Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Verbrechensbekämpfung durch DNA Analysen

Garfield, Friday, 16.01.2004, 17:39 (vor 8056 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Verbrechensbekämpfung durch DNA Analysen von Martin am 16. Januar 2004 12:49:19:

Hallo Martin!

Ich habe ja auch gar nichts gegen DNA-Analysen an sich. Wenn ein begründeter Verdacht vorliegt, finde ich es völlig okay, diesen Verdacht durch eine DNA-Analyse zu untermauern oder aber auszuräumen.

Man darf DNA-Analysen aber auch nicht überbewerten. Es hat auch schon Fälle gegeben, in denen durch fehlerhafte DNA-Tests Unschuldige verurteilt worden sind. Und es gab sogar schon Fälle, wo echte Täter es tatsächlich geschafft haben, selbst bei einer offiziellen Blutabnahme unter Kamera-Kontrolle falsche Blutproben für DNA-Tests abzugeben.

Ich habe auch das Gefühl, daß manche Politiker glauben, daß Verbrechen sich mit DNA-Analysen ja viel schneller aufklären lassen würden und daß man so jede Menge Geld bei der Polizei einsparen könnte. Entsprechend wird man auch bei der Polizei kräftig sparen, wenn es irgendwann mal eine allgemeine DNA-Datenbank für alle gibt. Die Polizei wird dann aus Personal- und Geldmangel häufig nicht mehr richtig ermitteln, sondern sich vor allem auf die DNA-Analyse verlassen.

Stell dir mal folgendes Szenario vor: Du gehst ahnungslos in einem Park spazieren. Du rauchst eine Zigarette oder kaust einen Kaugummi, und du wirfst die Kippe oder den Kaugummi neben dem Weg auf die Erde. Ein paar Minuten später geschieht zufällig an genau dieser Stelle ein Raubmord. Die Polizei findet Fußabdrücke, darunter natürlich auch deine, weil du ja kurz vorher tatsächlich dort gewesen bist. Ein paar Meter weiter wird die Brieftasche des Mordopfers ohne Geld gefunden. Fingerabdrücke des Täters findet man daran nicht. Die Polizei findet auch die Kippe oder den Kaugummi, stellt daran DNA-Spuren sicher und beim Vergleich mit den Daten aus der allgemeinen DNA-Datenbank werden deine Daten ermittelt.

Du wirst also verhaftet und verhört. Für die Tatzeit hast du natürlich kein Alibi, denn du warst zu der Zeit allein unterwegs. Es gibt auch keine Zeugen, die dich entlasten könnten. Vielleicht bist du zur Tatzeit gerade arbeitslos, und man unterstellt dir, aus Geldmangel diesen Raubmord begangen zu haben.

Zwar findet man bei dir keine Tatwaffe, aber die könntest du ja sonstwo entsorgt haben. Bei einer Hausdurchsuchung bei dir werden die Schuhe gefunden, die du beim Spaziergang getragen hast. Die Sohlen und die Schuhgröße stimmen mit den Abdrücken überein, und man findet sogar noch Erde vom Tatort an den Schuhen. Sonst findet man zwar nichts Belastendes in deiner Wohnung, aber dem Opfer wurde ja nur Geld gestohlen, das du längst ausgegeben haben könntest.

Polizei und Justiz sind durch Personalmangel bei steigender Kriminalität eh schon hoffnungslos überlastet und stehen auch unter Erfolgsdruck. Was meinst du, wie die Sache dann ausgehen wird?

Ohne allgemeine DNA-Datenbank könnte die Polizei es sich nicht so einfach machen. Dann würde man sämtlichen Spuren nachgehen und auch gründlicher nach Spuren suchen. Man würde den wahren Täter dann zwar auch nicht sofort finden - aber spät ist besser als nie...

Dazu kommt noch das Mißbrauchsrisiko bei einer allgemeinen DNA-Datenbank, aber das Thema hatten wir ja schon mehrmals.

Freundliche Grüße
von Garfield


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