Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Unser feminisierter Zeitgeist sieht das so:

Garfield, Wednesday, 14.04.2004, 21:07 (vor 7968 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Unser feminisierter Zeitgeist sieht das so: von Emmalein am 14. April 2004 08:28:44:

Hallo Emmalein!

Was du geschrieben hast, stimmt ja alles. Aber das ist nur ein Aspekt der Sache.

Das Problem ist nämlich viel komplizierter, und seine Wurzeln reichen ganz weit in die menschliche Evolution zurück.

Es gibt Tierarten, bei denen die Aufzucht des Nachwuches gar kein Problem ist. Man legt einfach Eier an einem günstigen Ort ab, verschwindet dann, und die Jungtiere sind von da an auf sich selbst angewiesen. Das klappt so bei Arten, die nicht besonders kompliziert aufgebaut sind, so daß die Jungtiere nicht besonders groß sein müssen, die Eier somit sehr klein sein und in großer Stückzahl vom Weibchen produziert werden können. So ist es dann nicht schlimm, wenn viele Eier und Jungtiere ohne elterlichen Schutz und Fürsorge gefressen werden oder verhungern. Es bleiben immer noch genügend übrig.

Je komplizierter aber eine Art wird, umso größer muß allein schon der Kopf der Jungtiere bei der Geburt sein. Bei Vögeln passen die Jungtiere zwar noch in Eier, aber die sind dann schon recht groß und können nicht mehr tausendfach gelegt werden. Da ist es dann nötig, daß die einzelnen Eier gut bewacht werden, und die Jungtiere brauchen nach dem Schlüpfen noch für einige Zeit die Unterstützung der Eltern.

Das macht es schon bei vielen Vogelarten nötig, daß es eine Rollenverteilung gibt, wozu es wiederum erforderlich ist, daß Männchen und Weibchen als Paar zusammen bleiben. Eier legen kann nur das Weibchen; wenn die Eier aber erst einmal gelegt sind, können Männchen und Weibchen sich gleichermaßen darum kümmern. Bei einigen Pinguin-Arten beispielsweise wechseln sie sich dabei ab. Die Weibchen legen die Eier und übergeben sie danach den Männchen. Die halten sie warm, während die Weibchen zum weit entfernten Wasser ziehen, dort Fische fangen und sich Fett anfressen. Die Männchen hungern derweil, und es kommt gelegentlich sogar vor, daß sie verhungern, bevor die Weibchen wieder zurück kehren. Wenn die Weibchen dann aber zurück kommen, übernehmen sie die Eier, und dann ziehen die Männchen zum Wasser und fressen sich dort satt.

Bei Säugetieren ist dieser Rollenwechsel nicht mehr so einfach möglich. Dort tragen die Weibchen die Jungtiere nicht nur aus, sondern sie müssen sie anschließend auch noch säugen. Letzteres ist beim Menschen heute zwar nicht mehr zwingend erforderlich, aber das ist noch nicht lange so. In früheren Zeiten gab es keine vollwertige künstliche Babynahrung, so daß ein Kind zumindest in der ersten Zeit nach der Geburt auf die Muttermilch angewiesen war. Damit haben die Menschen und ihre Vorfahren über Millionen von Jahren gelebt.

In der letzten Phase der Schwangerschaft war eine Frau durch ihr enorm vergrößertes Bauchvolumen sehr eingeschränkt, und schwere Arbeiten waren kaum noch möglich. Nach der Geburt waren viele Frauen auch durch die schlechte medizinische Versorgung sehr geschwächt und hatten oft noch einige Zeit mit den Folgen der Geburt zu kämpfen. Die Bezeichnung "Wochenbett" ist entstanden, weil Frauen in früheren Zeiten üblicherweise vor und nach einer Geburt wirklich einige Wochen im Bett liegen mußten. Obendrein mußte das Kind dann regelmäßig gestillt werden.

Dabei muß man noch bedenken, daß die Menschen früher gerade mal 30-40 Jahre alt wurden, daß die Sterblichkeit unter Kindern und auch unter Erwachsenen sehr viel höher war als heute und daß die Bevölkerungszahl trotz diesen widrigen Umständen immer weiter anstieg. Das und die Tatsache, daß es praktisch keine Verhütungsmittel gab, legt nahe, daß die Frauen in früheren Zeiten praktisch ständig entweder schwanger waren oder ein Kind stillten.

Diese Umstände machten es vollkommen unmöglich, daß Frauen regelmäßig Tätigkeiten wie Jagd oder Krieg ausübten. Somit fielen diese Aufgaben den Männern zu. Die Körper von Männern und Frauen paßten sich dem im Laufe der Evolution an, mit dem Ergebnis, daß Männer auch heute noch im Durchschnitt größer und kräftiger sind als Frauen. Da Frauen durch die Kinder ohnehin am Wohnort fixiert waren, übernahmen sie die Tätigkeiten, die dort und in der näheren Umgebung anfielen, während die Männer alle Tätigkeiten übernahmen, die besonders schwer oder gefährlich waren oder für die man sich weit vom Wohnort entfernen mußte (was in früheren Zeiten auch gefährlicher war als heute). Es waren beispielsweise auch weit überwiegend Männer, die lange Handelsreisen unternahmen.

Für die Erhaltung der Art war es nötig, daß beide Geschlechter sich dieser Rollenverteilung möglichst gut anpaßten. Und daß sich Instinkte heraus bildeten, die dafür sorgten, daß man sich bevorzugt einen Partner suchte, der zur Erfüllung der jeweiligen Aufgaben möglichst gut geeignet war.

Männer achteten also vor allem darauf, daß ihre Partnerin gut dafür geeignet war, Kinder zur Welt zu bringen und zu stillen. Dafür mußte eine Frau ein breites Becken und große Brüste haben, also eben genau die Figur, die die meisten Männer bis heute als "weiblich" ansehen und bevorzugen. Schöne Haare waren auch nicht unwichtig, da sie ein Zeichen für gute Gesundheit bildeten.

Frauen achteten umgekehrt darauf, daß ein Mann gut dafür geeignet war, sie und die Kinder zu ernähren und zu beschützen. Dazu mußte er groß und kräftig sein, und er brauchte ein gewisses Durchsetzungsvermögen. Er mußte eben genau die Eigenschaften aufweisen, die Frauen heute noch als "männlich" empfinden.

Und ein Hausmann paßt nicht in dieses Bild. Ein Hausmann ernährt nicht, sondern er wird ernährt. Er ist somit nicht aktiv, sondern passiv. Das widerspricht dem uralten Männlichkeitsbild, das im weiblichen Gehirn instinktiv hinterlegt ist. Obendrein widerspricht es auch noch diversen Normen, die auch Frauen heute immer noch anerzogen werden. Männer müssen nach wie vor aktiv, stark und durchsetzungsfähig sein. Sind sie das nicht, dann sind sie zwar prima Kumpel, mehr aber auch nicht.

So manche Frau akzeptiert es vielleicht eine Zeitlang, wenn der Partner Hausmann ist. Weil sie vielleicht etwas moderner erzogen wurde und diese Erziehung die ererbten Instinkte weitgehend überlagert. Oder weil diese Instinkte vielleicht auch nicht so stark ausgeprägt sind. Wenn dann aber auch noch Freundinnen, Eltern und Großeltern ständig sticheln und ihr immer wieder diskret oder auch ganz direkt zu verstehen geben, mit welch jämmerlichem Versager sie doch zusammen lebt, dann wirkt das früher oder später.

Als es darum ging, das herkömmliche Rollenbild der Frau aufzuweichen, wurde das von den Männern nicht als so große Veränderung empfunden. Die Frauen veränderten ihre Körper ja nicht, sondern sie blieben körperlich genauso weiblich und anziehend wie früher auch. Es war zunächst auch keine Rede davon, daß Frauen keine Kinder mehr möchten. Genaugenommen mußte das weibliche Rollenbild gar nicht so sehr aufgeweicht werden. Auch in früheren Zeiten hat es in der Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau immer wieder Veränderungen gegeben. Als Ackerbau beispielsweise noch so aussah, daß man einfach wildlebende Pflanzen in der Nähe des Wohnortes anbaute, war das häufig Aufgabe der Frauen. Weil es relativ leichte und ungefährliche Arbeit war. Als die Landwirtschaft aber intensiver wurde, als man große Haustiere zum Ziehen von Pflügen einsetzte, die mit viel Körperkraft geführt werden mußten, da wurde Ackerbau Männerarbeit. Im Mittelalter arbeiteten Frauen auch auf dem Bau und auch im Bergbau, allerdings üblicherweise in körperlich leichteren Tätigkeiten. Und im Bergbau meist auch nur über Tage. So war es dann im 20. Jahrhundert zwar für viele Leute ungewohnt, als Frauen in Berufen auftauchten, die vorher Männerdomänen waren, es gab auch Witze und dumme Bmerkungen dazu, aber diese Frauen wurden deshalb nur von sehr wenigen Menschen als unweiblich angesehen.

Frauen definieren Männlichkeit aber weit mehr über Charaktereigenschaften als das umgekehrt der Fall ist. Manchmal sieht man potthäßliche Männer mit Frauen herumlaufen, die wie Foto-Modelle aussehen. Manche Frauen stört es noch nicht einmal, wenn ein Mann doppelt so alt ist wie sie selbst, sofern er genügend Geld hat. Das hat nicht immer nur mit Geldgier zu tun. Natürlich suchen Frauen bei solchen Männern auch finanzielle Sicherheit, aber es ist auch tatsächlich so, daß sie beruflich erfolgreiche Männer als besonders männlich ansehen.

Das ist schon immer so gewesen. Auch Männer, die im Krieg erfolgreich waren, wurden von Frauen schon immer bewundert.

Evolutionshistorisch macht das Sinn, denn was nützte einer Frau denn in früheren Jahrtausenden ein Mann, der ihr und dem Kind nicht von der Seite wich, sich rührend um Kind und Haushalt kümmerte, aber dafür leider nichts zu essen heranschaffte und vom nächstbesten Feind in Nullkommanichts aus den Schuhen geschlagen wurde? Es war also tatsächlich überlebenswichtig, daß der Mann in seinen üblichen Aufgaben erfolgreich war.

Heute ist das weit weniger wichtig, und zum puren Überleben gar nicht mehr. Es gibt heute kaum noch Berufe, die körperlich so anspruchsvoll sind, daß sie nur von Männern erledigt werden können. Eigentlich sollte man meinen, daß die Frauen ihre Ansprüche an die Männer dem anpassen. Aber was sich in Jahrmillionen herausgebildet hat, verschwindet nicht einfach so von heute auf morgen.

So erwarten Frauen eben auch heute noch von einem Mann, daß er beruflich erfolgreich ist. Und wenn sie selbst beruflich tätig sind, gilt ihr eigener beruflicher Stand als Mindest-Maß für den Partner. Das bedeutet, daß die weiblichen Ansprüche an die Männer durch die Emanzipation nicht etwa verminert wurden, sondern sogar noch gewachsen sind. In den 1950er Jahren, als viele Frauen Hausfrauen waren, gab ihnen das die Möglichkeit, fast jeden Mann als "echten Kerl" anzusehen, wenn er es nur schaffte, sie und die Kinder mit seiner Arbeit zu ernähren. So manche Frau mußte in der Zeit allein zurecht kommen, und so war frau froh, wenn sie einen Mann hatte. Wenn aber eine Frau heute selbst voll im Berufsleben steht, dann erwartet sie von ihrem Partner unbewußt und häufig auch bewußt mindestens dasselbe. Es sind vor allem die Frauen, die keine Männer möchten, die sozial unter ihnen stehen. Und wenn auch viele Männer vor Frauen zurück scheuen, die beruflich mehr erreicht haben als sie, dann liegt das vor allem daran, daß ihnen sehr bewußt ist, daß sie für solche Frauen mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals vollwertige Partner sein werden, sondern maximal Notlösungen, mit denen frau sich begnügt, bis etwas Besseres gefunden ist.

Das sind die Probleme, vor denen heute ein Hausmann steht. Was andere Leute heimlich oder offen über ihn reden, kann einem Hausmann eigentlich weitgehend egal sein. Aber was seine Partnerin über ihn denkt, ist ihm mit Sicherheit nicht egal.

Freundliche Grüße
von Garfield


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