Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Noch nicht begriffen ?

Nick, Friday, 07.01.2005, 15:48 (vor 7698 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Noch nicht begriffen ? von Garfield am 07. Januar 2005 12:24:04:

Guten Tag Garfield!

"Thomas sagte: "Oberhalb dieser Ebene aber, dort, wo er anfängt, Mensch zu sein und Gott zu erkennen..."

Du darauf: "Das bedeutet, daß jeder, der nicht an deinen Gott glaubt, für dich kein vollwertiger Mensch ist. Das ist genau die totalitäre Einstellung, die du sowohl am Nationalsozialismus als auch am Radikalfeminismus kritisierst."

Wer den Menschen als geistiges Wesen auffaßt, das eben mehr als eine dumpf grunzende Freß- und Fickmaschine ist, die ihren Verstand bloß dazu gebraucht, die Bedingungen für dieses Fressen und Ficken zu optimieren, der muß das so sehen. Das Wort "Gott" ist dabei gar nicht mal so entscheidend, sondern allgemein der Gedanke der Höherentwicklung des Menschen, der Kulturentfaltung, der Vergeistigung. Mit Totalitarismus hat das überhaupt nichts zu tun. Denn anders als Nazitum und Feminismus werden weder Thomas noch ich noch Michail oder andere Persönlichkeiten, die das Ziel des Menschen im Geistigen sehen, dich oder andere dazu zwingen, unserem Weg zu folgen. Die Macht dazu haben wir ohnehin nicht und streben sie auch nicht an. Ich bin wirklich ein radikaler Verfechter der Freiheit in dem Sinne, daß jeder Mensch sein eigenes Schicksal wählen und schaffen muß - und es dann auch allein tragen soll. Keiner darf ihm das verwehren, selbst dann nicht, wenn er sich zum Tier zuückentwickeln will, wie es die Mehrheit der Europäer meiner Meinung nach gerade in Angriff nimmt - und wohl auch durchziehen wird.

Ich finde es hingegen furchtbar und wirklich totalitär, wenn der Gedanke der Geistigkeit schon nicht mehr ausgesprochen werden darf. Das entspricht dann dem, wie Thomas den von dir verkürzt zitierten Satz fortführt: "Oberhalb dieser Ebene, nämlich da, wo der Mensch anfängt, gibt es aber keine Freiheit mehr. Der Mensch von heute wird verblödet mit dem Ziel, zu akzeptieren, daß er da ist, um sich zu amüsieren. Oberhalb dieser Ebene aber, dort, wo er anfängt, Mensch zu sein und Gott zu erkennen, wird er lächerlich gemacht, bedroht, paralysiert. Alle die aber, welche sich dagegen verwahren, werden den schlimmsten Repressionen und Torturen ausgesetzt, mit der Rechtfertigung, daß sie es sind, welche Intoleranz üben."

Der neue Totalitarismus ist anders als der NS-Staat, gewiß. Mit ihm gemein aber hat er unter anderem, daß er von der Mehrheit der Bevölkerung (damals nannte man das "Volksgemeinschaft") unterstützt und bejaht wird - und deswegen von dieser Mehrheit keineswegs als Totalitarismus empfunden wird. Hitler war ja wirklich sehr beliebt im Volke, weil er die vielen kleinen, privaten Gemeinheiten und Durchstechereien des Pöbels nicht zu unternbinden suchte, sondern (weil er selbst seinem ganzen Wesen nach ein totales Nichts, ein leere Hülle und Projektionswand für mieses Kleinbürgertum war) vollauf bejahte, mobilisierte und für seine Wahnvorstellungen dienstbar machte. Juden ihr Eigentum wegnehmen war zwar eigentlich nicht in Ordnung; aber wo es nun schon mal enteignet war, da wollte man sich eben bei der Arisierungsversteigerung das schöne Schnäppchen auch nicht entgehen lassen. So lief das bei Spießers unterm Sofa!

Heute ist das nicht anders. Ein jeder befleißigt sich einer möglichst "elastischen Ethik", die so gestaltet wird, daß immer das Eigeninteresse (wenigstens so gerade eben noch) innerhalb der aktuellen, privaten Tagesethik liegt. Das genau ist der Grund für den allseits so beliebten "Werterelativismus". Es ist gerade diese Anhäufung von vielen "Kleinen Gemeinheiten", die die sagenhaften Großverbrechen ermöglichen - heute wie damals. Die 6 Mio. Juden waren nicht unschuldiger, als die 8 Mio. Babies (allein in Deutschland). So sehe ich das. Aber weil diese Sicht unbequem ist, schaut man weg, wie man es bei den Juden auch gemacht hat; obwohl man damals von den Morden nichts bis höchstens gerüchteweise wußte, heute aber JEDER genau weiß, was abgeht, wie es abgeht, wieviele Meschen ihres Lebens beraubt werden - und jeder (wenigstens noch) dagegen protestieren kann, ohne ins Lager zu kommen. Für mich hat die Abtreibungsfrage mit Feminismus zu tun wie nichts sonst, da das eine Mörderbewegung gewesen ist von Anbeginn an. Noch heute schreien sie dumpf-brutal, Abtreibung sei ein "Frauenrecht"! Das ist eigentlich unfaßbar! Aber es ist halt auch einen "Vorteil", wie jemand freimütig sagte, wenn man als Mann nicht für ein Kind aufkommen muß, weil es abgetrieben wurde. Das beeinflußt dann die "Ethik" ganz fix in die Richtung, nicht allzuviel über dieses peinliche Thema reden zu wollen. Es ist immer dasselbe.

Ich halte totalitäre Entwicklungen für unausweichlich, sobald der Mensch seine Geistigkeit wegwirft. Du magst das deinerseits Totalitär nennen, denn es ist ja auch wirlich ziemlich lästig oder gar unerträglich. Ich nenne es einfach meine freie Sicht auf die Welt, den Menschen und sein Leben. Totalitär wäre es höchstens, wenn ich mehr täte, als dies auszusprechen. Totalitarismus ist übrigens nie, wie manche meinen, ein Minderheits-, sondern immer ein Mehrheitsphänomen: es ist immer die Mehrheit, die sich gleichschalten läßt. Darin genau besteht ja gerade das Totalitäre! Schon von daher ist eine Minderheitenposition, wie sie Thomas oder ich vertreten, nicht totalitär. Ich kann mir schlechterdings nicht vorstellen, wie man Menschen "gleichschalten" könnte, auf daß sie ihrer Geistigkeit folgen. Das ist ein Witz und schließt sich selbst von vornherein aus. Von daher droht von solchen Gedanken keine Gefahr - für dich nicht und für niemanden in der Welt. Also keine Angst, denn es ist inzwischen dafür gesorgt, daß das immer eine Minderheitenposition bleiben wird.

Gruß vom
Nick


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