Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Ein neoliberaler Rechtskonservativer sinniert über linke Medien?

Diego_unplugged, Tuesday, 31.08.2010, 03:21 (vor 5614 Tagen) @ Müller

Ein sehr interessantes Interview mit Herrn Bolz über Sarrazin und linke
Medien:

Wenn das sich Wehren gegen die rassistisch, mindestens aber narzistisch motivierte Abwertung, Ausgrenzung und Brandmarkung von Menschen mit soziologisch markanten Merkmalen links sein soll, dann bin ich auch links!

Komischerweise interessiert es die angeblich linken Medien aber überhaupt nicht, wenn gegen HartzIV-Empfänger gehetzt wird - obwohl der Schutz der sozial Schwachen ja eigentlich ein linkes Kernthema ist. Sarrazin hatte schließlich ähnliches schon über selbige behauptet (Unintelligent, genetisch minderwertig, Abgreifen von Gebärprämien u.s.w.), ohne das sich die angeblich linken Medien (oder Politik) um eine Versachlichung der Hetzdebatte rund um HartzIV bemüht hätten. Ganz im Gegenteil!

Jetzt hetzt Sarrazin gegen Muslime u.a. und prompt finden sich hundertausende Gegendarstellungen und Sondersendungen in den Medien, in denen man sehr bemüht ist, Sarrazins Bild der Muslime zu differenzieren, korrigieren und die Betroffenen positiv darzustellen. Warum aber hat es das nicht gegeben, als er ähnliches über HartzIV-Empfänger behauptete und sich zahlreiche Trittbrettfahrer in sein Fahrwasser begeben haben? Wo war denn da die angeblich linke Dominanz in den Medien?

Es geht hier nämlich überhaupt nicht um Links oder Rechts, es geht hier um Lobbyismus und Klientelpolitik. Ausländer und andere Minderheiten sind nun einmal das Klientel der Neolinken, Wirtschaft und "Adel" das der neoliberalen Rechtskonservativen. Alles was sich dazwischen befindet ist Knetmasse, für die sich niemand zuständig fühlt.

Und was die selbst auferlegte Zensur betrifft: Der Ursprung dieser Überkorrektheit in den deutschen Medien liegt nicht in linker oder rechter Politik, sondern in der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. Es war und ist mit den Erfahrungen über den Hintergrund des Holocaust der berechtigte Wunsch, die Verbreitung von volksverhetzenden Ideologien, imbesonderen gegen Minderheiten, einzudämmen. Dass sich daraus selbst eine Ideologie entwickelt hat, ist selbstredent eine Fehlentwicklung. Aber das ist - bottom up - ein immanentes gesellschaftliches Problem und kein parteipolitisches.


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