Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Frauen - das gefolterte Geschlecht? ZDF-Reporter zur Geiselnahme in Russland

AJM, Saturday, 04.09.2004, 16:12 (vor 7825 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Frauen - das gefolterte Geschlecht? ZDF-Reporter zur Geiselnahme in Russland von Arne Hoffmann am 04. September 2004 11:47:32:

Hallo Arne,

natürlich gibt es noch diverse Zwischenstufen zwischen Weinen und auf die Nase hauen, aber Übertreibung veranschaulicht ja bekanntlich.

Wenn ich aber lese, daß Du ein exzessives Ausleben von Gefühlen als destruktiv betrachtest, dann frage ich mich, was dann Weinen ist? Vor einiges Monaten war das gezielte Einsetzen von Weinkrämpfen bei Frauen zur Durchsetzung ihrer Interssen ein Thema, ich glaube sogar in diesem Forum (bin mir aber nicht sicher). So etwas ist nicht minder destruktiv. Weiter unten habe ich schon an Andreas geschrieben, daß Gefühlsausbrüche, welcher Art auch immer, weder weiblich noch männlich oder unmännlich sind, sindern hinderlich bei der Lösung der Situation.

Ich möchte eigentlich schon, dass die Leute, mit denen ich zu tun habe, ihre Gefühle mir gegenüber zeigen, solange das nicht auf verletzende oder anderweitig belastende Weise geschieht.<

Dies kann aber auch sehr manipulativ sein und letztendlich weißt Du durch bloßes Weinen (ich bleibe mal bei diesem Beispiel) noch nicht, was dazu geführt hat. Ein sachliches Gespräch ist also in jedem Fall notwendig, denn ein tränengeschwängertes Taschentuch kann Dir hier keine Aufklärung beschaffen. Und das ist dann auch der kern meiner Meinung, daß extrovertierte Gefühle zumindest keine probleme lösen, aber manchmal den Gegenüber belästigen oder verunsichern (ob absichtlich oder nicht lasse ich mal dahin gestellt).

In der Beziehung der Geschlechter war es seit Jahrtausenden so, daß den Frauen zugestanden wurde, ihre Gefühle rauszulassen und Unpäßlichkeiten zu akzeptieren. Männer mußten hart sein (wobei das Nichtzeigen von Gefühlen nicht zu verwechseln ist mit Keine-Gefühle-haben). Anstatt Frauen aber erziehungsmäßig davon zu überzeugen, daß Tränen keine Argumente sind, wird von der männlichen Hälfte der Bevölkerung verlangt, auf diese "weibliche" Kommunikationsform zu wechseln (war jetzt verallgemeinert ausgedrückt). Warum?

Ich mache mir einfach Gedanken darüber, wie es wäre, wenn die Menschen die Verhaltensweisen angleichen würden. Die political correctness verlangt ja seit vielen Jahren, daß männliche Verhaltensweisen (hart sein, Gefühle nicht zeigen, und auch andere) falsch sind und dementsprechend die weiblichen richtig. Und genau hier ist der Punkt, wo ich vehement widerspreche. Wer bestimmt, was richtig und falsch ist? Wie wäre es, wenn Frauen auch hart wären und ihre Gefühle nicht bei jeder Gelegenheit nach außen tragen?

Was das Verletzen anderer Menschen angeht, so sind unsere Weltbilder gar nicht so verschieden. Ich glaube auch nicht, daß die überwiegende Zahl so etwas mit Freude macht (ein paar Idioten gibts überall). Aber um auf eine Verletzung aufmerksam zu werden, reicht auch ein simpler Satz, der den Umstand beschreibt. So kommt man viel schneller weiter.

So, ich muß leider zur Arbeit.

Gruß

AJM


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