Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Verbrechensbekämpfung durch DNA Analysen

Garfield, Friday, 16.01.2004, 13:07 (vor 8057 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Verbrechensbekämpfung durch DNA Analysen von Odin am 16. Januar 2004 10:36:10:

Hallo Odin!

Das läuft wieder auf eine allgemeine DNA-Datenbank hinaus. Unsere Kontroll- und Überwachungsfreaks lassen eben nicht locker.

DNA-Analysen werden doch bereits erfolgreich angewendet, wie ja in diesem Text auch eingeräumt wurde. Eine DNA-Datenbank für Personen, die wegen Gewaltdelikten vorbestraft sind (also nicht nur für Sexualstraftäter, wie viele glauben!), existiert schon seit Jahren.

Als vor einiger Zeit mal die Erfassung sämtlicher Männer in dieser DNA-Datenbank vorgschlagen wurde, hat man diesen Vorschlag vor allem deshalb verworfen, weil das sehr aufwändig wäre und dieser Aufwand in keinem Verhältnis zum zu erwartenden Nutzen stünde.

Nach dem Attentat vom 11. September 2001 hat man schon mal still und heimlich begonnen, ein schon 1998 verabschiedetes Gesetz umzusetzen, das die Erfassung von Personen, die wegen Gewaltdelikten vorbestraft sind, in der DNA-Datenbank ermöglicht. Solche Personen bekamen dann in der Zeit danach Aufforderungen zur Abgabe von DNA-Proben zugeschickt. Das betraf dann auch Leute, die z.B. nur mal unter Alkoholeinfluß an einer Kneipenschlägerei beteiligt waren.

Jetzt hat man die offenbar alle erfaßt und sucht nach Möglichkeiten, um noch mehr Menschen in die DNA-Datenbank zu kriegen. Als nächstes sollen nun also Exhibitionisten dran kommen.

Da stellt sich mir schon mal die Frage, wer danach dran ist, wenn die Exhibitionisten allesamt erfaßt wurden. Und wie lange es dann noch dauert, bis es kein großer Aufwand mehr ist, sämtliche übrigen Männer auch noch zu erfassen.

Verschwiegen wird auch wieder mal, daß es auch bei DNA-Analysen immer eine gewisse Fehlerquote gibt. In Deutschland versucht man die dadurch zu verringern, daß man ab und zu Kontrollproben verschickt. Sicherer wäre natürlich, grundsätzlich mindestens zwei Analysen parallel von verschiedenen Laboren durchführen zu lassen. Vor den Kosten dafür scheut man dann aber zurück.

Außerdem gibt es noch andere Methoden zur Verbrechensaufklärung. Beispielsweise Authopsien. In Österreich liegt die Mord-Quote etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß dort wirklich doppelt soviele Morde wie in Deutschland begangen werden. Tatsache ist aber, daß in Österreich etwa viermal so häufig Authopsien durchgeführt werden wie in Deutschland. Es scheint also eher so zu sein, daß in Deutschland etwa die Hälfte aller Mordfälle von Ärzten gar nicht als solche erkannt werden, weil zu wenig Authopsien durchgeführt werden!

Da scheint sich auf einmal niemand für Verbrechensbekämpfung zu interessieren. Und da wird sogar noch weiter gespart. Man schließt Institute für Gerichtsmedizin, und Ärzte müssen zuweilen feststellen, daß Polizisten aus Bequemlichkeit Druck auf sie ausüben, um sie dazu zu bewegen, im Zweifelsfall einfach eine natürliche Todesursache auf den Totenschein zu schreiben. So wird es in Zukunft noch weniger Authopsien und noch mehr unerkannte Mordfälle geben.

Das interessiert in der Politik offensichtlich niemanden. Aber die Erfassung von immer mehr Personen in der DNA-Datenbank ist dann auf einmal ungeheuer wichtig. Da drängt sich doch der Eindruck auf, daß es tatsächlich überhaupt gar nicht um schnellere Aufklärung von Straftaten geht, sondern viel mehr darum, immer mehr Daten von immer mehr Bürgern zu erfassen.

Freundliche Grüße
von Garfield


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