Re: Sie wird kommen!
Als Antwort auf: Re: Sie wird kommen! von Manfred am 13. Juli 2004 20:55:17:
Hallo Menfred!
"Und Du sagst "die Preise werden nicht gesenkt". Sie werden, wo immer es nur wirtschaftlich durch den Konkurrenzdruck nötig ist."
Sicher gibt es mal bei dem einen oder anderen Produkt eine Preissenkung. Das passiert aber meist nur bei Produkten, die vorher überteuert waren. Oder aber die Preissenkungen werden durch Billig-Importe realisiert.
Aber vergleiche mal die Preise aus den 1950er Jahren mit den heutigen Preisen. Und wir haben auch heute noch Inflation - zwar im Moment keine hohe, aber immerhin. Inflation bedeutet letztendlich immer Steigerung der Lebenshaltungskosten. Wenn die Einkommen genauso steigen, dann hat das insgesamt keinen Effekt. Wenn sie stärker steigen, stärkt das den Binnenmarkt. Sinken die Einkommen aber real, dann schwächt das eben den Binnenmarkt. Und genau das ist heute ein wesentliches Problem, wir haben nämlich die Situation, daß die deutschen Exporte zwar gut laufen, daß aber der Absatz auf dem deutschen Binnenmarkt schwächelt. In einer im "Focus" veröffentlichten Umfrage haben dann auch viele kleine und mittlere Unternehmer als größtes Problem nicht etwa die deutschen Lohnkosten, Steuern oder Umweltschutzauflagen angegeben, sondern den Rückgang der Kaufkraft und die damit verbundenen Umsatzeinbußen.
"Sie konsumieren weniger, weil (wenn wir von Deutschland reden) eine "Reform" die andere jagt und niemand Zukunftsvertrauen hat."
Das ist kein Grund, weniger zu konsumieren. Es wäre ein Grund, z.B. keinen Kredit aufzunehmen - aber selbst das wird durch die momentan noch niedrigen Zinsen ausgeglichen. Geld zu sparen, weil man ja eventuell mal länger arbeitslos werden könnte, macht überhaupt keinen Sinn, da das vorhandene Bar-Vermögen schon seit eh und je mit der Arbeitslosenhilfe verrechnet wird, und mit dem neuen "Arbeitslosengeld II" wird sich das auch nicht ändern, ganz im Gegenteil. Wer also brav spart, wird dann durch Zahlungskürzungen bestraft - wieso soll man also aus Angst vor Arbeitslosigkeit Geld horten?
Wenn man aber nur 3,50 Euro pro Stunde verdient, dann reicht das oft noch nicht einmal für die Miete. Wovon soll man dann noch konsumieren? Und wenn du jetzt meinst, daß in Deutschland niemand so wenig verdient, dann warst du offenbar noch nie im Osten. Das ist aber mittlerweile schon kein reines Ost-Problem mehr, sondern in manchen Gegenden im Westen, z.B. im Ruhrgebiet, sieht es auch schon ähnlich trostlos aus.
"Warum sollte ein Unternehmen ins Ausland gehen, wenn es im Inland auch gute Geschäfte machen kann?"
Weil es die Geschäfte in Deutschland ja auch nach der Produktionsverlagerung weiterhin machen kann. Siemens beispielsweise baut in Polen Waschmaschinen, die dort für umgerechnet ca. 270 Euro verkauft werden. Dieselben Maschinen aus derselben polnischen Fabrik werden in Deutschland für etwa 400 Euro verkauft. Da kannst du dir vorstellen, was für ein gutes Geschäft das ist. Der Transport nach Deutschland kostet nämlich keine 130 Euro pro Maschine.
Und wenn du es ganz genau wissen willst, dann frag' doch mal all die deutschen Unternehmer oder Manager, die schon komplett im Ausland produzieren lassen! Die werden dafür schon ihre Gründe haben, darauf kannst du dich verlassen.
"Das ist auch legitim, schließlich kann jeder, der es anders und besser kann in Deutschland ein Unternehmen aufziehen."
Leider nicht. 1850 konnte noch jeder mit einer guten Erbschaft oder einem normalen Kredit eine Fabrik hochziehen. Heute geht das nicht mehr. Bei dem heutigen Automatisierungsgrad muß man schon für eine kleinere bis mittlere Fabrik eine dreistellige Millionen-Summe einkalkulieren. Weil die Maschinen und Anlagen heute so teuer sind. Geh doch mal zu deiner Bank und frage, ob sie dir 500 Millionen Euro als Kredit geben, weil du eine Auto-Fabrik bauen möchtest. Dann werden sie dir schon klarmachen, welche Möglichkeiten du da hast.
"Das florierende Billiglohnland hingegen wird nicht lange eines bleiben, und so schafft auch hier der Markt eine gewisse Regelung."
Ja, aber das kann sich über Jahrzehnte hinziehen.
"Du tust, als wäre "die Wirtschaft" eine einzige Bande von Verschwörern und Kartellen."
Nein, wieso? Sie sind auf Profit aus, und das ist ja auch Sinn und Zweck eines Unternehmens. Übermäßiger Konkurrenzkampf inklusive Preiskrieg mindert aber den Profit. Teilweise werden deshalb tatsächlich auch illegale Vereinbarungen getroffen, aber oft sind das eher stillschweigende Übereinkünfte. Man sieht sich die Preise der Konkurrenz an und legt die eigenen Preise dann einfach etwa auf dasselbe Niveau.
"Sie müssen die Preise senken und tun es auch."
Ja, wenn die Umsätze zurück gehen, tun sie es eventuell. Aber wie schon oben geschrieben, haben wir nach wie vor Inflation, und das bedeutet, daß die Preise insgesamt weiterhin steigen. Wenn die Einkommen gleichzeitig sinken, ist das eben ein Problem.
"Das geht nur solange der deutsche Verbraucher eine ausreichende Kaufkraft hat. Du unterstellst ja, dass er sie nicht hat."
Manche Verbraucher haben ja auch noch genügend Kaufkraft. Es ist ja nicht so, daß der Binnenmarkt von heute auf morgen plötzlich total ausfällt. Viele Unternehmen machen es mittlerweile so, daß sie ein Produkt in zwei Varianten verkaufen: Die eine mit aufgedrucktem Markennamen zum hohen Preis, die andere ohne Markennamen oder unter einem Namen irgendeiner Supermarktkette zum niedrigeren Preis. Obwohl das Produkt in beiden Varianten häufig absolut identisch ist. So kann man einerseits der gesunkenen Kaufkraft Rechnung tragen, andererseits aber weiterhin diejenigen, die noch genug Geld haben oder aber glauben, daß das "Markenprodukt" besser ist, mit überhöhten Preisen abzocken.
"Tut es ja auch nicht
"
Ja, eben! Dazu kommt noch, daß auch die deutschen Unternehmen, die ihre Produktion schon komplett ins Ausland verlagert haben, natürlich gern weiterhin Fördermittel aus der deutschen Staatskasse beziehen möchten. Einige unterhalten deshalb noch in Deutschland Forschungszentren, weil sie so nämlich Fördermittel für Forschung bekommen. Die so mit unseren Steuergeldern entwickelten neuen Produkte werden dann also im Ausland produziert. Diese Kosten für die Staatskasse tragen dann also auch mit zum hohen Steuerniveau in Deutschland bei und machen Lohnsenkungen noch zusätzlich problematisch.
"Dann muß man sie eben wirken lassen. Dann tun sies auch."
Aha. Daran glauben unsere Politiker offenbar auch schon seit Jahrzehnten, nur leider bleibt die Wirkung weiterhin aus...
"Ist nicht das allein schon ein Wunder? Sie haben Jobs!"
Ja, aber was nützt denn ein Job, wenn man davon nicht leben kann? Kaum jemand arbeitet um der Arbeit willen.
"Das ist ein viel besseres Rezept als über zu wenig Kohle zu meckern, und gleichzeitig trotzig auf der 35 Stunden Woche zu beharren."
Die 35-Stunden-Woche ist doch nicht das Problem. Manche Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter nur 30 Stunden arbeiten - nicht weil die Mitarbeiter das so wollten, sondern weil die Auftragslage nicht mehr hergibt. Für die Mitarbeiter ist das gar nicht so günstig, weil ihre Löhne dabei nämlich (im Gegensatz zu den Forderungen nach Arbeitszeitverlängerungen bei gleichbleibenden Löhnen) nicht gleich bleiben, sondern entsprechend sinken. Für die Unternehmen ist das gut, weil sie dann bei besserer Auftragslage genügend gut ausgebildetes Personal haben und dann einfach nur die Arbeitszeit erhöhen brauchen. Die Tarifverträge lassen das sehr wohl zu, und es ist auch gar kein Problem, die Arbeitszeit bei sehr guter Auftragslage z.B. für mehrere Monate auf 48 Stunden hoch zu setzen. Das habe ich selbst Mitte der 1990er Jahre erlebt. Wenn immer behauptet wird, daß so etwas in Deutschland nicht möglich wäre, dann ist das schlicht und einfach gelogen. Und da stellt sich mir die Frage, wieso solcher Unsinn eigentlich immer wieder verbreitet wird.
Obendrein gibt es keineswegs bei jedem Unternehmen 35-Stunden-Woche. Es gibt noch genügend Unternehmen, in denen 38 oder 40 Stunden üblich sind. Die stehen aber oft auch nicht besser da. Es gibt auch genügend außertarifliche Unternehmen, vor allem im Osten. Wie kommt es wohl, daß gerade dort die Situation so schlecht ist?
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Macht macht Frauen einsam ... -
Andreas,
11.07.2004, 18:06
- Re: Macht macht Frauen einsam ... - Eugen Prinz, 11.07.2004, 21:18
- Sie wird kommen! -
Bruno,
12.07.2004, 17:08
- Re: Sie wird kommen! -
Odin,
12.07.2004, 18:14
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
12.07.2004, 19:03
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
12.07.2004, 20:31
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 01:12
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
13.07.2004, 15:02
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 17:10
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
13.07.2004, 19:10
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 23:55
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
14.07.2004, 13:23
- Re: Sie wird kommen! - Manfred, 14.07.2004, 16:18
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
14.07.2004, 13:23
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 23:55
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
13.07.2004, 19:10
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 17:10
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
13.07.2004, 15:02
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 01:12
- Re: Sie wird kommen! -
Garfield,
12.07.2004, 20:31
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
12.07.2004, 19:03
- Re: Sie wird kommen! -
Expatriate,
13.07.2004, 11:22
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 13:21
- Re: Sie wird kommen! -
XRay,
13.07.2004, 14:45
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 15:50
- Re: Sie wird kommen! -
Odin,
13.07.2004, 19:11
- Re: Sie wird kommen! - Manfred, 13.07.2004, 21:59
- Re: Sie wird kommen! -
Odin,
13.07.2004, 19:11
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 15:50
- Re: Sie wird kommen! -
Expatriate,
13.07.2004, 16:43
- Re: Sie wird kommen! - Bruno, 13.07.2004, 17:03
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XRay,
13.07.2004, 14:45
- Re: Sie wird kommen! - Bruno, 13.07.2004, 15:03
- Unsere Jungen werden uns dafür hassen! -
Bruno,
13.07.2004, 15:11
- Re: Unsere Jungen werden uns dafür hassen! - Expatriate, 13.07.2004, 17:04
- Re: Sie wird kommen! -
Manfred,
13.07.2004, 13:21
- Re: Sie wird kommen! -
Odin,
12.07.2004, 18:14