Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Frauen - das gefolterte Geschlecht? ZDF-Reporter zur Geiselnahme in Russland

Maesi, Monday, 06.09.2004, 22:00 (vor 7822 Tagen) @ stef

Als Antwort auf: Re: Frauen - das gefolterte Geschlecht? ZDF-Reporter zur Geiselnahme in Russland von stef am 03. September 2004 20:46:47:

Hallo stef

Ich finde es z.B. unmännlich, wenn ein Mann sich darüber beschwert, dass Frauen als Opfer dargestellt werden. Ich finde es auch unmännlich, wenn Männer selbst in diese Opferrolle schlüpfen wollen. Vielleicht bin ich da etwas konservativer eingestellt, ich halte aber die traditionellen Werte eines Mannes für gar nicht so schlecht. In der letzten Bild am Sonntag gab es einen Artikel, da rechnet eine Autorin mit Weicheiern ab. Der Titel:"Wir brauchen endlich wieder echte Kerle". Wenn du den liest, dann weisst du vielleicht, was ich männlich finde.

Besten Dank fuer Deine (wenn auch etwas sehr knapp geratene) Stellungnahme.

Da ich in der Schweiz lebe, komme ich kaum an die 'Bild am Sonntag' ran; ausserdem ist das nicht die Art von Zeitung, welche ich lese. Als selbstbewusster Mann ist es mir ohnehin egal, ob irgendeine Tusse 'echte Kerle' fordert. Ich selbst ziehe es vor, meine Mitmenschen so zu akzeptieren, wie sie sind und erwarte andererseits, dass sie mich wiederum so akzeptieren, wie ich bin. Wer jedoch diesen 'weiblichen Anforderungen' um jeden Preis gerecht werden will, soll das ruhig tun; ein Mann ist er dadurch aber noch lange nicht - eher ein gut dressiertes Schosshuendchen, welches auf Befehl seines Frauchens Maennchen macht und zur Belohnung irgendein schales Leckerli bekommt.

Dass der Maskulismus maennliche Opfer nicht ebenso zelebrieren soll, wie es der Feminismus mit weiblichen Opfern tut, dem kann ich zustimmen; ich gebe sogar zu, dass mancher Maennerechtler in dieser Beziehung ebenfalls ueber die Straenge schlaegt. Andererseits wird man Probleme nur dann loesen koennen, wenn die Problemsituationen adaequat dargestellt werden. Eine Hysterisierung, und sei sie noch so politisch korrekt, traegt dazu eindeutig nicht bei - ebensowenig eine gewollte Ignoranz gegenueber real existierenden Opfern. Ersteres wird eindeutig gegenueber weiblichen Opfern gepflegt, waehrend letzteres gegenueber maennlichen Opfern angewendet wird. Dein (wahrscheinlich gutgemeintes) Bestreben, Maenner nicht in der Opferrolle zuzulassen, mag Dir edel und altruistisch erscheinen; es verstellt jedoch den Blick auf die Realitaet, was wiederum eine Loesung des eigentlichen Problems verhindert.

In diesem Forum geht es um die Diskussion von Gleichberechtigung und was aus ihr in der Praxis gemacht wird. Maennerbenachteiligungen (wie z.B. die Wehrpflicht) sind real, und darueber soll auch diskutiert werden duerfen - insbesondere, da in der Gesellschaft dieser Diskurs bislang noch kaum gefuehrt wird und selbst auf das Risiko hin, unmaennlich zu erscheinen. Was ich will, ist nicht Mitleid mit maennlichen Opfern sondern Gerechtigkeit; und Gerechtigkeit kann man erst erreichen, wenn zuerst die Ungerechtigkeit aufgezeigt wurde.

Gruss

Maesi


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