Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Alles kleine Kinder?

Lars, Tuesday, 09.09.2003, 01:03 (vor 8185 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Alles kleine Kinder? von Anabasis am 08. September 2003 21:03:47:

Auch auf die Gefahr hin, daß es jetzt so aussieht, als ob ich unbedingt das letzte Wort haben muß (*g*):

>... ein umsteuern der Hilfe in Richtung: Aufbau landesinterner Wirtschaftskreisläufe. Nur, da müßten eben die Interessen der Banken und der ausländischen Investoren mal ein paar Jahre hintenangestellt werden.
Diese Medizin ist Gift. Japan ist groß geworden, indem die Investoreninteressen bedient wurden.

Japan HATTE bereits vor seinem Aufstieg zur Exportmacht eine respektable Binnenwirtschaft (sonst hätte es ja in den 30ern nicht ostasiatischer Hegemon werden und den USA anschließend mehrere Jahre lang die Stirn bieten können!). Das war dort 1945 so ähnlich wie in Deutschland: Für den Augenblick sah man zwar überall nur Trümmer, aber das Potential (Human-Kapital und Bürokratie) war nach wie vor da und wartete nur darauf, wieder aktiviert zu werden. Der Aufstieg zur Exportmacht wurde dann vom Außenhandelsministium ganz dirigistisch-merkantilistisch koordiniert, während sich das Land gegen US-Importe stark protektionistisch abgeschottet hat (deren Stärke ja ebenfalls auf ihrem sicheren Binnenmarkt beruht)- genau das Gegenteil, von dem was heute der IWF den Entwicklungsländern empfiehlt!

Süd-Korea dito. Und Nordkorea hat eine Kreislaufwirtschaft! Diese bedeutet für manches Kind dort Null-Diät! Bis zum Tod!

Ich rede von MARKTwirtschaftlichen Binnenkreisläufen!

>Gut daß Du das Öl erwähnst! Die Ölpreise sind ja ebenfalls Anfang der 80er in den keller gegangen, weil das Opec-Kartell zerbrach (sehr zu unserem Vorteil). Zinsen rauf, Ölpreis runter: Für Länder wie Mexiko und Venezuela, aber auch Nigeria war das der Genickbruch.
Keine Eigenverantwortung? Alles kleine Kinder? Keine erwachsenen Menschen? Müssen wir sie alle unter Patronage nehmen? (rhetorische Frage – könnte eh nie funktionieren!)

Auch hier wieder das Stichwort: Interne Wirtschaftskreisläufe. Die Ölstaaten hatten in den 60er und 70er Jahren ihre Kraft in die Infrastrukturprojekte gesteckt, die ganz auf den Export ausgerichtet waren (vorrangig der Rohstoffe, daneben auch noch ein bißchen der verarbeiteten Rohstoffe).

Es entstanden bildlich gesprochen moderne Öl-pipelines, die über rückständig bearbeitete Agrarlandschaften hinweg, an rückständigen Dörfer vorbei, zu einem modernen Industriehafen führten, in dem ein paar Spezialisten arbeiteten, die sich für ihre weit über-landes-durchschnittlichen Gehälter Konsumgüter aus den Industrieländern kauften. Das ganze hatte überhaupt keine Nachfrage-/Investitions-/Modernisierungseffekte auf das einheimisch Gewerbe und die binnnenarkt-orientierten Teile der Landwirtschaft.

Dieses Wachstumsmodell war gut für die Industrieländer, gut für eine Spezialisten-Minderheit im kleinen, isolierten Weltmarkt-Sektor in den E-Länder-Gesellschaften, aber schlecht für die dortigen Völker.

Gruß
Lars


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