Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: So'ne und solche Mütter

Garfield, Wednesday, 15.09.2004, 14:34 (vor 7814 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: So'ne und solche Mütter von Odin am 14. September 2004 20:23:33:

Hallo Odin!

Daß das so nicht funktioniert, hat sich doch in den ersten Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung deutlich gezeigt. Da gab es einen Bevölkerungszuwachs von über 17 Millionen Menschen und damit natürlich auch einen Konsumanstieg. Das schuf zwar neue Arbeitsplätze, aber eben viel weniger als gleichzeitig gestrichen wurden. Weil jede Produktionsstätte üblicherweise einen Kapazitätsüberhang hat, also normalerweise nie 100%ig ausgelastet ist. So ist es möglich, auf einen Nachfrageanstieg zu reagieren, ohne dafür neue Maschinen zu kaufen und ohne neues Personal einzustellen. Die vorhandenen Mitarbeiter arbeiten dann eben mal für einige Wochen oder auch Monate länger. Wenn die Nachfrage länger hoch bleibt, dann stellt man zwar neues Personal ein. Aber da man die Produktionskosten gering halten will, ist man natürlich bestrebt, so wenig Personal wie nur irgend möglich neu einzustellen. Deshalb hält sich die Zahl der neuen Arbeitsplätze auch dann in engen Grenzen. Und in Zukunft, wenn wir für dasselbe oder weniger Geld länger arbeiten müssen, wird man erst recht kein neues Personal mehr einstellen.

So hat dann auch nach der deutschen Wiedervereinigung insgesamt die Zahl der Erwerbslosen zugenommen. Das senkte dann zum einen die Kaufkraft wieder, und zum anderen wuchs die Belastung der Staatskasse.

Wenn man nun Arbeitslosengeld-II-Empfängern weniger zahlt, entlastet das die Staatskasse zwar. Aber durch den damit verbundenen Kaufkraft-Rückgang kommen dann auch weniger Steuern in die Staatskasse. Wenn nur die Kaufkraft der Arbeitlosengeld-II-Empfänger sinken würde, dann würde die Staatskasse unterm Strich natürlich trotzdem noch satt Plus machen.

Da sich Hartz IV aber auch auf das allgemeine Lohnniveau auswirken soll und wird, wird auch die Kaufkraft der abhängig Beschäftigten langsam aber sicher weiter sinken. So werden dann auch von der Seite weniger Einnahmen in die Staatskasse kommen. Nicht nur aus Umsatz- und Mehrwertsteuer, sondern auch aus Lohnsteuer, Sozialabgaben usw. Und das wird so gut wie nicht durch gleichzeitige Einsparungen ausgeglichen. Nur Arbeitslosengeld-Empfänger bekommen dann im Durchschnitt weniger Arbeitslosengeld. Da sie das aber in Zukunft ohnehin nur noch ein Jahr beziehen, ist zu befürchten, daß die Staatskasse in Bezug auf die abhängig Beschäftigten in Zukunft mehr Minus als Plus machen wird.

Man wird also Steuern und Sozialabgaben entweder weiter erhöhen, oder aber sparen müssen. Sparen wird man dann natürlich bei den Sozialhilfe- und Arbeitslosengeld-II-Empfängern, was die Situation weiter verschärfen und auch zu mehr Kriminalität führen wird. Diese Zunahme der Kriminalität wird dann für private Haushalte, Unternehmen und auch für die Staatskasse wieder zusätzliche Kosten bewirken. Was die Kaufkraft zusätzlich schwächen wird. Versicherungen werden teurer werden und deshalb vor allem für private Haushalte immer weniger erschwinglich sein. So wird die Staatskasse dann in dem Bereich auch immer geringere Einnahmen verzeichnen. Und die Versicherungen werden natürlich auch Personal abbauen...

Also wird man notgedrungen die Steuern und Abgaben ebenfalls erhöhen müssen, was die Kaufkraft weiter senkt, und so dreht sich die Abwärtsspirale dann munter weiter...

Das Problem besteht eben darin, daß die Unternehmen ja nun nicht anfangen, wie wild zu produzieren, weil sie damit rechnen, daß durch Hartz IV die Nachfrage eventuell steigen könnte. Deshalb werden sie natürlich auch keine zusätzlichen Mitarbeiter einstellen. Die Arbeitslosengeld-II-Empfänger werden bei der Jobsuche also zwangsläufig nicht erfolgreicher sein, nur weil sie nun weniger Geld vom Arbeitsamt bekommen.

Es kann natürlich sein, daß Frauen sich in Zukunft mehr um einen gut bezahlten Job bemühen werden. Da sie da durch Frauenquoten und durch weit verbreitete Klischees von weiblicher Überlegenheit häufig bessere Chancen haben als Männer, werden sie damit teilweise sogar erfolgreich sein. Und dann finden dafür eben ein paar Männer mehr keinen Job.

Das ist ja genau der Trend, den wir jetzt schon aus den Arbeitslosen-Statistiken deutlich entnehmen können: Während mehr Männer als Frauen arbeitslos werden, wächst der Anteil der neuen Jobs, die mit Frauen besetzt werden.

Und was Investitionen angeht: Der Staat muß zuallererst mal dafür sorgen, den in den letzten Jahrzehnten angehäuften Schuldenberg vielleicht mal wieder zu reduzieren. Da bleibt so oder so erst einmal wenig Geld für Investitionen übrig.

Und selbst wenn investiert wird, dann läuft das leider zuweilen so, daß hunderte Millionen gegen Schmiergelder an irgendwelche Luftikusse fließen, die dann schnell mit dem Geld verschwunden sind. Nicht jede Investition rentiert sich also. Und eine Investition, die sich nicht rentiert, reißt letztendlich nur ein weiteres Loch in die Kasse.

"Inzwischen ist es schon so weit, daß wir nur noch 1,5% Wirtschaftswachstum brauchen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen."

Hm, nur woher kommen dann die Millionen von Arbeitslosen? Wir hatten doch auch in den letzten Jahrzehnten immer ein gewisses Wachstum.

Aber nehmen wir mal an, es wäre so: Wie kann die Wirtschaft eines Landes unbegrenzt wachsen? Das ist ganz und gar unmöglich. Es gibt immer eine Grenze, ab der einfach kein Wachstum mehr möglich ist. Das ist eine mathematische Tatsache. Man kann zwar darüber diskutieren, ob die deutsche Wirtschaft diese Grenze tatsächlich überall erreicht hat. Aber auch in Bereichen, wo die Grenze noch nicht erreicht ist, wird sie früher oder später erreicht werden. Und dann?

Freundliche Grüße
von Garfield



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