Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: @Arne und Rüdiger

Arne Hoffmann, Tuesday, 04.01.2005, 20:08 (vor 7701 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: @Arne und Rüdiger von Nick am 04. Januar 2005 13:56:22:

Hi Nick,

es kommt nicht auf den Intelligenzquotienten der einzelnen Frau an, sondern auf die Auswirkung eines Verhaltens auf die Gesellschaft.

Gut. Dann müsste man also nur noch belegen, dass z. B. Rüdigers Äußerungen über sein Intimleben tatsächlich Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Und selbst dann wäre noch abzuwägen, welcher Wert höher steht.

Halte ich es für möglich, dass das Entstehen einer Männerbewegung bei manchen Frauen Aggressionen gegen Männer schürt? Durchaus. Halte ich es für möglich, dass das Zeigen von Homosexuellen in Fernsehsendungen zum Schwulenklatschen irgendwelcher Torfköpfe beiträgt, die sich provoziert fühlen? Sicherlich. Also halten wir am besten alle brav die Schnauze, wenn wir nicht bei jedem unserer Worte hundertprozentig sicherstellen können, dass dadurch nicht irgendeine negative Entwicklung in der Gesellschaft stattfindet? Wohl kaum.

Jeder ist verantwortlich nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Folgen dessen, was er tut und sagt, und muß sich die Konsequenzen deshalb ggf. vorhalten lassen. Deinem Argument folgend gäbe es z.B. überhaupt keinen Grund, rassistische Propaganda zu verbieten, weil darauf ja auch nur Halbidioten hereinfallen. Es ist also kein stichhaltiges Argument.

Der Unterschied ist nur, dass rassistische Propaganda darauf abzielt, ein bestimmtes Verhalten auszulösen. Was bedeutet denn, jeder müsse sich die Konsequenzen dessen vorhalten lassen, was er sagt? Ich habe in meinem Buch Beispiele genannt, dass ein Mann, der seine Eltern mit dem Fleischermesser angriff, behauptete, dadurch durch "Die Brüder Karamasow" angestiftet worden zu sein, ein Jamaikaner, der eine weiße Frau vergewaltigte, durch die Serie "Roots" und ein Kindermörder durch "Tom Sawyer". Meine Argumentation - die du so schön für nicht stichhaltig erklärt hast - geht dahin, dass der einzelne Täter für seine Verbrechen verantwortlich ist. Deine Argumentation nimmt Dostojewski, Alex Hailey und Mark Twain in die Verantwortung. Da gehe ich nicht mit.

Intimität ist ein hoher humaner Wert. Er schützt nicht nur den Betreffenden selbst, sondern auch die anderen Menschen. Deshalb ist es berechtigt, nicht nur die eigene Intimität zu schützen, sondern auch von anderen zu verlangen, die ihre zu wahren.

Ich bin mir sicher, wenn jemand Rüdiger mitgeteilt hätte "Ich fühle mich durch deine Schilderungen unwohl/belästigt/peinlich berührt, könntest du dich da in Zukunft ein bisschen zurückhalten oder wenigstens eine Warnung in das Heading deines Postings legen?", wäre das kein großes Problem gewesen. Mit irgendwelchen hypothetischen und völlig spekulativen "Auswirkungen auf die Gesellschaft" zu argumentieren halte ich aber nicht für überzeugend.

Arne


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