Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Kommentar: Wie kinderfreundlich ist Deutschland?

Jolanda, Friday, 29.10.2004, 02:29 (vor 7770 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Kommentar: Wie kinderfreundlich ist Deutschland? von Andreas am 28. Oktober 2004 19:28:02:

Lieber Andreas

Ich würde auch mal ganz frech behaupten, daß in vielen Familien durchaus mehr als genug Geld für Kinder vorhanden ist. Ich weiß überhaupt nicht, ob diese Finanzdiskussion den Kern der Sache trifft. Dazu kann ich mich nicht kompetent äußern.

-- Du hast insofern Recht, dass man sich ganz klar Kinder leisten kann, auch heute noch. Man hat dann vielleicht kein eigenes Haus und auch höchstens ein Auto und man geht vielleicht 10 Jahre nicht mehr in den Urlaub, aber das ist in meinen Augen eine Frage der Prioritäten.

Ich habe kein Haus, mein Mann hat ein Auto, dass er braucht, er ist selbständig. Ich finde aber, dass 1 Auto genügt. Ich brauche es nicht so oft und wenn, dann sprechen wir uns ab. Irgendwie geht das immer. Und wir waren die ersten 10 Jahre unserer Ehe, nachdem wir Kinder hatten nicht mehr im Urlaub. Aber kein Urlaub der Welt, könnte uns die Zeit mit unseren Kindern ersetzen, auch kein Haus und kein Auto.

Ja, das Geld ist schon bei vielen der Grund, dass sie keine Kinder mehr wollen. Aber einfach, weil sie lieber 3 mal im Jahr in Urlaub gehen. Ein schönes Haus wollen und schöne Autos und gut Essen gehen und ein Wochenende nach Barcelona oder London fliegen.

Mir hat kürzlich ein Mann so um die 30 erzählt. In seinem sehr grossen Freundeskreis, da gibt es nur zwei Pärchen, die ein Kind haben. Alle anderen wollen kein Kind, weil sie eben sehr hohe Lebenshaltungskosten haben und dann auf vieles verzichten müssten, was ihnen sehr wichtig ist.

Er hat gesagt, ja, wenn du dann auf einmal nur noch 7000 Franken im Monat hast, dann musst du dich schon einschränken. Ich habe da erst mal leer geschluckt. 7000 Franken ist viel Geld, auch in der Schweiz und damit lebt eine Familie wirklich gut. Der Mindestlohn in der Schweiz, das sind 3000 Franken und wer 5000 Franken verdient, hat keinen schlechten Lohn. Klar, die Schweiz ist teuer und Kinder kosten schon Geld, aber ich gebe es lieber für sie aus, als für so unnützen Luxus, der nicht wirklich glücklich macht.

Und wenn der sagt, dass 7000 Franken nicht genügen, um ein Kind zu haben, na dann wundert mich nichts mehr, echt.

Ja, das Geld ist ein grosser Faktor, gerade bei den jungen Paaren.

Viele Probleme sind doch schlichtweg hausgemacht. Wozu muß der Staat überhaupt Kinderkrippen finanzieren? Warum bringt man die Kinder nicht einfach zu den Großeltern, wenn beide Elternteile berufstätig sind? Hat man bei mir früher auch gemacht und da gab es nie irgendwelche Probleme. Also, ich weiß nicht...da kann man nur mit dem Kopf schütteln.

--- Schmunzelt...nun ja, lieber Andreas, kannst wieder aufhören den Kopf zu schütteln. Du lebst hier noch in der Vergangenheit. Grossmütter, die auf die Kinder aufpassen und das regelmässig über ein paar Stunden, die sind rar geworden ;-)

Meine Mutter z.B., also die war sicher 5 Monate im Jahr irgendwo auf Reisen oder im Urlaub. Die heutigen Grossmütter, die sind nocht fit, haben ihr eigenes Geld, gehen oft reisen. Die schauen nicht mehr einfach so selbstverständlich zu den Kindern, wie du dir das vorstellst. Heute nicht mehr.

Zudem, ich weiss auch nicht, ob ich später mal Lust haben werde, wenn ich es dann geniessen kann, jede Woche zwei bis drei Tage kleine Kinder zu versorgen. Ich werde meine Enkelkinder sicher lieben, sollte ich mal welche bekommen. Aber das heisst noch lange nicht, dass ich dann Hütedienst spielen werde und für die Kinder meiner Kinder auf meinen verdienten Ruhestand verzichten werde.

Kleine Kinder sind anstrengend, heute noch mehr als früher und für Grosseltern ist das nicht nur eitel Sonnenschein.

Ich habe diesen Anspruch auch nie gestellt an meine Mutter. Sie muss doch nicht mein Leben organisieren. Ich wollte Kinder, sie hatte vier gross gezogen, sie musste nun nicht meine miterziehen, sie hat sie genossen, aber sie hätte mir nie zugesagt, jede Woche auf die Kinder aufzupassen, damit ich arbeiten gehen kann.

Und in meinem ganzen Freundeskreis, da kenne ich zwei Grossmütter, die zwei mal die Woche einen Nachmittag zu den Kindern schauen.

Die Zeiten haben sich geändert ;-)

Herzlicher Gruss
Jolanda


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