Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Der Brief als Waffe, im Kamp gegen "Halbwarheiten"

Friedwilli, Saturday, 05.03.2005, 15:50 (vor 7640 Tagen) @ Konfuzius

Als Antwort auf: Re: Der Brief als Waffe, im Kamp gegen "Halbwarheiten" von Konfuzius am 05. März 2005 11:07:26:

Liebe Mitstreiter,
Jeder gibt hier sein Bestes, da bin ich sicher. Jeder überlegt, wie es SCHNELLER vorwärts geht.
In der letzten Zeit sind hier einige gute Vorschläge gemacht worden, die auch neue Wege zeigen, oder alte ändern. Ich möchte heute mal näher auf den Brief eingehen und fragen, ob der nicht eine gute Waffe sein kann. Voraussetzung ist natürlich, daß das Ergebnis eines Schriftverkehrs, "verwertbare Beweise" bringt. So gibt es kaum eine Frage, der die Institutionen nicht gewachsen sind, sie verfügen über vorgefertigte Formulierungen und notfalls verweisen sie an andere Stellen. Ich stelle unten mein Fax an den Bundespräsidenten rein, das er vor kurzem erhielt. Den Text habe ich extra kürz und bündig geschrieben, auf Etikette verzichtet. Die Antwort bekam ich heute per Brief und werde sie nachher noch kommentieren.

Bundespräsidialamt
Spreeweg 1
10557 Berlin


14.02.2005
Telefax:
(030) 20 00-19 99

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Damen und Herren,

"Mein 25 jähriger Sohn wurde gezwungen, eine soldatische Ausbildung zu machen, um im
Kriegs oder Verteidigungsfall sich dem Staat ganzheitlich zur Verfügung zu stellen.
Junge Männer können zwar in Friedenszeiten den Dienst an der Waffe verweigern, werden
aber dann zu anderen Zwangsdiensten herangezogen.
Die Tochter meines Nachbarn ist im gleichen Alter, für Sie gelten diese Zwänge nicht,
dh. Sie hat das Recht, auf körperliche Unversertheit.
Mein Sohn ist also nicht gleichberechtigt mit der Nachbarstochter, er hat kein Recht auf Selbst-
bestimmung und körperliche Unversertheit.
Trotz dieses wesentlichen Unterschiedes, fordern alle Politiker immer die Gleichberechtigung
der Frauen und schweigen eisern über Zwangsdienste für Männer unter dem Aspekt der Gleich-
berechtigung.
Das Frauen Kinder gebären können, rechtfertigt doch keinen Zwangsdienste für Männer!
Wenn es schon notwendig ist, Männern dies abzuverlangen, dann darf diese Ungleich-
behandlung nicht weiter in Sinne der Feministinnen totgeschwiegen werden, die in den
Medien die weltweite Benachteiligung von Frauen thematisieren.
Was werden die Wehrpflichtigen denken, wenn Sie diese Zusammenhänge erkennen?
Da ich noch niemals eine öffentliche Stellungnahme von Politikern zu diesen Wiederspruch
gehört habe, würde ich mich freuen, wenn Sie einmal Stellung nehmen.
Mit freundlichen Grüssen

Wie gesagt, heute kam die Antwort von einem Herrn Westphal. Für Räschtschreibung über-
nehme ich keine Verantwortung.

Sehr geehrter Herr Friedwilli,
der Herr Bundespräsident hat mich gebeten, für Ihren Brief , der hier am 14.02.2005 eingegangen ist, vielmals zu danken und Ihnen zu antworten. Bei der Vieltahl von Zuschriften, die ihn (ihn klein?) täglich erreichen, vermag er das zu seinem Bedauern nicht selbst tun. Lassen Sie mich zum Inhalt des Briefes eine grundsätzliche Anmerkung machen.
Zunächst einmal sollten wir ein gemeinsames Verständnis davon haben, wenn wir über das Thema "Wehrpflicht" sprechen. Danach handelt es sich grundsätzlich üm männliche Bürger vom vollendeten 18. Lebensjahr an, die nach Art. 12 a des Grundgesetzes zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz, oder in einem Zivielschutzverband verpflichtet weren können.
Insofern ist es kein Wiederspruch, wenn Frauen keinen Pflichtdienst zu leisten haben, sondern von den Vätern des Grundgesetzes so gewollt.Die Wehrpflicht ist ein gesellschaftlich umstrittenes Thema; auch wird die Diskusion um einen Pflichtdienst nach meinner Auffassung in den nächsten Monaten zunehmen, wenn die Überprüfung der Wehrverfassung gem. Koalitionsvereinbarung ansteht. Die Ableistung des Wehrdienstes ist in der Tat eine Pflicht des Bürgers, die gewiss unbequem und oft nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für sein berufliches Umfeld mit unterschiedlichen Härten verbunden ist.
Unsere Verfassung enthält aber auch das Grundrecht der persönlichen Entscheidung über die Verweigerung des Dienstes an der Waffe aus Gewissensgründen und stattdessen die Pflicht zu Ableistung eines Ersatzdienstes. Diese warhaft eindrucksvolle Regelung bringt den Respekt vor der Würde des Menschen und damit vor seinem eigenen Gewissen in fundamentaler weise zum Ausdruck. Sie gilt natürlich auch für den Fal der bewaffneten Auseinandersetzung. Für einen der beiden Dienste, hat sich der junge Staatsbürger zu entscheiden. Eine Gesellschafft ohne Pflichten, nur mit Rechten ausgestattet, kann nicht funktionieren. Hier muß unser Hang zu Individualismus für eine klar deffinierte Zeit seine Grenzen finden.

Mit freundlichen Grüssen
Christian Westphal

Wenn ich nochmal an den Kern meiner Fragestellung denke, geht die Antwort 100% ins Leere.
Männer haben also beschlossen, daß Männer das Land verteidigen, oder erswatzweise Ärsche abputzen müssen. Gerecht ist es, weil es ja Gesetz ist, wenn ich die Antwort richtig verstehe? Und gleichberechtigt ist das auch, weil es Gesetz ist. Schon die Väter des Grundgesetzes erlagen diesem Irrtum und die Politik ist nicht an Aufklärung interessiert.
Mit meinem nächsten Brief, will ich nachhaken und darauf hinweisen, daß meine Frage auf Gerechtigkeit abzielt und nicht auf das Gesetz. Das kann bei Bedarf geändert werden. Für Tipps bin ich immer dankbar, insbesondere was den fachgerechten Umgang mit rhetorischen Daumenschrauben angeht. Für mich stellt sich die Frage, wie man Antworten verwerten kann, die völlig an der Fragestellung vorbeigehen bzw. inwieweit man auf einer vernünftigen Beantwortung seiner Fragen bestehen kann, der Bundespräsident ist ja nicht irgendwer. Jedenfalls bin ich gespannt, welche Antwort mich nach meinem nächsten Brief erwartet.
Grüsse Friedwilli

__________________________________________________________________
Hallo Friedwilli,
sehr gute Aktion!
Die Antwort von denen beweist wirklich sogar dem Dümmsten noch eine ganze Menge!
Mit dieser Art Beweisführung und ihrer Veröffentlichung sollten wir wirklich weitermachen ;-)
Gruß
Konfuzius

Danke! Die Sache ist noch nicht ausgereizt.


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