Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Gerade in der Rundschau, weniger Jungen als Mädchen auf Gymnasien

Maesi, Wednesday, 02.04.2003, 00:29 (vor 8344 Tagen) @ Alex

Als Antwort auf: Re: Gerade in der Rundschau, weniger Jungen als Mädchen auf Gymnasien von Alex am 30. März 2003 22:35:09:

Hallo Alex

ich würde die Sache eher von einer anderen Seite angehen... einer Seite bei der Geschlechter gar keine Rolle spielen... dann hast Du diesen schwachsinnigen Streß nicht...

Zustimmung

Guck Dir mal an, wie z.B. in Schweden gelehrt wird. Nämlich mit individuellem Eingehen auf den jeweiligen Themenzugang eines Kindes... und durch aufzeigen von Zugangsmöglichkeiten. DA lernt man echt zu lernen! Ganz zu schweigen davon, dass die Motivation der Kinder dadurch viel größer ist.

Ich kenne das System in Schweden ebenfalls nicht. Aber der Ansatz scheint durchaus sinnvoll zu sein.

Und der ganze Geschlechterschwachsinn ist unnötig.

Wiederum Zustimmung. Nur geht Deine Kritik am Kern der Sache vorbei. Waehrend frueher die Frauenbewegung eine der wichtigsten Befuerworterinnen der Koedukation war, verwirft sie diese heute je laenger je mehr. Da werden zig spezielle Foerderkurse fuer Maedchen und Frauen angeboten. Im Unternehmen, in dem ich arbeite, wurde beispielsweise vor einigen Jahren ein Kurs ueber Computernetzwerke speziell fuer Frauen angeboten; dass sich die Zahl der Netzwerkexpertinnen daraufhin signifikant erhoeht haette, war allerdings nicht festzustellen. Auch die Volkshochschule macht diesen Unsinn mit und bietet Kurse an, zu denen der Zutritt fuer Maenner verboten ist (das Umgekehrte gibt es selbstverstaendlich nicht). Ich habe sogar schon von einer Frauenuniversitaet gelesen. Und immer werden dieselben Argumente praesentiert: Maedchen und Frauen lernten anders als Maenner, und braeuchten deshalb speziell auf sie zugeschnittene Kurse und Ausbildungen. Die verwendete Argumentationslinie impliziert normalerweise, dass das jetzige System Jungen und Maenner bevorzugt. Es ist (zumindest bei den Jungen) gerade das Gegenteil der Fall; die Ausbildung an der Schule entspricht viel eher den Maedchen als den Jungen, was sich bekanntlich auch in den Schulnoten niederschlaegt. Somit muesste man, logisch betrachtet, eher Foerderkurse fuer Jungen denn fuer Maedchen anbieten.
Hier werden systematisch durch Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Privilegien (eben Spezialausbildungen fuer Frauen) installiert, die eine geschlechterbezogene Schieflage hervorrufen und obendrein nicht selten noch von der oeffentlichen Hand mitfinanziert werden. Die Kritik an dieser subtilen Maennerdiskriminierung ist selbstverstaendlich legitim, ja sogar notwendig. Gefoerdert werden sollen jene, die eine Schwaeche auf bestimmten Gebieten aufweisen; auch Begabte sollen durchaus speziell gefoerdert werden. Ganz so, wie Du das ja offenbar selber vorschlaegst. Bloss: ich lehne es ab, das biologische Geschlecht 'weiblich' generell als Begruendung fuer eine Sonderausbildungen heranzuziehen; das ist simpler Rassismus. Leider betaetigen sich hier zahllose feministische und feministisch angehauchte Organisationen und Individuen in maenner- und jungendiskriminierender Art und Weise und das sogar mit staatlicher Unterstuetzung; es ist flashc, ja sogar gefaehrlich vor den teilweise apartheidartigen, geschlechtergetrennten Auswuechsen mit Maedchen- und Frauenbevorzugungen bzw. Jungen- und Maennerbenachteiligungen einfach die Augen zu verschliessen.
Das hat auch keineswegs etwas mit Neid zu tun, wie oftmals behauptet wird, sondern vielmehr mit Gerechtigkeit. Ausserdem tun sich die speziell gefoerderten (und manchmal sogar verhaetschelten) Frauen keinen Gefallen. Faehige Frauen haben die Sonderfoerderung nicht noetig und lehnen sie sogar haeufig ab. Sie wissen naemlich genau: spaetestens im Job muessen die speziell Gefoerderten ihre Hosen runterlassen, und dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die in einem strikt auf Frauen beschraenkten, sozialen Treibhaus Ausgebildeten sich gewissermassen in freier Wildbahn nicht (mehr) zurechtfinden, ist ungleich hoeher als bei jenen, die von Anfang darin (mit Maennern) grossgeworden sind.
Es ist aber auch eine Frage der Kosten. Wie teuer duerfen die Sonderausbildungen sein? Kinder reicher Leute werden da wohl immer einen gewissen Vorteil haben. Und wer soll wieviel von oeffentlich finanzierten Sonderausbildungen profitieren? Inwieweit sind sie ueberhaupt sinnvoll? Ist es beispielsweise tatsaechlich sinnvoll Minder- oder Mehrbegabte voellig von Normalbegabten zu trennen? Wenn die Paedagogik zum Schluss kommt, dass in bestimmten Teilbereichen die Verabschiedung von der koedukativen Ausbildung sinnvoll ist, dann muesste konsequenterweise auch abgeklaert werden, in welcher Form auch die Jungen in geschlechtergetrennten Faechern besser unterrichtet werden koennen. Genau da sieht es aber momentan zappenduster aus. Es ist auschliesslich die Rede davon, wie Maedchen maedchengerechter unterrichtet werden sollen. Die Beduerfnisse von Jungen werden (einmal mehr) vergessen oder ignoriert.

Gruss

Maesi


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