Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Noch nicht begriffen ?

Garfield, Friday, 07.01.2005, 14:24 (vor 7698 Tagen) @ T.Lentze

Als Antwort auf: Noch nicht begriffen ? von T.Lentze am 06. Januar 2005 20:27:43:

Hallo Thomas!

Du meinst, der Nationalsozialismus wäre anfangs nicht aktiv gewesen. Das stimmt so nicht.

Hitler mußte erst einmal seinen Führungsanspruch innerhalb der NSDAP völlig durchsetzen, also in der Partei auch das Führerprinzip etablieren. Parallel dazu trat er auf diversen Veranstaltungen als Redner auf, um neue Anhänger und Geldgeber zu gewinnen. Soweit war der Nationalsozialismus mit dem Feminismus noch vergleichbar.

Hitler ging es aber nicht darum, nur aus Langeweile im politischen Sandkasten zu spielen oder vielleicht damit irgendwann mal einen gut bezahlten Posten in der Politik zu ergattern. Nein, er hatte ganz konkrete Visionen, und nicht nur das: Er war bereit, die mit allen Mitteln zu verwirklichen.

Dabei nahm er sich zunächst die italienischen Faschisten zum Vorbild und wollte dann getreu diesem Vorbild den Putsch von 1923 zu einem "Marsch auf Berlin" ausweiten. Als der Putsch schon im Keim erstickt wurde, änderte Hitler seine Strategie. Er sah nun ein, daß die italienischen Verhältnisse nicht einfach so auf Deutschland übertragbar waren und arbeitete von nun an konkret darauf hin, die Macht auf legalem Wege durch Wahlen zu erlangen. Als auch das fehlzuschlagen drohte, setzte er alle seine zu der Zeit existierenden Beziehungen ein, um Hindenburg unter Druck zu setzen, der ihn dann widerwillig zum Reichskanzler ernannte und so der NSDAP endgültig den Weg zur Macht ebnete.

Dieses zielgerichtete, aktive Streben zur Macht sehe ich bei Feministinnen nicht. Zwar sitzen manche von ihnen mittlerweile auf Machtpositionen, aber die haben sie sich nicht erkämpft, sondern sie wurden ihnen geschenkt. Das meinte ich, als ich schrieb, daß der Feminismus passiv ist.

Vor Hitlers Beitritt zur DAP (wie die NSDAP anfangs hieß) war die Partei genauso passiv. Hitler hat später häufig gesagt, daß es sich dabei um einen reinen Debattier-Club handelte, aus dem er erst eine aktiv handelnde politische Kraft gemacht hat. Hätte er das nicht getan, wäre die Geschichte dieser Partei etwa so verlaufen:

Hitler hätte Versammlungen organisiert, auf denen er Juden und Kommunisten zu Schuldigen an sämtlichen Problemen erklärt hätte. Er hätte sich regelmäßig mit seinen Parteigenossen zusammen gesetzt und mit ihnen über die schlechten Eigenschaften von Juden und Kommunisten und der jüdisch-bolschewistisch geprägten Welt allgemein diskutiert. Ab und zu hätte man auch mal Flugblätter verteilt oder "Kauft nicht bei Juden" an jüdische Geschäfte geschmiert. Auf die Idee, sich 1923 am Putsch zu beteiligen, wäre aber niemand gekommen. Und wenn doch, dann wäre ein kleines Häufchen Nationalsozialisten am Rande mitgelaufen, um beim ersten Anzeichen von Gegenmaßnahmen sofort die Flucht zu ergreifen. Die NSDAP wäre zwar zu Wahlen angetreten, da der Wille zur Macht aber nicht wirklich vorhanden gewesen wäre, hätte man sich dabei auch nicht sonderlich ins Zeug gelegt und hätte somit auch nicht viel erreicht. Nach jeder Wahl hätte man dann wieder lang und breit über die Gemeinheit der Welt diskutiert und an Juden und Kommunisten appelliert, sich endlich zu bessern. Die hätte das natürlich in keiner Weise interessiert, die NSDAP wäre bald wieder in der Versenkung verschwunden und kein Mensch könnte sich heute mehr an einen Adolf Hitler erinnern.

Wie kommt es nun, daß Feministinnen da offenbar erfolgreicher waren? Weil sehr viele Männer es eben nicht ignorieren, wenn von weiblicher Seite Vorwürfe gegen sie kommen, sondern stattdessen bestrebt sind, die Gründe für diese Vorwürfe zu beseitigen, auch wenn sie nicht existieren. So kommt es, daß Feministinnen gar nicht aktiv werden müssen. Sie müssen einfach nur genügend Männer in Aktivität versetzen, und schon läuft alles in ihrem Sinne ab.

Sobald genügend Männer das erkennen, hat der Feminismus keine Chance mehr.

Mit dem Nationalsozialismus war das anders. Zwar gab es anfangs auch Juden, die die NSDAP unterstützt haben, aber es war nicht so, daß die Mehrheit der Juden quasi als Buße für die angeblich von ihnen erbrachten Untaten nun der NSDAP zur Macht verholfen hätte. Die Katastrophe ist praktisch ohne Zutun der jüdischen Bevölkerung über sie hereingebrochen. Genauso auch über Kommunisten, Sozialdemokraten, manche Christen... Weil die Nazis von sich aus aktiv gehandelt haben und nicht von anderen an die Macht gebracht worden sind. Deshalb nützte es auch nicht viel, daß nicht wenige ihrer späteren Opfer die Gefahr sehr wohl schon früh erkannt haben.

Wenn aber heute genügend Menschen die Gefahr des Radikalfeminismus erkennen, dann ist diese Gefahr damit praktisch schon gebannt.

"Mit welchem Ergebnis hat er ihn denn bekämpft ? Mit keinem !"

Das würde ich so nicht sagen. Chaplins Film hatte durchaus Auswirkungen, allein schon, weil er damals schon heftig diskutiert worden ist. Allerdings stand die US-Regierung Hitler sowieso von Anfang an skeptisch gegenüber. Die Nazi-Diktatur wurde als Bedrohung empfunden, zumal 1938 in Deutschland die Kernspaltung entdeckt worden war und dann auch überall prompt vom Bau winziger nuklearer Bomben mit ungeheurer Zerstörungskraft geredet wurde. Als dann der Krieg ausbrach, stellte die US-Regierung sich auch sofort auf die Seite Großbritanniens und Frankreichs. Zwar erklärte man Deutschland nicht den Krieg, unterstützte seine Gegner aber sonst in jeder Weise. So wirkte Chaplins Film zusammen mit der US-Propaganda gegen die Nazi-Diktatur, und seine Wirkung war deshalb nicht so sichtbar.

Dann hast du noch etwas geschrieben, was mir sehr gegen den Strich geht:

"Oberhalb dieser Ebene aber, dort, wo er anfängt, Mensch zu sein und Gott zu erkennen..."

Das bedeutet, daß jeder, der nicht an deinen Gott glaubt, für dich kein vollwertiger Mensch ist. Das ist genau die totalitäre Einstellung, die du sowohl am Nationalsozialismus als auch am Radikalfeminismus kritisierst.

Darüber solltest du mal nachdenken.

Freundliche Grüße
von Garfield


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