Re: Thema: Gender und Schule
Als Antwort auf: Re: Thema: Gender und Schule von Garfield am 27. März 2003 10:35:47:
Hallo Garfield
Was du hier schreibst, kann ich aus eigenen Erfahrungen während meiner Schul- und Studienzeit nur bestätigen.
Ich auch.
Ich denke, wie so vieles resultiert auch das aus den unterschiedlichen Rollen von Männern und Frauen während der Jäger- und Sammlerzeit.
Frauen blieben meist in einem begrenzten Umfeld, in dem ihnen dann naturgemäß nicht viel Neues begegnen konnte.
Männer dagegen zogen weit umher, zum einen für die Jagd (wenn eine Jagdgruppe längere Zeit an einem Ort blieb, war die nähere Umgebung natürlich schnell "leergejagt", so daß man zur Jagd immer weiter hinausziehen mußte). Zum anderen aber auch, um Partnerinnen zu finden.[...]
Interessante Thesen.
Und das wirkt sich eben auch heute noch aus. Was mir z.B. auch häufig auffällt, ist, daß Frauen oft Probleme dabei haben, im Team mit anderen zusammen zu arbeiten. Solange sie dabei einen von den anderen Kollegen abgegrenzten Tätigkeitsbereich haben, in dem sie alles so machen können, wie sie es wollen und in dem sie sich nicht ständig neu auf jemand anderen einstellen müssen, klappt alles prima. Sobald sie aber wirklich mit jemand anderen Hand in Hand zusammen arbeiten und also ihre eigenen Aktivitäten immer wieder neu mit denen der Kollegen abstimmen müssen, gibt es Probleme. Weil viele Frauen auch da davor zurückscheuen, ihre eingefahrenen Gleise zu verlassen. Männer sind da weitaus flexibler.
Hoppla! Exakt diese Erfahrung mache ich eben jetzt in meinem beruflichen Umfeld. Meine Nachfolgerin, die ich gegenwaertig einarbeite, schwoert auf exakte Ablaufprozesse, die sie auch fein saeuberlich dokumentiert. Alle Ausnahmen, Probleme und Missverstaendnisse, die nicht nach Schema F abgearbeitet werden koennen, verursachen bei ihr aber grosse Hilflosigkeit.
In der Schule wird letzteres aber immer weniger gefördert. Meine Verlobte beispielsweise hat mir mal erzählt, wie der Mathematik-Unterricht in ihrer Schulzeit ablief. Da mußten bei den Klassenarbeiten die Aufgaben nach einem exakt festgelegten Schema gelöst werden. Nicht nur der Rechenweg war festgelegt, sondern auch die Art, wie man ihn aufschreiben mußte.[...]
Ein fast exakt gleicher Fall, wie von Dir im obigen Absatz beschrieben, ist mir ebenfalls bekannt.
Ich erinnere mich ausserdem an eine Begebenheit in meiner Lehre als kaufmaennischer Angestellter (ist immerhin 20 Jahre her). Da leitete unser Berufsschullehrer aus der allgemeinen kaufmaennischen Zinsformel die Formel fuer das durchschnittlich verzinste Kapital her; es war eine mathematisch einfache Umformung:
Zins = (Kapital * Zinsfuss * Zinstage) / (100 * 360) <=> Kapital = (Zins * 100 * 360) / (Zinsfuss * Zinstage)
Kaum zu glauben, aber wahr: die Maedchen schrieben diese und auch alle anderen umgeformten Formeln einzeln auf (auch wenn Zinsfuss oder Zinstage gesucht waren), tauschten sie untereinander aus und lernten saemtliche Formeln auswendig. Kaum ein Junge hat das getan; es genuegte ja, zu wissen, wie die jeweilige Formel hergeleitet werden musste, und so hatte man(n) dann nur noch die eine Standardformel auswendig zu lernen.
Ich gebe zu, das ist jetzt ein Einzelbeispiel, welches sich nicht so ohne weiteres auf die Allgemeinheit uebertragen laesst. Ich und auch Kollegen von mir haben allerdings so viele aehnliche Erfahrungen (nicht nur auf mathematischem Gebiet) gemacht, dass ich nicht mehr an einen Zufall glauben mag sondern eine gewisse Korrelation zum Geschlecht vermuten muss. Ich bin, wie Du offenbar auch, der Meinung, ein solches geschlechtsspezifisches Vorgehen ist nicht von der Natur gegeben sondern durch die Sozialisierung. Nichtsdestotrotz ist IMHO der Effekt real.
Das hat dann natürlich den Effekt, daß Mädchen, die eher dazu neigen, alles nach "Schema F" abzuarbeiten, klar im Vorteil sind. Noch größer sind diese Vorteile in Fächern, wo es wirklich vor allem darauf ankommt, alles gut auswendig zu lernen. Z.B. in sprachlichen Fächern.
Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Im Pauken sind Maedchen tatsaechlich Spitze.
Ich denke, das ist ein wesentlicher Grund dafür, daß Jungen in der Schule zunehmend ausgebremst werden. Viele Jungen neigen nun einmal dazu, schulische Aufgaben mehr durch logisches Denken als durch Fleiß zu lösen. Problematisch war das schon immer für die Jungen, die weniger intelligent sind. Aber auch eigentlich intelligente Jungen werden durch immer unflexiblere Unterrichtsmethoden zunehmend eingeschränkt. Ihnen bleibt einfach kein intellektueller Spielraum mehr. Stures Auswendiglernen langweilt und frustriert viele Jungen, und so geben sie es dann eben irgendwann auf.
Voellige Zustimmung.
Gruss
Maesi
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susu,
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27.03.2003, 10:24
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27.03.2003, 12:35
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