Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Sie wird kommen!

Manfred, Tuesday, 13.07.2004, 23:55 (vor 7877 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Sie wird kommen! von Garfield am 13. Juli 2004 16:10:47:

Es sieht also tatsächlich so aus: Der Arbeiter im Unternehmen A kriegt den Lohn gekürzt. Das passiert den Beschäftigten der Unternehmen B bis Z genauso. Die Preise werden nicht gesenkt...<

Wie kommst Du denn darauf? Natürlich werden sie. Aldi tuts, Lidl tuts, viele Einzelhändler stehen vor dem Ruin wegen des Preiskampfes, KFZ sind billig wie noch nie, Handys werden einem nachgeschmissen, ein Rabattierungsflut nach der anderen, vom Media-Markt bis zum Kleiderschlußverkauf. Und Du sagst "die Preise werden nicht gesenkt".
Sie werden, wo immer es nur wirtschaftlich durch den Konkurrenzdruck nötig ist.
Wenn man das nicht anerkennt, ist es freilich möglich die Zusammenhänge verkehrt herum zu beschreiben und scheinbar eine "Logik" zu erkennen.

...und so müssen die Arbeiter und Angestellten eben zusehen, wo sie Geld einsparen können. Also konsumieren sie weniger...<,

Eben nicht "also". Sie konsumieren weniger, weil (wenn wir von Deutschland reden) eine "Reform" die andere jagt und niemand Zukunftsvertrauen hat.
Aber sicher liegts nicht daran, dass Aldi und andere die Preise (nicht) gesenkt hätten. Sie haben und tuns noch! Und das ist eine verbraucherfreundliche und unternehmerfreundliche Reaktion auf eine miserable Politik. Das es leichter ist Geld zu verprassen als zu erwirtschaften ist eine Grundtatsache, die natürlich den besten Wirtschaftsstandort ruinieren kann.

...Damit die Profitspanne aber noch hoch bleibt, verlagert man die Produktion komplett in ein Billiglohnland. Dort sind nicht nur die Lohnkosten niedriger, sondern es gibt auch geringere Steuern, weniger Umweltschutzauflagen und vor allem möchte man seine Position auf diesem ausländischen Markt ohnehin verbessern. Die dort erzeugten Produkte verkaufen sie also auch vor Ort, natürlich zum halben Preis wie auf dem deutschen Markt. Trotzdem wird das Produkt hier günstiger angeboten als das vorher in Deutschland produzierte. Nur leider sind ja in den Unternehmen A-Z einige Leute gefeuert worden, die nun noch nicht einmal genug Geld haben, um den niedrigeren Preis zu bezahlen. So sieht der Umsatz in Deutschland leider auch nicht viel besser aus als vor der Produktionsverlagerung. Aber umso mehr freut sich das Management von Unternehmen A dann über diese Entscheidung, zumal in diesem Billiglohnland die Wirtschaft gerade wächst und die Umsätze steigen. Und mehrere der Manager der Unternehmen B-Z, die noch in Deutschland produzieren, ziehen daraus den Schluß, auch so bald wie möglich die Produktion ins Ausland zu verlagern...<

Das ist ein Riesensammelsurium von Schlüssen die Du ziehst, sie aber den Firmen unterstellst. So ist es eben nicht.
Warum sollte ein Unternehmen ins Ausland gehen, wenn es im Inland auch gute Geschäfte machen kann? Die Komplettverlagerung eines Firmenstandortes ist ja keine Vergnügungsreise. Wenn hingegen die Unterschiede trotz aller Maßnahmen zu groß bleiben, werden viele ins Ausland abziehen. Das ist auch legitim, schließlich kann jeder, der es anders und besser kann in Deutschland ein Unternehmen aufziehen. Das florierende Billiglohnland hingegen wird nicht lange eines bleiben, und so schafft auch hier der Markt eine gewisse Regelung.

Dann muß man aber auch die deutschen Lebenshaltungskosten an das Ausland anpassen. Das wollen die Unternehmen natürlich nicht.<

Das ist einfach falsch, siehe oben. Du tust, als wäre "die Wirtschaft" eine einzige Bande von Verschwörern und Kartellen. Sie müssen die Preise senken
und tun es auch. Schau Dich doch einfach mal um.

Sie wollen zwar die Löhne drücken, aber trotzdem weiterhin für das gleiche Produkt aus ein und derselben Fabrik in Deutschland den doppelten Preis abkassieren wie im Ausland. <

Das geht nur solange der deutsche Verbraucher eine ausreichende Kaufkraft hat. Du unterstellst ja, dass er sie nicht hat.

Und sie wollen ganz selbstverständlich auch weiterhin von der guten Infrastruktur in Deutschland profitieren, für die wir alle dann also auch weiterhin hohe Steuern zahlen sollen. Das kann so natürlich nicht funktionieren. <

Tut es ja auch nicht :-)

Und wenn sie aber in der Praxis nicht wirken? <

Dann muß man sie eben wirken lassen. Dann tun sies auch.

Was meinst du wohl, wieso in den USA viele Leute mehr als einen Job haben?<

Ist nicht das allein schon ein Wunder? Sie haben Jobs! Bei uns ist der Tenor ja immer, die Arbeit sei "nicht vorhanden"

Das machen die nicht aus Freude an der Arbeit, sondern weil sie schlicht und einfach sonst nicht genug Geld zum Leben haben!<

Geht das nicht vielen von uns so? Nur: sie machens eben!
Das ist ein viel besseres Rezept als über zu wenig Kohle zu meckern, und gleichzeitig trotzig auf der 35 Stunden Woche zu beharren. Damit schließt sich der Kreis doch irgendwie nicht? ;-)

Schöne Grüße,
Manfred


gesamter Thread:

 

powered by my little forum