Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Sozis Nazis Fezis - korrekt oder nicht ?

T.Lentze, Thursday, 06.01.2005, 23:10 (vor 7699 Tagen) @ Sven75

Als Antwort auf: Re: Sozis Nazis Fezis - korrekt oder nicht ? von Sven75 am 06. Januar 2005 19:47:59:

Hallo Sven !

Auf emotionaler Ebene - und das ist nunmal die Ebene dessen, was wir bei den Menschen als Effekt erzielen - sieht es doch so aus, dass wir, wenn wir Feministen als "Femin*zis" etikettieren, ein durchaus erwünschtes ablehnendes Gefühl erzeugen.

Ja klar !

Aber die Menschen wenden sich vom Feminismus dann nicht etwa deshalb ab, weil sie aus sachlichen Gründen der Ansicht wären, dessen Ziele und Methoden seien falsch, sie wenden sich nicht ab, weil sie den Feminismus als antidemokratische und totalitäre Ideologie enttarnt hätten. Nein, sie wenden sich ab, weil diese Ideologie mit einem Etikett beklebt wurde, welches man in unserer Gesellschaft schlichtweg abzulehnen hat, weil es negativ besetzt ist.

Ist das nicht auch ein Erfolg ?

Wir würden also genau das nutzen, was gerade in diesem Forum aufs Heftigste kritisiert wird: das Gutmenschentum.

Ja, wenn es zum Erfolg führen sollte, warum nicht ?

Auf sachlicher Ebene wiederum stelle ich mittlerweile immer mehr fest, dass der Feminismus nicht nur Parallelen mit dem Nationalsozialismus hat, sondern dass diese Parallelen bei so ziemlich jeder totalitären Ideologie zu finden sind, die sich die Menschen während ihrer Geschichte erdacht haben. Die Ideologien selber waren stets andere, das Ergebnis aber dasselbe: Die Unterdrückung einer bestimmten Personengruppe. Je mehr ich über den Nationalsozialismus lerne, desto mehr Parallelen finde ich zwar, aber auch umso mehr Unterschiede. Und ich habe langsam den Eindruck, wir vergleichen den Feminismus mit dem Nationalsozialismus nur deshalb so oft, weil diese Ideologie die letzte totalitäre Ideologie ist, die uns im Gedächtnis ist.

Das ist allerdings wahr. Und dabei keineswegs kritikwürdig. Wenn eine Naturkatastrophe sich anbahnt, so wird man sie sich mangels Imagination des Zukünftigen auch immer nur nach dem Muster bisheriger Naturkatastrophen vorstellen. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Letztlich müssen wir uns fragen, ob wir es nötig haben, mit Etiketten und Vergleichen gegen den Feminismus zu kämpfen.

Wir haben es nötig. Es sei denn, wir alle hätten bereits ein völlig klares Konzept. (Ich glaube, eins zu haben, aber...)

Es mag sein, dass sich die Geschichte oft wiederholt; dass gerade menschenverachtende Ideologien trotz unterschiedlicher Ziele immer wieder die gleichen Methoden anwenden. Doch was würde ein dauernder Vergleich bringen, ausser neue "Totschlagargumente", die deshalb so verlockend sind, weil gegen sie nicht zu diskutieren ist?

Totschlagargumente sind im Kampf gegen Bekämpfenswertes nicht falsch, schlimmstenfalls unwirksam.

Was soll die Zukunft dessen sein? Dürfen wir am Ende bald überhaupt nichts mehr als Meinung kundtun, ohne befürchten zu müssen, von Kritikern in irgendeine Schmuddelecke gestellt und mit einem bestimmten Etikett beklebt zu werden, damit man mit uns nicht mehr diskutieren muss?

So ist es. Die Kritiker werden ALLES tun, um uns in eine Schmuddelecke zu stellen. Das wäre aber noch das Harmloseste, was uns widerfahren wird.

So werden wir die Ratio nicht retten. Und nur auf Basis dieser Ratio können wir gesellschaftliche Dogmen aufheben, andernfalls wir nämlich nur neue schaffen. Und deshalb kann ich mich letztlich den anderen, teils besseren, Ausführungen nur anschließen und dafür plädieren, dass wir dem politischen Feind anders und vor allem klüger begegnen als mit Vergleichen mit vergangenen Ideologien, so logisch und verlockend dies auch sein mag.

Dem politischen Feind werden wir RATIONAL ohnehin nicht begegnen können.

FAZIT:

Vielleicht sollten wir das mit den Etiketten gar nicht so wichtignehmen. Ich sage "Sexismus", anstatt begriffliche Anleihen zu machen bei der letzten großen Katastrophe. Aber die Meisten hier tun das nicht, weil sie zukünftige Katastrophen, wenn überhaupt, nur nach dem Muster bisheriger Katastrophen sehen können.

Aber ich glaube, es ist letztlich nicht so wichtig, wie wir die zu verhindernde Katastrophe benennen. Hauptsache, das Problembewußtsein ist überhaupt erst einmal vorhanden. Der Kampf ist sowieso nur möglich mit Taten statt mit Worten.

Freundliche Grüße, T.L.


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