Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Telepolis (Link): Geschlechterspezifische Arbeitslasten - Frauen haben es be

Emmalein, Wednesday, 07.01.2004, 15:38 (vor 8065 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Telepolis (Link): Geschlechterspezifische Arbeitslasten - Frauen haben es be von Odin am 05. Januar 2004 20:45:36:

Hier mal eine andere Sichtweise als die Eure:

Die Verteilung von Hausarbeit & Erwerb

An der Aufteilung von Berufs- und Hausarbeit zwischen den Geschlechtern hat sich, seit derartige Zeitbudgets penibel statistisch erhoben werden, wenig geändert. Es läßt sich lediglich eine Tendenz von etwas stärkerem Engagement von Männern feststellen. Was allerdings, wenn es dem Trend von mehr Frauen in politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich einflußreicher Position entspricht, wohl erst in ein paar Jahrhunderten zu wirklicher Gleichberechtigung führen wird. Nach dem Mikrozensus von 1977 leistete "die Österreicherin" 35 Stunden Hausarbeit pro Woche, oftmals neben Berufstätigkeit, versteht sich. 1983 waren es dann immerhin noch 28 Stunden, wobei von den 2.432.900 Frauen, die einen Haushalt führten, 36% zugleich einer Erwerbsarbeit nachgingen. Mehr als ein Drittel der Frauen fühlte sich durch die Hausarbeit "sehr beansprucht", die Hälfte zumindest "einigermaßen". Nur 12,8% waren "kaum" beansprucht; 43% der Frauen mit Betreuungspflichten waren damals berufstätig

Eine Fessel-Umfrage von 1980 kam zu dem Ergebnis, daß 39% der Befragten die Auffassung teilten, daß in der Ehe die Frau für den Haushalt und der Mann für das Geldverdienen verantwortlich ist. 33% konnten sich eine partnerschaftliche Aufteilung vorstellen. 1977 kümmerten sich laut Mikrozensus nur 30% der Väter um ihre Kinder, während es sechs Jahre später immerhin "schon" 54% waren. Die Beteiligung an Hausarbeit stieg im selben Zeitraum von 21% auf 29% an (wobei bei all diesen Erhebungen immer fraglich ist, welche Qualität diese männliche "Mithilfe" wirklich hat). Für den Frauenbericht 1995 wurden Erhebungen aus den Jahren 1981 und 1992, unter anderem mit unterschiedlicher Methodik über Zeitbudgets, also die Verteilung von: Schlafen, Essen, Körperpflege Arbeit, Wege, Hausarbeit, Kinderbetreuung, Freizeit, herangezogen.

Der durchschnittliche Zeitaufwand für Hausarbeit und Kinderbetreuung, bezogen auf die Gesamtbevölkerung und über alle Tage der Woche gerechnet, betrug 1981 3 Stunden 39 Minuten, 1992 aber 3 Stunden und 56 Minuten. Dies wird als "bemerkenswert" bezeichnet, wo doch die Technisierung und Auslagerung von Haushaltstätigkeiten eher das Gegenteil erwarten ließe. Ein Großteil der durch Arbeitszeitverkürzung freigewordenen Zeit werde darauf verwendet. Mögliche Ursachen: gestiegene Ansprüche an Sauberkeit, Zweitwohnsitze und größere Wohnflächen pro Kopf. Allerdings verteilt sich die Hausarbeit auf 78,7% der Bevölkerung, während es 1981 noch 57,6% bezogen auf den Berichtstag waren. Von diesem Zuwachs sind Frauen ebenso wie Männer betroffen, wobei letztere 1992 "deutlich" öfter Tätigkeiten im Haushalt übernehmen würden, "und sie verrichten auch jenen Teil, der als wenig attraktiv oder als unangenehm gilt: Kochen, Aufräumen und Wäschewaschen sind heute nicht mehr ausschließlich Aufgaben von Frauen". Erhoben wird diese gestiegene Bereitschaft übrigens, indem die Männer selbst, ebenso wie die Frauen, ihren Zeitablauf eines Tages zu Protokoll geben. Konkret haben 1981 nur 6% der Männer gekocht, 1992 28,5 % (= zuerst haben 94 % nicht gekocht, dann 71,5%). Fürs Aufräumen und Wäschewaschen hatten 1981 nur 8 % was übrig, dann warens immerhin 38,7% (= 92% haben es nicht getan, dann noch 61,3%). Eingekauft haben 1981 bloße 11%, 1992 warens "schon" 26% (= 89% haben es "ihrer" Frau oder Mutter überlassen, dann immerhin noch 74 %).

Eine "allzu optimistische Bewertung" der männlichen Beteiligung sei unangebracht, heißt es im Frauenbericht, denn immer noch ist der Anteil der hausarbeitenden Frauen dreimal so hoch wie jener der Männer. Was Kinderbetreuung betrifft, so gibt es heute mit 18,7% aller Erwachsenen mehr Menschen, die sich um Kinder oder Enkelkinder kümmern (1981 waren es 13,6%). Der Anteil der Männer daran beträgt 12,1% aller Geschlechtsgenossen (1981 waren es 7,0%). Hingegen betreuen 24,6% aller Frauen Kinder (1981: 19%). Männer befassen sich jedoch, wenn sie es schon tun, am liebsten beim Spielen, bei Ausflügen und bei Freizeitaktivitäten mit den Kindern, auch, wenns drum geht, mit diesen mal "ein ernstes Wort" zu reden. Bloßes "Beaufsichtigen" und Lernen überlassen sie hingegen sehr gerne den Müttern, ebenso die Versorgung.

Wenn die in Österreich verrichtete Hausarbeit quantitativ erfaßt wird, dann verrichten sie zu drei Viertel Frauen. Wird sie qualitativ berechnet, dann hatte sie etwa 1993 ein Jahresvolumen von 558 Milliarden Schilling, was 22% des BIP entspräche, würde sie dementsprechend bezahlt werden. Hinsichtlich der Beanspruchung von Frauen in dieser Situation hat sich über die Jahre nichts geändert: berufstätige Frauen sind die mit Arbeiten unterschiedlicher Art am stärksten belastete Gruppe. Ihnen stehen für "unmittelbare Reproduktion", also unter anderem Schlafen, aber eigentlich auch sowas wie Entspannen und Abschalten, nur 10 Stunden 27 Minuten zur Verfügung (Mikrozensus 1992). Sie arbeiten im Schnitt pro Tag 5 Stunden 28 Minuten außer Haus und verrichten in 4 Stunden und 13 Minuten Hausarbeit. "Im Vergleich zu 1981 haben sich sowohl der Anteil der Berufstätigen als auch der gesamte Zeitaufwand für Beruf und Hausarbeit (inkl. Kinderbetreuung und Wegzeit) erhöht. 1992 waren mehr Frauen erwerbstätig, betreuten gleichzeitig den Haushalt und mußten dafür mehr Zeit investieren.

Die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinder bleibt auch dann bei den Frauen, wenn sie erwerbstätig sind. Wenn Männer erwerbstätig sind, dann haben sie in der Regel längere Arbeitszeiten und sie müssen etwas längere Pendelwege in Kauf nehmen. Zugleich reduzieren viele Männer jedoch den Aufwand für Hausarbeit und Kinderbetreuung. Jeder dritte berufstätige Mann beteiligt sich am einem durchschnittlichen Tag überhaupt nicht an Hausarbeit und Kinderbetreuung." Der Rest verbringt maximal 60% der Zeit damit, die seine Frau aufwendet. Fazit: der durchschnittliche Arbeitstag der durchschnittlichen Österreicherin besteht aus 9 Stunden und 41 Minuten, der des Österreichers aber aus 8 Stunden und 45 Minuten. Ganz davon abgesehen, wer seine Tätigkeiten wie entlohnt bekommt.


Also wundere Dich nicht darüber, wenn Frauen häufiger krank werden.

Es grüsst
das Emmalein
(das auf Wunsch auch gern die Quelle dieser Daten angibt!)


AB


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