Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Unglückliche Namensgebung ...

Eugen Prinz, Wednesday, 07.07.2004, 16:32 (vor 7884 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Unglückliche Namensgebung ABER… von Garp am 07. Juli 2004 11:09:43:

es geht ja eigentlich nicht darum Kinderlose zu bestrafen. Ziel ist es, Familien mit Kindern zu entlasten. Dieses Ziel ist auch nicht ungerecht. Familien mit Kindern sind finanziell schlechter gestellt.

Nicht zwangsläufig. Es hängt vom Einkommen ab. Eltern stellen sich schlechter, wenn sie - gemessen an ihrem Einkommen - zuviele Kinder in die Welt setzen, das ist wahr.

Aber diese Familien leisten den Hauptbeitrag, durch Nachkommenschaft, für eine bezahlbare Pflegeversicherung.

Diese Rechnung geht nicht auf. Da müsste ein Kind später schon sehr sehr gut verdienen, wenn es neben seinen eigenen Eltern auch noch fremde kinderlose Alte mitfinanzieren wollte. Das klappt vielleicht ab drei, vier Kindern, aber da kommen wir nie mehr hin. Überall auf der Welt geht der Trend andersrum: Steigender Wohlstand - weniger Kinder.

Richtig ist, dass Kinderlose sowieso in einer höheren Steuerklasse sind. Dies gleicht aber die gesellschaftlichen Kosten der Kinderlosigkeit nicht aus.

Das ist ein sehr unglücklicher Sprachgebrauch. Es ist ja nicht die Kinderlosigkeit, die Kosten verursacht, es sind zu allererst und für lange Zeit Kinder, die Kosten verursachen. Die Kosten, von denen du vermutlich sprichst, sind Kosten für Rente und Pflege und sie fallen an, ob es nun Kinder gibt oder nicht.

Früher waren viele Kinder eine Alterversicherung.

Das war eine private Regelung. Die Kinder haben ihre(!) Eltern versorgt.

Heute übernimmt diese Aufgabe der Staat. Aber der Staat besteht aus den zukünftigen Steuerzahlern. Wenn es davon immer weniger gibt (Denn Einwanderung wollen wir in Deutschland ja auch nicht) dann müssen die Kosten eben neu verteilt werden. Meiner Meinung nach ist es daher auch legitim eigene Kinder bei der Renten- und Pflegeversicherung anzurechnen.

Das Kinderkriegen ist ein private Angelegenheiten, von vielen Zufälligkeiten und Motiven überlagert. Und niemand will sich da rein reden lassen. Schon garnicht die Frauen. Nur wenn es an die Kosten fürs Vergnügen geht - da reden die Leute schnell vom Allgemeinnutz, als hätten sie sich beim vögeln an der Rentenstatistik aufgegeilt.

Altersarmut gibt es kaum noch, aber Kinderarmut im erschreckenden Ausmaß.

Kannst du dazu mal ein paar Fakten (aus neutraler Quelle) beisteuern? Ich habe den Verdacht, dass der Armutsbegriff sehr dehnbar ist. Wenn ich z.B. sehe welcher Unterhaltsbetrag für ein Kleinkind angesetzt wird (dem Manne abgeknöpft wird) dann leben diese Kinder vergleichsweise wie Millionäre.

Und jetzt stell diesen Familien die DINKS entgegen. Für die ist Urlaub und Zweitwagen meist kein Problem, aber welche Familie mit Kindern kann sich das leisten?

Auch da wären Fakten hilfreich. Wenn ich mir in seltenen Fällen mal einen Urlaub im Süden leisten kann, dann ist der Flieger meist voll mit Familien mit Kindern. Ich frag mich manchmal auch, wie die das bezahlen können.

So eine Steuer ist natürlich bitter für Menschen, die sich eigentlich Kinder wünschen, aber keine bekommen können.

So ist es ja immer bei staatlichen Maßnahmen. Frauen müssen nicht zum Militär ... weil sie ja Kinder bekommen! Das ist natürlich bitter, weil dann auch Frauen, die keine Kinder haben, vom Zwangsdienst befreit sind. Ich kann solche "bedauerlichen" Ungerechtigkeiten nicht akkzeptieren.

Mein Fazit:

Das alte Modell kann nicht mehr funktionieren. Aber statt es jetzt mit staatlichen Zwangsmaßnahmen dürftig zu kitten, was ich völlig ablehne, sollten die Politiker über neue Modell der Altersversorgung nachdenken.

Das jetzige ist leider ein sehr asymmetrisches Generationenabkommen. Die jetzigen Kinderlosen werden gesetzlich(!) verpflichtet, die Kinder anderer Leute mit zu finanzieren. Diese (wenigen) Kinder sind aber nicht verpflichtet, und auch wohl nicht in der Lage, das jemals zurückzuzahlen. Wir können nur hoffen... dass sie nicht arbeitslos werden, ins Ausland gehen, in Armut leben wollen, krank werden, ins Gefängnis kommen...


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