Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: @Kater Garfield

Jack, Friday, 29.11.2002, 23:57 (vor 8467 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: @Kater Garfield von Garfield am 29. November 2002 09:51:13:

Hallo Garfield!

Zunächst möchte ich auf die Frage Andersartigkeit-Gleichberechtigung eingehen. Ich sehe da keinen Widerspruch.
Ja, es stimmt, bestimmte Tätigkeiten, die Männern besser liegen, können durchaus manch eine Frau besser. Wenn es etwa ums Autofahren geht, wo es viel auf zielgerichtete Motorik ankommt, aber auch räumliches Vorstellungsvermögen, schneiden Frauen meisten schlechter ab. Dennoch gibt es natürlich auch Fälle, wo eine Frau besser fährt als ein Mann.
Umgekehrt sind Frauen sprachlich besser begabt. Auch dort werden sich Fälle finden lassen, in denen der Mann besser ist als die eine spezifische Frau. Na und? Ist doch eh gut, dass wir nicht alle gleich sind, auch nicht innerhalb der Gruppe! Hier verstehe ich deinen Einwand nicht:

Und das ist nun ein Problem. Denn wie willst du dann Menschen beschäftigen, deren besondere Fähigkeiten und Interessen nicht dem entsprechen, was für ihr Geschlecht als typisch gilt? Sollte es einem Mann verboten werden, Kindergärtner zu werden? Und sollte es umgekehrt einer Frau verboten werden, KFZ-Mechanikerin zu werden? Und was sollen Menschen ohne eindeutiges Geschlecht tun? Dürfen die dann gar keinen Beruf ausüben?

Nein, sollte natürlich. Wir leben hier nicht in der zentralen Planwirtschaft! Jeder und jede soll selbst entscheiden, was er/sie machen möchten. So einfach kann Wirtschaft sein.

Das ist doch alles Unsinn. Es gibt nur eine sinnvolle Lösung dieses Problems: Jeder Mensch muß die Möglichkeit haben, seine ganz speziellen Talente und Fähigkeiten möglichst gut anzuwenden und weiterzuentwickeln. Die Talente, Fähigkeiten und Interessen eines Menschen können dem eigenen Geschlecht voll entsprechen (bzw. dem, was typisch für das jeweilige Geschlecht gilt), sie können aber auch mehr im Bereich des jeweils anderen Geschlechts liegen. Deshalb kann man also auch nicht pauschal sagen, daß bestimmte Tätigkeiten nur von Männern erledigt werden dürfen und andere nur von Frauen.

Hab ich auch nie gesagt. "Beide sollten in den für sie geeignetsten Bereichen tätig sein." Vielleicht war das unpräzise ausgedrückt.
Ich meinte damit dass es den Individuen überlassen bleibt zu entscheiden was sie machen möchten und nicht der Staatsfeminismus mittel Quotierung die Leute quasi in bestimmte Professionen drängt, nur weil das gerade hip ist. Der Feminismus läuft aber gerade darauf hinaus, Frauen in Männerberufe zu drücken, wobei bei den Frauen der Willen manchmal begrenzt zu sein scheint.
Wenn Frauen in Männerberufen tätig sein möchten, soll das natürlich möglich sein und umgekehrt auch. Wichtig ist also, dass sich der Staat da möglichst heraushält. Das meinte ich und nichts anderes!

Wenn man das aber doch tut, dann rechtfertigt man damit praktisch z.B. auch die Männerwehrpflicht oder die Tatsache, daß Männer auch sonst mehrheitlich die gefährlichsten Berufe ausüben. Darüber darf man sich dann also auch nicht beklagen.

Wie gesagt, das "in den für sie geeignetsten Bereichen" bezog sich auf das jeweilige Individuum, nicht auf die Zugehörigkeit zum Geschlecht!
Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Also, Frauen sollten gleichen Zugang zur Bundeswehr haben, und das haben sie auch. Sie sollten auch gleiche Pflichten haben, und das haben sie ...nicht. Die Wehrpflicht ist also eindeutig eine Diskriminierung, darüber brauchen wir nciht weiter zu plaudern.

"Der Feminismus wirkt dem entgegen, indem er völlig falsche Anreize setzt."
Der Radikalfeminismus wirkt der Vernunft vor allem deshalb entgegen, weil er sich nicht damit begnügt, daß Frauen heute dieselben Möglichkeiten haben wie Männer, sondern die Frauen teilweise regelrecht in Tätigkeiten hineinzudrängen versucht, die sie mehrheitlich ganz offensichtlich nicht interessieren. Und auch dadurch, daß der Radikalfeminismus andererseits bestrebt ist, die alte Rollenzuweisung an das männliche Geschlecht weiterhin aufrecht zu erhalten. Weil Frauen nur solange die freie Wahl zwischen diversen Lebensalternativen haben, wie ihre Partner weiterhin an ihre alte Ernährer-Rolle gebunden sind.

Gut ausgedrückt. Mit anderen Worten: Der Feminismus versucht alles an sich zu reissen, womit sich natürlich riesige Widersprüche ergeben.

Beides zusammen ergibt dann das unsinnige Bild, daß der Radikalfeminismus einerseits versucht, die gesellschaftliche Entwicklung in seinem Sinne voranzutreiben, andererseits aber dazu beiträgt, genau diese Entwicklung auch wieder auszubremsen. Für Berufsfeministinnen ist diese Situation deshalb ideal, weil sie so noch für lange Zeit ihre berufliche Existenzberechtigung sicher zu haben scheinen. Sie können sich so ja bis in alle Ewigkeit darüber beklagen, daß es immer noch so wenige Frauen in Führungspositionen gäbe und daß die Männer einfach nicht bereit wären, sich auch mal um Haushalt und Kinder zu kümmern...

Garfield, dieser letzte Teil war sehr überzeugend, weiter so. Überhaupt sind deine Beitrage hervorragend. Ich überlege mir, so eine Art Sammelband mit best of Garfield anzulegen. Da hätte man eine geballte Ladung von Argumenten gegen den allgegenwärtigen Staatsfeminismus!
Bleib uns also erhalten.

Gruss, Jack



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