Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Äpfel und Birnen

Mustermanni, Wednesday, 09.07.2008, 01:46 (vor 6471 Tagen) @ Kurti

Lassen wir deine Sicht der Dinge mal so im Raum stehen.
Der Grund, warum ich auf Texte dieser Art etwas allergisch reagiere, ist
der: Mit der Feminisierung der öffentlichen Meinung ist ja, wie im Text
auch angedeutet, das Klischee entstanden, Männer könnten alle nicht über
ihre Gefühle sprechen. Und in der Folge haben es sich jede Menge
tatsächlicher oder Hobbypsychologen zur Lebensaufgabe gemacht, Männer dazu
zu bringen, "dass sie lernen, über ihre Gefühle zu sprechen" (Würg, ich
hätte jetzt fast meine Tastatur vollgekotzt.)

Was diesen esotherisch angehauchten und widerwärtigen (meist von psychisch selbstunsicheren Frauen geforderten) Gefühlsexibitionismus angeht kann ich dir nur recht geben. Diese Art von "reden" dient nur der Manipulation und letztendlich Kontrolle über den Partner. In diesem Fall (Artikel) geht es aber darum, einen männerspezifischen Ansatz in der Befundung und Therapie von psychischen Erkrankungen zu finden, bzw. zu etablieren. Das ist doch nicht schlecht! Es geht ja auch gar nicht um JederMann, sondern nur um psychisch und psychosomatisch erkrankte Männer in der Psychotherapie.

Faktum:

Rückenschmerzen, Herzstolpern, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen u.v.m. können auch psychische Ursachen haben. Aber Männer - das kann ich aus meiner beruflichen Praxis voll bestätigen - beharren auf den vermeintlich organischen Ursachen, selbst wenn sämtliche Befunde und diagnostische Verfahren keinerlei Ergebnisse erbracht haben. Diese Männer meiden dann leider oft die weitere ärtzliche Behandlung und wollen mit Psychosomatik oder Psychologie grundsätzlich nichts zu tun haben. Psychologische Erkrankungen sind für Männer immer noch ein absolutes Tabuthema!
Aber das ist auch kein Wunder, denn: Die männerverwertende Gesellschaft duldet keine kranken Männer - und schon gar keine psychisch kranken Männer! Wer (länger) krank ist, ist schwach und leistet nichts für die Gesellschaft oder Familie. Genau darüber definieren sich Männer aber (werden definiert !!!), fühlen sich dementsprechend verantwortlich, und können sich deshalb eher schlecht oder kaum eingestehen, krankheitsbedingt abhängig zu sein. Also machen sie weiter (wie man es den "schmerzfreien Indianern" beigebracht hat), brennen im Job und in der Familie aus, nehmen sich (wenn der Leidensdruck zu groß ist) das Leben oder rasten aus! Das sind dann solche typischen Fälle, wo nie irgendjemand irgendwas geahnt haben will ("Na ja, er hatte zwar dauernd diese Rückenschmerzen und hat sich zurückgezogen, aber ...").

DIESE Männer müssen zum "Reden" gebracht werden, also dazu, sich die psychische Belastung eingestehen zu können (= Krankheitseinsicht). Erst dann kann ihnen geholfen werden. Erst dann können sie sich selbst helfen! Reden meint in diesem Zusammenhang die Externalisierung von Emotionen und deren Verarbeitung. Quatschen auf Niveau einer Zeitschriftenpsychologie ist damit jedenfalls nicht gemeint!

der mm


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