Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: @Emmalein

Emmalein, Wednesday, 18.02.2004, 12:04 (vor 8024 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: @Emmalein von Ekki am 17. Februar 2004 23:55:15:

Hi, Ekki,

hat sich denn für die Polen die Lage gegenüber dem Sozialismus insgesamt eher verbessert oder verschlechtert? Wie denken die darüber? Das würde mich mal interessieren?

Und ist der Katholizismus in Polen tatsächlich so stark, wie sein Ruf? (Leider für mich eher eine Tatsache, die ein Land unattraktiver macht, zu viel Einfluss der Religion auf das Staatswesen schadet in meinen Augen mehr als er nützt).

Wie ist denn so die Kaufkraft im polnischen Inland? Ist das Leben da teurer oder billiger als in D, oder hält sich das die Waage? Dann wären 500 Euro verdammt wenig!

Die Vertriebenen, die ich kenne, sind auch nicht in den Vertriebenen-Verbänden organisiert. Und die wollen auch nicht mehr zurück nach Polen, die haben sich hier eingerichtet. Trotzdem finde ich es rein rechtlich ungerecht, dass Polen bei uns in Deutschland Land kaufen können, aber Deutsche in Polen nicht. (Benesch-Dekrete). Wenn die schon in die EU wollen, dann keine Sonderrechte für die Polen! Tut mir leid, aber da fehlt mir das Verständnis. Egal, wie schlimm das ist, was sie von den Deutschen erlitten haben. Das ist inzwischen 60 Jahre her, und ich sehe es nicht mehr ein, dafür verantwortlich gemacht zu werden, was vor 60 Jahren war. Ich habe zwar eine Verantwortung in dem Sinne, dass die Sachen damals nicht vergessen werden dürfen und sich auf keinen Fall wiederholen sollen, aber ich habe manchmal ehrlich gesagt genug von der Moralkeule, die uns Deutschen überall entgegengeschmettert wird. (Ich weiss, das darf man nicht sagen, dann wird man niedergeknüppelt wie der Walser, aber ich denke nun einmal so.) Gottseidank ist mir das bei privatem Umgang mit den Menschen auch eher gar nicht passiert. Glück gehabt!

<Leider muß ich nach allem, was ich in Polen beobachtet habe, der Mehrheit der Deutschen, die als Touristen nach Polen kommen, bescheinigen, daß sie ... ähem ... Sensibilität und kultiviertes Auftreten ... noch ein 'ähem' ... etwas vermissen lassen. Als Berlusconis Staatssekretär Stefani vergangenen Sommer seine berühmt-berüchtigte Philippika gegen die Deutschen loslies, mußte ich im Stillen einräumen, daß allzu viele Deutsche im Ausland den von ihm gezeichneten Bild ("grölende, plebejische und arrogante Teutonen mit Bierbauch" - so oder ähnlich hatte er sich ausgedrückt) leider, leider entsprechen.</p>

Nun ja, manch ein Pole, der hier in Deutschland lebt, benimmt sich auch nicht gerade vorbildlich. Ganz zu schweigen von einigen Italienern. Gerade als Frau kann ich ein Lied von blöden italienischen Anmachsprüchen singen... Na ja, ich kann nichts dafür, dass ich blond und kurvenreich bin, ich verstehe ja auch, dass das der Reiz des Exotischen für diese Herren der Schöpfung ist, aber ein gewisser Anstand könnte bei solchen Anmachen doch auch gewahrt bleiben, oder?

In Italien selbst war ich überigens noch nicht, na ja, als ich klein war mit meiner Mama mal in Venedig, aber das ist ja eher Oberitalien.

Sensibilität anderen Kulturen gegenüber zu zeigen ist wohl immer ziemlich schwer, egal, um welches Volk es sich handelt. Aber man kann da doch nicht alle Leute in einen Topf werfen. Ich bin sicher, dass es auch hier nette und freundliche Italiener ohne die dummen "Anmachtouren" gibt. Nur die Anmachtouren fallen auf und nerven. Die anderen Männer verhalten sich zurückhaltender und fallen darum nicht auf, und nerven deswegen auch nicht. Ist vielleicht auch bei den Touristen so.

Na ja, Polen hat es mit positiven Klischees denke ich am schwersten. Ein Klischee von der polnischen Gastfreundschaft kannte ich beispielsweise gar nicht. Aber eines von den Polen, die deutsche Autos klauen, von den faulen Polen, vom schmutzigen Polen, vom grauen, sozialistischen Polen. Polen und Deutschland müssen gemeinsam noch viel aneinander arbeiten, damit sie ein positiveres Verhältnis zueinander bekommen. Und leider sehe ich in Polen keinen De Gaulle und in Deutschland keinen Adenauer. Schade eigentlich.

Es grüsst höchst freundlich
das Emmalein


gesamter Thread:

 

powered by my little forum