Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Frauen werden immer noch benachteiligt

Maesi, Friday, 03.09.2004, 01:53 (vor 7826 Tagen) @ Melanie Sophia

Als Antwort auf: Frauen werden immer noch benachteiligt von Melanie Sophia am 01. September 2004 14:18:50:

Hallo Melanie Sophia

Wenn ich in diesem Forum so lese bekomme ich zwangsläufig den Eindruck dass Frauen heutzutage bevorzugt seien. Das könnt ihr doch nicht ernst meinen. Ich meine: Seht euch doch die frauenverachtende Werbung an, die Patriarchen an der Spitze der Unternehmen, die Frauenarmut etc.

Naja, in der Werbung schenken sich die Geschlechter nichts. Wie Leser schon sagte: dort geht's um Geld, um Marketing. Maennerfeindliche Werbung wurde hier ja ebenfalls schon oft thematisiert, wobei ich ueberzeugt davon bin, dass die wenigsten Menschen genuegend sensibilisiert, maennerfeindliche Werbung als solche zu erkennen.

Ich weiss nicht, was Du unter 'Patriarchen' verstehst, die angeblich an der Spitze der Unternehmen stehen.

Die Karriere ist etwas, das man waehrend Jahren verfolgen und dem man vieles opfern muss. Frauen haben auch heute noch eine Alternative zum Beruf, naemlich die Mutterrolle. Und noch immer wird die Kombination 'Erziehung der eigenen Kinder und Teilzeitjob' von der Mehrzahl der Frauen als Ideal angesehen (wie diesbezuegliche Umfragen belegen). Mit einem Teilzeitjob kannst Du eine berufliche Karriere aber gleich vergessen, das gilt fuer Frauen und Maenner gleichermassen. Maenner werden allerdings dahingehend sozialisiert, dass sie im Beruf zu funktionieren haben - nach einer Scheidung sind sie sogar per Gerichtsbeschluss dazu verpflichtet (erhoehte Erwerbsobligenheit um den Unterhalt an Kinder und Exe zu bezahlen). Dass auch heute noch viel eher Maenner in Toppositionen sind (wenn auch nicht mehr ausschliesslich, wie vor einigen Jahrzehnten) ist also nichts anderes als Ausdruck einer bestimmten gesellschaftlichen Realitaet, die Maenner in jedem Fall als Vollzeiterwerbstaetige sieht und Frauen als Kinderbetreuerinnen und Teilzeiterwerbstaetige. Alternativ koennten Paare beispielsweise auch den Rollentausch praktizieren; dieses Modell findet aber offensichtlich nur wenig Anklang - gerade auch unter Frauen.

Die beruechtigte 'Frauenarmut' ist nahezu immer Folge von Scheidung kombiniert mit dem Vorhandensein von Kindern. Arme Frauen katapultieren sich in den meisten Faellen selbst in die Armut, indem sie (normalerweise unabgesprochen) die gemeinsamen Kinder fuer sich als eine Art Eigentum reklamieren und dadurch wiederum nicht Vollzeit arbeiten gehen 'koennen'. Die Kinder dem Vater zur Betreuung zu ueberlassen, kommt fuer die Muetter hingegen in den seltensten Faellen in Frage. Gerade bei Scheidungen erkennt man also sehr klar, wo die eigentliche Prioritaet von Muettern liegt: in der Sicherstellung der eigenen Kinder, die sie selber betreuen/erziehen wollen - und der Vater hat das gefaelligst widerspruchslos zu akzeptieren und den Unterhalt klaglos zu bezahlen.

Das läßt wohl nur einen Schluss zu: Frauen sind immer noch benachteiligt.

Dieser Schluss ist ein Kurzschluss...

Wenn dem nicht so wäre, warum gibt es dann so viele Frauenhäuser? (Männerhäuser sind ja leider Zuchthäuser)

Gute Frage. Gegenfrage: weshalb gibt es soviele Frauenhaeuser, obwohl Dunkelfelduntersuchungen belegen, dass Maenner in heterosexuellen Beziehungen ebensooft von ihren Partnerinnen geschlagen werden wie umgekehrt. Die Antwort liegt in der unterschiedlichen gesellschaftlichen Bewertung von Gewalttaten gegen Maenner und Frauen. Ein Mann, der Gewalt von seiner Frau erleidet, hat dies gefaelligst ohne Gejammer ueber sich ergehen zu lassen; sofern er sich beklagt, wird er als Witzfigur, als Pantoffelheld angesehen und nicht ernst genommen. Frauen als Opfer sind hingegen gesellschaftlich akzeptiert. Dies schlaegt sich logischerweise auch darin nieder, dass Frauenhaeuser gesellschaftlich als notwendig erachtet werden und Maennerhaeuser (die gibt es tatsaechlich) nicht.

Kennst Du die Werbung, in der drei Frauen auf einer Couch sitzen, Schokolade essen und zusammen ein Video ansehen? Auf dem Bildschirm wirft eine Frau ihrem Freund (Ehemann?) vor, er treibe es mit allen Frauen - ja, sogar mit ihrer eigenen Schwester. Daraufhin verpasst sie ihm eine Ohrfeige und die drei Frauen auf der Couch jubeln, johlen und groelen vor Vergnuegen und Schadenfreude. Jede greift sich ein neues Stueck Schokolade, eine spult das Videoband zurueck, worauf sie dieselbe Szene nochmals anschauen und nach der Ohrfeige wieder jubeln. So, jetzt stelle Dir dieselbe Werbung mit exakt umgekehrten geschlechtlichen Rollenverteilungen vor und beantworte die Frage, ob eine solche Werbung ausgestrahlt werden duerfte. Wenn Du die Frage ehrlich beantwortest, muesstest Du konstatieren, dass es sich hier um einen gewalttaetigen Mann handelt, der seine Frau schlaegt - und damit koennte wohl kaum ohne Intervention von zig Gleichstellungsbeamtinnen und Frauenschuetzerinnen Schokolade beworben werden. Es geht mir hier nicht darum, auf die Maennerfeindlichkeit dieser Werbung hinzuweisen sondern auf die Tatsache, wie weitherum akzeptiert eine solche Szene (Frau schlaegt Mann) ist, waehrend des Gegenteil (Mann schlaegt Frau) als Akt Haeuslicher Gewalt angesehen wird. Werbung ist in hohem Masse auf positive Akzeptanz der (potentiellen) Konsumenten angewiesen, weil sie ja das beworbene Produkt moeglichst oft verkaufen will; deshalb ist gerade Werbung ein recht guter Indikator dafuer, was gesellschaftlich akzeptiert ist und was nicht. Hinzu kommt, dass die meisten Konsumentscheidungen von Frauen getroffen werden und diese deshalb recht haeufig Hauptzielgruppe der Werber sind - das war offensichtlich auch so in der von mir genannten Werbung.

Warum sieht die Politik die Notwendigkeit Frauen zu fördern?

Das frage ich mich auch. Weshalb muessen Frauen in ihrer politischen Karriere gefoerdert werden? Sind sie etwas besseres als Maenner, zu hilflos oder schlichtweg zu daemlich (wie die Feministin Bierach vermutet)? Bitte beantworte Du mir die Frage, ich kann es naemlich nicht...

Warum werden Frauen zu Objekten degradiert?

Das werden Maenner auch - allerdings in noch weit schlimmerer Form als Frauen. Ich selbst wurde als Wehrpflichtiger zu einem Objekt degradiert, von dem im Ernstfall erwartet wurde, sein Leben fuers Vaterland hinzugeben; aber auch in Friedenszeiten war der Wehrdienst nicht gerade ein Zuckerschlecken, weder in physischer noch psychischer Hinsicht. Viele Vaeter werden nach Scheidungen zu Zahlvaetern degradiert, die sich ansonsten gefaelligst aus dem Leben der Kinder herauszuhalten haben.

Im Gegensatz zu den Frauenausbeutungen werden diese weitverbreiteten Formen von Maennerausbeutungen noch nicht mal als solche wahrgenommen; Traktanden bei irgendwelchen (feministisch dominierten) Gleichstellungsaemtern sind sie schon gleich gar nicht. Und da solche Maennerausbeutungen nicht nur staatlich toleriert sondern sogar staatlich angeordnet sind, kann man(n) sich auch sehr schlecht dagegen wehren. Wenn ich vor 20 Jahren den Wehrdienst verweigert haette, waere ich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Knast gelandet - Dienstverweigerung aus Gewissensgruenden war damals in der Schweiz noch kaum akzeptiert; meine Arbeitsstelle bei einem militaerfreundlichen Unternehmen, haette ich mir ohnehin gleich abschminken koennen und waere damit obendrein noch arbeitslos dagestanden.

Also ein bißchen Macht abgeben das müßt ihr schon, sonst wird das nichts mit der Gleichberechtigung.

Naja, soviel Macht habe ich nicht - und die meisten anderen maennlichen Poster hier wohl auch nicht. Welche Macht sollte ich (oder irgend ein anderer Durchschnittsmann) Dir und anderen Frauen also abgeben? Du gehst von der irrigen Annahme aus, dass ich irgendwas davon haette, dass die meisten Parlamentarier und Topmanager Maenner sind. Hast Du einen Vorteil davon, dass die meisten materiellen Gewinner in Scheidungskaempfen bei den Reichen und Superreichen Frauen sind? Geht's Dir besser, wenn irgendeine Frau ihren reichen Ehemann nach der Scheidung abzocken oder aber nach dessen Tod beerben kann? Wahrscheinlich nicht...

Auch die EU-Kommission hat jetzt die Zeichen der Zeit erkannt und strebt eine 50/50-Quote an. Eine begrüssenswerte Initiative.

Tja, fragt sich bloss, ob die EU-Kommission auch eine 50/50-Quote bei den Muellmaennern, den Bauarbeitern, bei zwangsverpflichteten Soldaten oder gar bei den Obdachlosen anstrebt. Ich glaube eher nicht. Wie ueblich: die Rosinen sollen quotiert werden, die Zitronen duerfen die Maenner ruhig behalten. 'Selektive Quote' heisst die magische Formel des Feminismus und bezeichnet nichts anderes als simple schaebige Raffgier; darueber koennen auch noch so schoene Phrasen von 'Gleichberechtigung' oder 'Chancengleichheit' nicht hinwegtaeuschen.

Gruss

Maesi

'Ich bin mal gespannt wann bei mir der erste Muellwagen vorfaehrt der zu 50% mit Frauen besetzt ist. Dann gebe ich einen aus.' (Ferdi im Forum 'Wieviel "Gleichberechtigung" vertraegt das Land)


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