Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Opfer ist wieder mal ein Mann: Tod durch Hartz4

Garfield, Friday, 09.07.2010, 12:37 (vor 5666 Tagen) @ Referatsleiter 408

Hallo Referatsleiter!

Also, ich halte ja auch nicht viel von Hartz IV und es ist auch tatsächlich so, daß die ARGEn die Leistungsbezieher gern auch mal übers Ohr hauen. Generell ist es auch so, daß man (auch bei ALG I) ganz bewußt andauernd die Regeln ändert, um die Leistungsbezieher zu verwirren und so möglichst oft die Möglichkeit zu haben, Leistungen zu kürzen oder ganz einzustellen. Dann muß man sich z.B. auf einmal regelmäßig beim Amt melden, erfährt das aber nicht unbedingt. Meldet man sich deshalb nicht, kommt auf einmal kein Geld mehr, und das wird dann auch nicht nachgezahlt, weil man sich ja nicht gemeldet hat und somit seine Mitarbeit bei der Arbeitssuche verweigert hat. Wird man dann im nächsten Jahr wieder arbeitslos und geht dann später nochmal unaufgefordert zum Amt, weil man sich ja noch dran erinnert, daß man sich da neuerdings regelmäßig melden muß, dann heißt es da auf einmal, daß das wieder abgeschafft, also nicht mehr nötig wäre. Dann hat man Zeit und Geld für die Fahrt zum Amt umsonst verplempert. Ein Jahr darauf dagegen muß man sich dann doch wieder regelmäßig melden... So geht das immer hin und her.

In diesem Fall aber sehe ich auch ganz klar ein Mitverschulden seitens der Betroffenen. Sowohl der verstorbene Mann als auch seine Mutter hätten sehr wohl legale Möglichkeiten gehabt, um ihre Situation zu verbessern, z.B. über Lebensmittelgutscheine. Es wird ja auch klar gesagt, daß die Mutter aus Scham keine weiteren Sozialleistungen beantragen wollte. Dann gibt es auch noch die Tafeln.

Wieso genau nun gerade der Mann verhungert ist, läßt sich schwer einschätzen. Seine Mutter soll ja auch unterernährt gewesen sein. Männer neigen halt dazu, zugunsten von Frauen zurück zu stecken. Vielleicht hat dieser Mann auch bewußt von dem wenigen Essen, das noch da war, den größten Teil der Mutter überlassen. Vielleicht war es auch tatsächlich so, daß er so schwerwiegende psychische Probleme hatte, daß er verhungern wollte.

Den Umständen nach werden sie wohl beide nicht sonderlich intelligent gewesen sein, und so ist es möglich, daß die Mutter den Zustand ihres Sohnes gar nicht richtig einschätzen konnte. Daß er abgemagert war, wird ihr zwar aufgefallen sein, aber das war ja unter diesen Umständen normal und ging ihr genauso. Und daß er depressiv war, kann ihr in der Situation auch normal erschienen sein.

Fakt ist auch, daß der Mann offensichtlich auf kein Schreiben des Amtes reagiert hat. So hat er sich auch nicht untersuchen lassen. Es hätte offensichtlich nur eine Möglichkeit gegeben, ihm noch zu helfen: Ihn von der Polizei zwangsweise zu einem Arzt zwecks Untersuchung bringen zu lassen.

Nun kann man natürlich einwenden, daß doch etwas faul ist, wenn Menschen in solche Situationen kommen. Das ist auch so, aber das ist nun mal eine der Auswirkungen des derzeitigen Systems. Wenn man das ändern will, dann muß man das System grundlegend ändern. Solange da nicht geschieht, kann man leider nur an Symptomen herumdoktorn, und es wird immer wieder Fälle geben, in denen einzelnen Menschen mit den vorhandenen Möglichkeiten einfach nicht zu helfen ist.

Freundliche Grüße
von Garfield


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