Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Überzeugt nicht...

Bruno, Thursday, 03.04.2003, 15:48 (vor 8343 Tagen) @ terVara

Als Antwort auf: Re: Überzeugt nicht... von terVara am 03. April 2003 11:03:21:

Moin Bruno,
mag ja sein, daß die Statistik nach Geschlechtern gesplittet ist. Deswegen weißt du immer noch nicht, was die als arbeitslos Gemeldeten vorher gemacht haben.
Was davon sind Teilzeitbeschäftigte, oder versicherungspflichtige Jobber (z.B. Studenten) oder andere Karteileichen?
Anhand der vorgelegten zahlen läßt sich IMHO absolut nicht beurteilen, ob Frauen in der Arebitswelt tatsächlich bevorzugt werden...
Gruß
terVara

Hallo terVara,

danke für die Antwort.

Du sagst, die Zahlen überzeugen dich nicht.

Die Zahlen sind Fakten. Sie sagen aus, dass es mehr männliche Arbeitslose gibt als weibliche Arbeitslose. Sie sagen aus, dass die männliche Arbeitslosenquote höher ist als die weibliche Arbeitslosenquote. Sie sagen aus, dass die männliche Arbeitslosigkeit extremer steigt als die weibliche Arbeitslosigkeit. Sie sagen aus, dass die männliche Jugendarbeitslosigkeit steigt. Sie sagen aus, dass die männliche Jugendarbeitslosigkeit enorm steigt, während sie bei den weiblichen Jugendlichen tendenziell gleich bleibt. Schade dass ich hier keine Graphiken rein kopieren kann. Die Kurven zeigen den Trend wesentlich deutlicher.

Sie sagen nicht aus warum und wieso. Damit hast du recht. Die Gründe ändern aber erstmal an der Tatsache nichts. Und Tatsache ist, mehr Männer als Frauen sind arbeitslos, haben keinen Job. Und nichts, aber auch gar nichts wird unternommen um gegen dieses besonders Männer betreffende Problem gegenzuarbeiten.

Du sagst, man kennt die Hintergründe nicht. O.K. Aber wäre es dann zumindest nicht einmal sinnvoll und notwendig diese Hintergründe zu erforschen? Aber man tut nichts. Als die Frauenzahlen noch höher waren als die der Männer hat man Frauen als besondere Problemgruppe bei den Arbeitslosenzahlen behandelt. Und jetzt, wo die Männer stärker betroffen sind? Nichts! Keine Erforschung über das Warum und Wieso. Keine Gelder für Männerbeauftragte in den Arbeitsämtern. Keine Gleichstellungsgesetze für Männer.

Und die Politiker stellen sich hin und verkünden friede-, freude-eierkuchenstrahlend: Unsere Förderprogramme sind erfolgreich!

Beifall!

Die Arbeistlosigkeit der weiblichen Jugendlichen bleibt gleich, nimmt tendenziell sogar ab!

Beifall!

Immer mehr Frauen erobern männliche Domänen!

Beifall!

Gerade im wachsenden IT-Bereich haben Frauen anteilsmäßig bessere Karten!

Beifall!

Äh, Entschuldingung, aber was ist mit den Männern?

Männer? Was für Männer? Was interessieren uns die Probleme der Männer!

Beifall?

Wo ist das Ziel der "Chancengleichheit"? Bei 100% mehr arbeitslosen Männern als bei Frauen? Oder dann wenn auf ein arbeitsloses Mädchen zehn arbeitslose Jungen kommen?

Man muss sich eines im klaren sein. Frauen verstärkt in männerdominierte Bereiche zu bringen heisst, Männer dafür auf die Straße zu setzen. Die Männer haben aber im Gegensatz dazu nicht die Möglichkeit auf Förderinitiative zurückzugreifen, die eine Integration von ihnen in einen frauendominierten Bereich unterstützt.

Wenn man in allen männerdominierten Bereichen etwa 50% Frauen haben möchte, aber die frauendominierten Bereiche weiter Frauendomönen bleiben lässt, muss die Arbeitslosigkeit der Männer höher sein als die der Frauen. Das ist eine ganz einfach Prozentrechnung.

Ich will nicht Frauenförderprogramme abschaffen, die darauf zielen, Frauen in noch männerdominierte Bereiche zu bringen. Aber die Zahlen zeigen doch zumindest eindeutig, dass es Zeit ist, sich mit der Problemgruppe Männer im Arbeitslosenbereich näher und intensiver zu beschäftigen. Sie zeigen, dass es dringend an der Zeit ist, auch Programme zu initiieren, die Männer in frauendominierte Bereiche zu bringen. Z.B. im Erziehungsbereich (Grundschule usw.) oder gerade im IT-Bereich.

Es ärgert mich, wenn man als Programm zur Arbeitslosenbekämpfung nur einseitige Frauenförderung betreibt und dann hinterher Überraschung heuchelt, dass unterm Strich dadurch ja gar keine Arbeitsplätze geschaffen werden.

Ein weiteres Problem ist, dass hier auch das demokratische Prinzip der Wahl hier außer Kraft gesetzt ist. Denn was sollen wir wählen? Alle Parteien stoßen doch ins gleich Horn. Die einen vielleicht noch etwas weniger als die anderen, aber sicher nicht mehr lange.

Am Girlsday 2002 gab es viele Aktionen. Auch mit der Überschrift "Mädchen können alles werden" Und was können Jungs werden? Arbeitslos, obdachlos, Soldat. Ist es das, was meinem frischgeborenen Sohn in 20 Jahren bleibt?

Und das prophezeien die Zahlen.

Aber deswegen einen Boys-Day zu initiieren? Wozu denn. Ein Problem war nur die erhöhte Frauenarbeitslosigkeit.

Nichts für Ungut. War vielleicht hie und da etwas polemisch, aber das Thema Arbeitslosigkeit besorgt mich mehr als die Krebsvorsorge.

Übrigens, was ich schon lange mal fragen wollte: Was hat es mit diesem IMHO auf sich?

Viele Grüße

Bruno



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