Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Man(n) kann es fassen!

Maesi, Saturday, 17.05.2003, 19:48 (vor 8299 Tagen) @ HemmaNedDo

Als Antwort auf: Re: Man(n) kann es fassen! von HemmaNedDo am 13. Mai 2003 18:32:39:

Hallo Joerg

ich habe einen Satz als „Missbildung“ bezeichnet, der von „Kinder- und Mädchenarbeit“ spricht und habe weitere sprachliche Einseitigkeiten moniert.
richtig, sähe ich auch kritisch, wenn Du Dich nicht in der Abteilung "internationale Frauenpolitik" befinden würdest. "Mädchen"arbeit vertärkt lediglich den weiblichen Teil der Kinderarbeit.

Sag mal, Joerg, hast Du ueberhaupt gelesen, was Du da oben geschrieben hast? Ich zitiere nochmals: 'Maedchenarbeit verstaerkt lediglich den weiblichen Teil der Kinderarbeit.'

Maedchenarbeit ist der weibliche Teil der Kinderarbeit, oder gibt es weibliche Kinder, die keine Maedchen sind, sodass der weibliche Teil der Kinderarbeit noch zusaetzlich durch Maedchenarbeit verstaerkt wird? *kopfschuettel* Seltsame Logik...

Grüne waren schon immer gegen Kinderarbeit - und ohne uns wüssten viele wahrscheinlich noch ncihtmal davon. Ohne uns gäbe es viele Dinge in diesem Staat nciht, die heute als selbstverständlich erachtet werden - und zum Nutzen aller sind. Übrigens, die Grünen sind immer schon gegen die Wehrpflicht - auch aus Gerechtigkeitsgründen.

Danke fuer die gruene Wahlpropaganda. Kinderarbeit wurde aber schon bekaempft, als es die Gruenen noch gar nicht gab. Die Kinderarbeit in Fabriken in der Schweiz wurde beispielsweise im Rahmen des Fabrikgesetzes aus dem Jahre 1877 stark eingeschraenkt; meines Wissens gab es damals die Gruenen noch gar nicht. Wir haben es jedenfalls ganz bestimmt nicht den Gruenen zu verdanken, dass uns das Problem der Kinderarbeit bewusst ist. Pech gehabt, Joerg.

Aber ich sehe, positive Dinge dürfen nicht erwähnt werden....

Ach Unsinn. Natuerlich darfst Du positive Dinge erwaehnen. Die Crux ist bloss, dass die Gruenen soweit es um Maennerrechte und Maennerdiskriminierungen geht, wenig Positives geleistet haben. Im Gegenteil: viele Gruene haengen auch heute noch feministischen Mythen nach, in denen es keinen Platz zur Kritik von Maennerdiskriminierung gibt. Dass Dir als Gruener in diesem Forum ein eisiger Wind um die Ohren schlaegt, ist natuerlich aus Deiner Sicht unangenehm; moeglicherweise setzt Du Dich sogar aktiv fuer Maennerrechte bei den Gruenen ein. Bloss tun das halt nur die allerwenigsten in dieser Partei, waehrend Frauenrechte dort in aller Munde sind und mit geradezu religioes anmutender Inbrunst beschworen werden. Das laeuft darauf hinaus, dass jeglicher Hinweis auf vorhandene Maennerdiskriminierungen sofort mit der 'viel schlimmeren Frauendiskriminierung' abgebuegelt und somit jegliche Diskussion abgewuergt wird. Nicht selten wird der Maennerrechtler auch mit dem Attribut Frauenfeind oder gar Frauenhasser zum Schweigen gebracht. Sorry, aber das sind Erfahrungen, die wohl nicht nur ich sondern auch viele andere Maennerrechtler gemacht haben; und im Leugnen von Maennerdiskriminierungen und Installieren von Frauenbevorzugungen und Privilegien, da sind die Gruenen ganz vorne mit dabei, gleichgueltig, ob jetzt da auch zaghaft einige Grueppchen beginnen, Gegensteuer zu geben.

Warum schreibt ihr nicht „J u n g e n-“ hin?
Keine Ahnung. Ich halte es aber nicht für notwendig,w eil ich den verstärkenden Effekt zwar wahrgenommen habe, ihn aber nciht als diskriminierend empfunden habe.

Naja, Jungen- und Maedchenarbeit sind Begriffe, die logisch auf derselben Stufe stehen. Kinderarbeit beinhaltet ja Jungen- und Maedchenarbeit und ist somit eine Stufe hoeher in der Abstraktion. Wenn jemand von Kinder- und Maedchenarbeit spricht, dann meint er Kinderarbeit im allgemeinen und Maedchenarbeit im besonderen; d.h. die Prioritaeten werden festgelegt: zuerst ist der schlimmere Skandal von Maedchenarbeit zu beseitigen, welcher ja eben deshalb explizit erwaehnt wird, und nachher wendet man sich allgemeiner der Kinderarbeit (sprich: Jungenarbeit) zu.

Gleichzeitig wird so verschleiert, dass es Probleme gibt, die hauptsaechlich Jungen betreffen. Beispielsweise ist der Einsatz von Kindersoldaten so ein Thema, bei dem immer geschlechtsneutral argumentiert wird. Natuerlich sind die weitaus meisten Kindersoldaten Jungs; allerdings wird das offensichtlich nicht als Jungenproblem interpretiert. Man scheut sich sogar die Tatsache auszusprechen, dass Jungen Hauptbetroffene sind; wer es trotzdem tut, der riskiert, dass ihm vorgeworfen wird, er leugne (die weitaus geringeren) weiblichen Opfer oder er rechne Geschlechterdiskriminierungen gegeneinander auf.

Der Begriff Kinder- und Maedchenarbeit reiht sich somit nahtlos an die im Feminismus vorherrschende und von der Oeffentlichkeit uebernommenen Systematik ein, wonach Probleme immer genau dann als geschlechtsspezifisch gesehen werden, wenn hauptsaechlich Frauen (oder eben Maedchen) negativ betroffen sind. Sind die Mehrzahl der Opfer maennlich (z.B. in Kriegen), wird entweder strikt geschlechtsneutral argumentiert, oder (weitaus haeufiger) das Problem ignoriert, geleugnet oder gar die Maenner als Hauptschuldige und die Frauen als Hauptopfer hingestellt. Sind Opfer und Taeter ausgeglichen (wie beispielsweise bei der Haeuslichen Gewalt), wird die eine Haelfte, naemlich maennliche Opfer und weibliche Taeter als unbedeutend hingestellt bzw. verharmlost. Mit diesen Methoden wird systematisch die Realitaet verzerrt und gemaess feministischer Ideologie verbogen; die Gruenen betaetigen sich hier ganz besonders eifrig als Wassertraeger der feministischen Ideologie und sind in hohem Masse mitverantwortlich fuer verzerrte Darstellungen der Realitaet in Bezug auf Geschlechterdiskriminierung und Geschlechterprobleme.

Es gibt Auswüchse der Frauenpolitik, das gebe ich umunwunden zu.

Na, immerhin...

Aber nach wie vor bestimmen Männer vordergründig über die politische und gesellschaftliche Realität. Ob Frauen das mitmachen, ist dabei völlig irrelevant. Es ist nciht in Ordnung.

Es gibt aber keine diskriminierenden Regelungen, die Frauen verwehren die politischen und gesellschaftlichen Realitaeten mitzubestimmen. Adressaten fuer mehr Mitbestimmung von Frauen sind deshalb logischerweise die Frauen selber, d.h. sie muessen selber etwas dafuer tun, dass sie beispielsweise in politischen Gremien dabei sind. Die Gruenen versteifen sich aber darauf, es handle sich um Frauendiskriminierung, und schuld daran seien die boesen Maenner, welche die Frauen nicht liessen. Belegen koennen die Gruenen das natuerlich nicht, ausser dass sie wie ueblich Statistiken zitieren, die eine vermeintliche Schieflage aufzeigen sollen. BTW: Wusstest Du schon, dass Frauen beim Muellpersonal diskriminiert werden? Die Statitistiken beweisen glasklar, dass die ueblen Maenner doch glattweg gegen 100% der dortigen Stellen belegen. Wann plaedieren die Gruenen fuer eine Quote, die diesen Missstand endlich beseitigt?

Es gibt dafür viele Belege, nimm als ein sehr relevantes Thema das Wahrnehmen von Elternzeit. Es ist nicht damit getan,ein: "die Frau lässt das aber nciht zu" als Ausrede zu benutzen. Man(n) muss es durchsetzen, wenn die Frau nicht will.

Wer wieviel Elternzeit nimmt, ist zuerst einmal Sache der Eltern selber; neben den von Eltern uebernommenen Rollenvorstellungen sind da auch Sachzwaenge nicht ganz unwesentlich. Gesetzlich etwas gegen einen bezueglich der Elternzeit unwilligen Elternteil durchzusetzen, ist ziemlich schwer; da bin ich in der Tat gespannt auf die Vorschlaege Deiner Parteigenossen, wie solches denn in der Realitaet durchgesetzt werden koennte.

Ich setze einfach andere Prioritäten als Du.

Das sei Dir unbenommen.

Und: Wenn jemandem die Beschreibung seiner Tendenzen als Diffamierung erscheint, muß doch derjenige seine Tendenzen überprüfen.
Nein, denn nciht jeder nimmt Diffamierungen zu best. Themen so wahr wie Du das tust - in diesem speziellen Fall.

Das ist richtig.

Du bist sensibel, zu sensibel würd ich behaupten, was dieses Thema angeht.

Tatsaechlich? Oder ist es vielmehr so, dass die Gruenen gegenueber Maennerdiskriminierung inzwischen derart unsensibel geworden sind, dass sie sie kaum mehr wahrnehmen? Alles eine Frage der Betrachtungsweise...

Aber nochmal: Die Grünen sind keine Volkspartei und werden es auch nicht werden. Die Forderungenin der Frauenpolitik sind sehr weitgehend. Aber es sind auch Forderungen, die im seltensten Fall zu 100% umgesetzt werden. Das wissen wir doch alle.

Ob die Gruenen sich als Volkspartei verstehen, ist voellig unerheblich. Es steht den Gruenen auch frei, aus taktischem Kalkuel weitgehende Forderungen in der Frauenpolitik zu stellen und darauf zu spekulieren, dass die politischen Gegner oder auch der Koalitionspartner sie wieder von diesen hohen Forderungen runterholen. Natuerlich muessen die Gruenen sich dann halt auch die Kritik an diesen ueberzogen-frauenfreundlichen Forderungen gefallen lassen. Wie sie wiederum auf diese Kritik reagieren, ist recht aufschlussreich, wie gerade auch Dein Beispiel zeigt.

Die frauenbevorzugenden Regelungen bei den Gruenen selber moegen demokratisch beschlossen worden sein, aber sie stehen nun mal im Widerspruch zum Geist der Gleichberechtigung. Wenn eine (womoeglich nur in der Phantasie vorhandene) Frauendiskriminierung mittels Maennerdiskriminierung kompensiert wird, entfaellt logischerweise der Zwang die Frauendikriminierung zu beseitigen; denn durch die Kompensation von Diskriminierung durch Gegendiskriminierung faellt man letzten Endes in ein Gleichgewicht dieser beiden Pole, das man aus Gleichberechtigungssicht ablehnen muss. Ausserdem zeigt die Praxis, dass einmal eingefuehrte Privilegien und Bevorzugungen aeusserst schwer wieder zu beseitigen sind; jede installierte Frauenbevorzugung muesste ja irgendwann einmal wieder abgeschafft werden, sofern diese Methode ueberhaupt funktionierte, und auf diese Weise eine echte Gleichberechtigung hergestellt wuerde. Offen gestanden, traue ich am allerwenigsten den Gruenen eine Abschaffung der mit ihrer Hilfe eingefuehrten Frauenbevorzugungen zu. Dazu halten sich dort naemlich einige laengst widerlegte Mythen ueber angebliche Frauenbenachteiligungen viel zu hartnaeckig.

Und, um nochmals auf das Plakat zurückzukommen: Ich halte den Scherz auch für misslungen und es wurde ganz stark inerparteilich kritisiert. Ich weiss von einigen Kreisverbänden, die das nicht geklebt haben.

Vielen Dank fuer Dein Engagement. Besser waere es gewesen, sowas gar nicht erst zu kreieren. Aber da den Gruenen die notwendige Sensibilitaet fuer Maennerdiskriminierung und Maenneranliegen voellig abgeht, wird wohl noch manch Maennerfeindliches aus deren Kueche kommen. Du siehst das Plakat als Scherz an; ich wuensche Dir viel Vergnuegen bei Deinem Amusement. Aber mir und vielen anderen Maennern ist das Lachen ob der immer groteskeren Maennerfeindlichkeit laengst vergangen...

Die Grünen sind eine Partei der Vielfalt und eines breiten Spektrums. Es gibt Ansätze zu einer Männerpolitik. UNd da hör ich zur Zeit sehr genau hin.

Ich weiss nicht, ob die Gruenen eine 'Partei der Vielfalt und eines breiten Spektrums' sind. In Bezug auf Gleichberechtigung und Geschlechterpolitik sind sie es jedenfalls definitiv nicht; da hoert man(n) nahezu immer denselben feministisch gefaerbten Einheitsbrei vom boesen, gewalttaetigen, ausbeuterischen, umweltzerstoerenden Mann und der guten, friedliebenden, aufbauenden, umweltschuetzenden Frau. Sofern Du mehr aus diesen Ansaetzen zu einer Maennerpolitik heraushoerst, als die altbekannten stereotypen Forderungen 'die Maenner muessen die Haelfte der Hausarbeit/Kindererziehung leisten' oder 'die Maenner muessen die Haelfte ihrer Macht an die Frauen abgeben', dann lass es uns wissen.

Gruss

Maesi


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