses Spielchen zu einem globalen Deregulierungs-Wettbewerb führt, die letztendlich zur Zerstörung der Nationalstaaten führen könnte."
Richtig. Mittlerweile hat so mancher Großkonzern ein größeres Vermögen als mancher Nationalstaat. So ist wohl klar, wessen Interessen oberste Priorität haben.
"Problematisch ist jedenfalls, daß sich dieser Prozess entgegen des Lehrbuches vermutlich nicht linear entwickeln wird, sondern es zu chaotischen Turbulenzen innerhalb von Märkten und Gesellschaften kommen kann, mit unabsehbaren Folgen wie Kriegen, Aufständen, usw."
Das sehe ich genauso.
"Hier gilt wieder dasselbe - starke Marktposition hin oder her, es nützt einem Unternehmen nix, wenn die Leute nicht kaufen. Monopolisten mögen eine Ausnahme sein, aber echte Monopole gibt es kaum."
Siehe oben. Es gibt eben Dinge, die man einfach zum Leben braucht und an denen man nicht sparen kann. Echte Monopole braucht man gar nicht, wenn der Markt von großen Unternehmen beherrscht wird, die sich die Märkte aufgeteilt haben und grundsätzlich mehr verlieren als gewinnen können. Da entstehen dann schnell stillschweigende Übereinkünfte, und wenn ein Unternehmen die Preise erhöht, folgen alle anderen prompt nach. Mittlerweile hat man nämlich begriffen, daß so etwas viel profitabler ist als teurer Konkurrenzkampf. Zumal man sich mit einer echten Monopolstellung nur Ärger mit dem Kartellamt einhandelt. Microsoft ist da ein abschreckendes Beispiel - und Microsoft hat noch nicht einmal eine echte Monopolstellung.
"Ganz einfach, weil in einer Deflation die Konsumneigung derer, die es sich (noch) leisten können, rapide abnimmt. Wenn Waren ständig billiger werden, werde ich Käufe - als rational denkender Mensch - in der Erwartung immer niedrigerer Preise hinausschieben, was zu sinkender Nachfrage führt und dies dann wieder zu niedrigeren Preisen usw. Wie man sich leicht vorstellen kann, schrumpft während dieses Prozesses die Wirtschaft mit immer höherer Geschwindigkeit."
Ja, das ist richtig. Man könnte das theoretisch vermeiden, indem man sowohl die Lebenshaltungskosten als auch die Löhne einmalig und gleichzeitig senkt, was aber in der Praxis niemals funktionieren wird. Deshalb sehe ich ja im Rahmen des jetzigen Systems keinen Ausweg aus der Krise. Siehst du einen?
Freundliche Grüße
von Garfield
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Odin,
14.09.2004, 01:29
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Garfield,
14.09.2004, 16:53
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Paul,
14.09.2004, 17:30
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Tran,
14.09.2004, 17:41
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15.09.2004, 15:06
- Wege aus der Krise: Den Wald trotz lauter Bäumen sehen -
Paul,
15.09.2004, 16:58
- Re: Wege aus der Krise: Den Wald trotz lauter Bäumen sehen - Garfield, 15.09.2004, 18:38
- Wege aus der Krise: Den Wald trotz lauter Bäumen sehen -
Paul,
15.09.2004, 16:58
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Garfield,
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14.09.2004, 23:23
- Re: So'ne und solche Mütter - Garfield, 15.09.2004, 14:34
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