Re: DNA-Analyse: erlaubt wenn's Männer trifft, verboten wenn's Frauen trifft
Als Antwort auf: Re: DNA-Analyse: erlaubt wenn's Männer trifft, verboten wenn's Frauen trifft von PeterR am 19. Januar 2005 13:19:51:
Hallo Peter!
"Beim Ladendieb nimmt die Polizei die DNA-Analyse und der Staat kann dafür sorgen, daß diese Daten nicht an Dritte weitergegeben werden..."
Aber können wir uns auch sicher sein, daß das nicht doch geschieht? Erst einmal ist da der Faktor Schlamperei. Es kam sowohl bei Behörden als auch bei Unternehmen schon vor, daß Papiere mit vertraulichen Informationen und teilweise sogar Wertpapiere (in einem Fall sogar Aktien im Wert von mehreren Millionen DM) versehentlich auf dem Müll gelandet sind. Das Zeug lag teilweise tatsächlich offen und für jeden zugänglich auf irgendwelchen Müllkippen herum. Es gelingt Hackern immer wieder, in Computernetzwerke von Behörden und Unternehmen einzudringen. Wie können wir da sicher sein, daß unsere Daten immer vor Mißbrauch geschützt sind?
Und dann gibt es noch den nicht zu unterschätzenden Faktor Korruption. Es gibt tatsächlich Auskunfts-Unternehmen, die alle denkbaren und undenkbaren Daten über uns sammeln. Um sie an jeden zu verkaufen, den sie interessieren. Die schicken Leute los, die uns in die Fenster sehen und dann weiter geben, welche Geräte wir in unseren Wohnungen stehen haben. Die registrieren, welche Autos mit welchen Kennzeichen wir fahren. Von Kreditkarten-Unternehmen besorgen sie sich Infos über unsere Kaufgewohnheiten. Die bringen in Erfahrung, ob wir Kredite laufen haben, ob wir arbeitslos sind und wieviel wir verdienen. Diese Infos besorgen die sich auch illegal. Ihre Kunden stört das nicht, denn ihnen ist es egal, woher die Daten stammen. Die wissen offiziell natürlich nichts von illegalen Machenschaften. Für sie zählt nur, daß sie die Daten bekommen, die sie haben wollen.
Und solche Auskunfts-Unternehmen sind mit Sicherheit auch sehr an unseren DNA-Daten interessiert.
Sicher kann auch ein Arzt illegal DNA-Proben samt Personen-Daten weiter geben. Aber um einen großen Teil der Bevölkerung so auch DNA-mäßig zu erfassen, muß man sehr viele Ärzte schmieren. Nicht jeder Arzt wird das mitmachen, manche Menschen gehen jahrzehntelang nicht zum Arzt, und ein Arzt braucht auch einen triftigen Grund, um einem Patienten beispielsweise eine Blutprobe abzunehmen. Auf diese Weise ist es also recht mühselig und teuer, die Bevölkerung möglichst komplett mit DNA-Daten zu erfassen.
Wenn es jedoch eine zentrale Stelle gibt, wo solche Daten erfaßt werden, dann wird das sehr viel einfacher.
"Es muß auch bei heimlichen Vaterschaftstests garantiert sein, daß die DNA-Daten nicht an Dritte (z.B. Versicherungen oder Arbeitgeber) weitergegeben werden."
Das ist doch jetzt durchaus möglich. Es gibt für solche DNA-Vergleiche beispielsweise Vermittler. Und es ist jetzt auch möglich, solch einen Test anonym über irgendeine vertrauenswürdige Person machen zu lassen. Dann kann man zwar die Daten auch weiter geben, aber wem nützt das, wenn nicht sicher bekannt ist, zu welcher Person sie gehören?
Die geplanten Gesetzesänderungen zielen aber auch darauf ab, genau das zu verbieten. In Zukunft soll ja der Nachweis nötig sein, daß die Mutter mit dem Test einverstanden ist. Man will dazu sogar die beauftragten Unternehmen in die Pflicht nehmen. Dann wird es also auch für private Tests zwingend erforderlich sein, persönliche Daten zusammen mit den DNA-Proben abzugeben, um sicherzustellen, daß der Auftraggeber auch wirklich dazu berechtigt ist, den Test zu beauftragen. DANN erst werden die Daten für Mißbrauch interessant.
Noch größer wird das Risiko, wenn durch den somit zu erwartenden Rückgang der privaten Vaterschaftstests viele Labore mangels Kunden vom Markt verschwinden und es schließlich nur noch wenige Labore gibt. Je weniger Labore es nämlich gibt, umso geringer ist der Aufwand, um in jedem Labor mindestens einen Angestellten zu schmieren, der dann die Daten illegal weiter gibt.
Generelle Vaterschaftstests nach der Geburt wären zwar sehr sinnvoll, aber ich sehe da aus den oben erwähnten Gründen große Datenschutz-Probleme, ähnlich wie bei der immer wieder geforderten allgemeinen DNA-Datenbank. Eine automatische Test-Apparatur, in der Proben nach der Analyse auf jeden Fall vernichtet werden, könnte dieses Problem lösen. Aber da würde sich dann auch wieder die Frage stellen, ob es da dann nicht doch Mittel und Wege gibt, die Vernichtung der Proben zu verhindern...
Wenn ich es recht bedenke, wäre es gerade im Hinblick auf die Datenschutzproblematik am besten, wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist. Wenn man also weiterhin auch anonyme und eventuell auch heimliche Tests machen kann, um sich Gewißheit zu verschaffen.
Freundliche Grüße
von Garfield
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Ferdi,
19.01.2005, 14:58
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PeterR,
19.01.2005, 15:19
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crazyPhil,
19.01.2005, 16:06
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19.01.2005, 17:33
- Re: DNA-Analyse: erlaubt wenn's Männer trifft, verboten wenn's Frauen trifft - Andi, 21.01.2005, 01:21
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PeterR,
19.01.2005, 17:33
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19.01.2005, 16:07
- Re: DNA-Analyse: erlaubt wenn's Männer trifft, verboten wenn's Frauen trifft - PeterR, 19.01.2005, 17:42
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19.01.2005, 16:06
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ein weiterer Andreas,
19.01.2005, 15:25
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T.Lentze,
19.01.2005, 15:49
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ein weiterer Andreas,
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19.01.2005, 16:02
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19.01.2005, 15:49
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