Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Überzeugt immer noch nicht...

terVara, Friday, 04.04.2003, 15:05 (vor 8342 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Überzeugt immer noch nicht... von Bruno am 04. April 2003 08:02:11:

Moin Bruno,

...Die Frauenbevorzugung liegt darin, dass trotz der momentan höheren Problematik der Männerarbeitslosigkeit (was die Zahlen eindeutig belegen) weiterhin nur Frauenintegrationsprogramme laufen, aber keine Männerinegrationsprogramme.

sie belegen das eben nicht eindeutig. Nimm einfach mal die Altersgruppe der 60-65jährigen... Dort findest du eine Zahl X für männliche Arbeitslose und null weibliche Arbeitslose...

Zieh den Betrag X mal von der Gesamtstatistik ab und siehe da: die vermeintliche Schieflage des Gesamtbildes ist plötzlich gar nicht mehr so schief...

Und wenn du das jetzt suksessive für jede Alters- und Berufsgruppe tust, wirst du schnell erkennen, daß die Aussage der Gesamtstatistik wertlos ist...

Aus dieser Betrachtung heraus ergibt sich auch eine ganz andere Frage; nämlich nicht die einer beruflichen Integration, sondern die, warum Männer länger arbeiten müssen bis zur Rente als Frauen, wo doch Frauen die deutlich bessere Lebenserwartung haben...

Weiterhin gilt es noch einige andere wesentliche Bedingungen zu beobachten: nämlich die Verteilung der absoluten Zahlen nach Alter und Geschlecht (Alterspyramide)

Die Arbeitlosigkeit männlicher Jugendlicher muß demnach auch höher sein, als die von Frauen, weil es erheblich mehr männliche Jugendliche als weibliche gibt: [link=http://www.bpb.de/files/UB4129.pdf" target="_top]http://www.bpb.de/files/UB4129.pdf[/link]

Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, daß aus den statistischen Rohdaten, die du dargestellt hast, sich absolut keine Rückschlüsse auf Benachteiligungen ziehen lassen...

Die Benachteiligung zur Lebensarbeitszeit wird auch erst erkennbar, wenn man die entsprechte Altersgruppe untersucht (Vorruheständler sind dabei nicht einmal berücksichtigt)...

Aber das gleiche gibt es bei Männern nicht, obwohl die Zahlen eindeutig sagen, dass Männer jetzt die Problemgruppe bei der Arbeitslosigkeit darstellen.

Das besagen diese Zahlen wie oben dargestellt eben nicht... Hier liegt die Benachteiligung einfach darin, daß es keinen Boys-Day gibt, was mit dem Überhang jugendlicher, arbeitsloser Männer nichts zu tun hat...

>Deine Analyse liest sich wie: Jeder Dackel ist ein Hund... Folglich ist jeder Hund ein Dackel..
...Dein Hund/Dackel-Vergleich ist m.E. hier unpassend.

Er ist passend... Du differenzierst überhaupt nicht, was eigentlich alles für Bestandteile im Topf "männlicher Arbeitsloser" drin ist, so wie ich das oben im Ansatz aufbereitet habe...

> > Man muss sich eines im klaren sein. Frauen verstärkt in männerdominierte Bereiche zu bringen heisst, Männer dafür auf die Straße zu setzen. Die Männer haben aber im Gegensatz dazu nicht die Möglichkeit auf Förderinitiative zurückzugreifen, die eine Integration von ihnen in einen frauendominierten Bereich unterstützt.

Heißt es das wirklich?

... IMHO schon. Welche Förderinitiativen für die Integration von Männern in Frauenberufe gibt es denn?[/i]

Mir sind keine bekannt. Darauf wollte ich aber nicht hinaus. Ist es nicht vielmehr so, daß aufgrund von immer noch vorhandenen Rollenklischees Männer Frauenberufe meiden, wie der Teufel das Weihwasser? Und wo keine Nachfrage ist, gibt es logischerweise auch keine Fördermaßnahmen... Den Aspekt kannst du nicht außer acht lassen...

> Das Problem liegt eher da, daß Männer nicht in sogenannte Frauenberufe gehen wollen...
...Eben, das ist ja genau das, was ich beklage. Man tut nichts dafür, um die Motivation der Männer für solche Berufe zu steigern. Bei den Frauen tut man das mit mehreren Förderprogrammen, z.B. um in den Technikbereich verstärkt Frauen zu bringen.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus... IMHO muß den Männern erst bewußt werden, daß es keinen vernünftigen Grund, nicht in Frauenberufen zu arbeiten. Und wenn das passiert ist, dann kommen die Förderprogramme an die Reihe. Vorher machen sie keinen Sinn, wie weiter oben schon geschrieben...

>Dann mach dich selbstständig...
...Keine Sorge. Bin ich.

Prima... Ich auch... Für uns stellt sich das Problem also überhaupt nicht... ;-) Ist aber kein Grund, deswegen den Kopf in den Sand zu stecken. Das Thema muß diskutiert werden. Und dazu vertreten wir beide unterschiedliche Ansätze...

..Keine Sorge. Übernehme ich. Ich dachte nur – und denke es immer noch - es wäre in einem Forum „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?“ interessant auch geschlechtsspezifische Fakten zu einem solch bedeutenden Problem wie die Arbeitslosigkeit präsentiert zu bekommen. Und wenn jemand meine Meinung dazu nicht interessiert, braucht er die auch nicht zu lesen.

Ist ja auch angebracht, hier darüber zu diskutieren. Ich sehe die Dinge jedoch aus einer ganz anderen Perspektive. Das Problem liegt IMHO weniger darin, daß es für Männer keine vernünftigen Förderprogramme gibt, sondern daß der Kern der Benachteiligung in anderen Dingen zu suchen ist: Lebensarbeitszeit, Wehrpflicht, Gesundheitsvorsorge und das Männer wenig Bereitschaft zeigen, alte Rollenklischees über Bord zu werfen...

Gruß

terVara


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