Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Thema: Gender und Schule

Garfield, Thursday, 27.03.2003, 12:35 (vor 8350 Tagen) @ Stefan G.

Als Antwort auf: Re: Thema: Gender und Schule von Stefan G. am 27. März 2003 08:24:37:

Hallo Stefan!

Was du hier schreibst, kann ich aus eigenen Erfahrungen während meiner Schul- und Studienzeit nur bestätigen.

Ich denke, wie so vieles resultiert auch das aus den unterschiedlichen Rollen von Männern und Frauen während der Jäger- und Sammlerzeit.

Frauen blieben meist in einem begrenzten Umfeld, in dem ihnen dann naturgemäß nicht viel Neues begegnen konnte.

Männer dagegen zogen weit umher, zum einen für die Jagd (wenn eine Jagdgruppe längere Zeit an einem Ort blieb, war die nähere Umgebung natürlich schnell "leergejagt", so daß man zur Jagd immer weiter hinausziehen mußte). Zum anderen aber auch, um Partnerinnen zu finden.

Parallelen dazu sieht man im Tierreich auch häufig. Bei Katzen beispielsweise ist es auch so, daß weibliche Katzen sich mit einem relativ kleinen Revier begnügen, während Kater deutlich größere Reviere haben und viel weitere Strecken zurücklegen.

Da Männer also häufiger in einem unbekannten Umfeld unterwegs waren, mußten sie fähig sein, flexibel auf unvorhersehbare Ereignisse (z.B. auf Angriffe von Raubtieren oder fremden Menschen) zu reagieren. Überhaupt konnten bei der Jagd immer wieder unvorhergesehene Situationen auftreten, die sich nicht nach "Schema F" lösen ließen. Auch da mußte man(n) sofort schalten und möglichst schnell und vor allem richtig reagieren.

Für Frauen war das weniger wichtig. Sie blieben meist in ihrem vertrauten Umfeld und erledigten dort Arbeiten, bei denen kaum überraschende Ereignisse auftreten konnten. Dort war es sogar besser, Dinge nach "Schema F" abzuarbeiten, weil man einfach schneller ist, wenn man etwas immer wieder auf exakt dieselbe Weise erledigt, gewissermaßen nach dem "Fließbandprinzip".

Und das wirkt sich eben auch heute noch aus. Was mir z.B. auch häufig auffällt, ist, daß Frauen oft Probleme dabei haben, im Team mit anderen zusammen zu arbeiten. Solange sie dabei einen von den anderen Kollegen abgegrenzten Tätigkeitsbereich haben, in dem sie alles so machen können, wie sie es wollen und in dem sie sich nicht ständig neu auf jemand anderen einstellen müssen, klappt alles prima. Sobald sie aber wirklich mit jemand anderen Hand in Hand zusammen arbeiten und also ihre eigenen Aktivitäten immer wieder neu mit denen der Kollegen abstimmen müssen, gibt es Probleme. Weil viele Frauen auch da davor zurückscheuen, ihre eingefahrenen Gleise zu verlassen. Männer sind da weitaus flexibler.

Umgekehrt haben Männer nach meiner persönlichen Erfahrung häufiger Probleme mit eintönigen Arbeiten. Das ist wohl auch der Grund, wieso man häufig Frauen an Fließbändern sieht (allerdings auch nur, wenn die Arbeit körperlich nicht so anstrengend ist). Für Frauen ist solche Arbeit offenbar weniger problematisch, weil sie ihrer Neigung, alles immer wieder nach demselben Schema zu erledigen, entgegen kommt. Männer dagegen langweilen sich dabei, weil sie dort ihren "Improvisationsdrang" nicht ausleben können.

Ich denke, daß das auch der Grund dafür ist, wieso die meisten Erfindungen und Entdeckungen von Männern gemacht wurden. Das liegt nicht daran, daß Männer intelligenter sind, sondern daß sie mehr als Frauen dazu neigen, auch gedanklich immer wieder aus eingefahrenen Gleisen auszubrechen.

In der Schule wird letzteres aber immer weniger gefördert. Meine Verlobte beispielsweise hat mir mal erzählt, wie der Mathematik-Unterricht in ihrer Schulzeit ablief. Da mußten bei den Klassenarbeiten die Aufgaben nach einem exakt festgelegten Schema gelöst werden. Nicht nur der Rechenweg war festgelegt, sondern auch die Art, wie man ihn aufschreiben mußte. Da mußte dann also in jeder Zeile eine bestimmte Zahl stehen. Alles nur, damit der Lehrer weniger Zeit brauchte, um die Klassenarbeiten zu kontrollieren. Wenn jemand eine Aufgabe nach einem anderen Rechenweg richtig löste, wurde das nicht gewertet. Wenn also ein zweiter Einstein in der Klasse gewesen wäre und sich mal schnell für irgendein Problem einen ganz neuen Rechenweg ausgedacht hätte und damit vielleicht sogar schneller und einfacher auf die richtige Lösung gekommen wäre, dann hätte er dafür eine 5 oder sogar eine 6 bekommen. (Das scheint aber auch schon in früheren Zeiten ähnlich gewesen zu sein, denn bekanntlich waren Einsteins Zensuren in der Schule auch nicht besonders gut.)

Eine Lehrerin schrieb mir dazu mal in einem Forum, daß so eine Vorgehensweise in unserem Bundesland (Nordrhein-Westfalen) eigentlich überhaupt nicht erlaubt sei. Tatsächlich wurde und wird es aber von vielen Lehrern offenbar aus Bequemlichkeit trotzdem so gehandhabt.

Das hat dann natürlich den Effekt, daß Mädchen, die eher dazu neigen, alles nach "Schema F" abzuarbeiten, klar im Vorteil sind. Noch größer sind diese Vorteile in Fächern, wo es wirklich vor allem darauf ankommt, alles gut auswendig zu lernen. Z.B. in sprachlichen Fächern.

Ich denke, das ist ein wesentlicher Grund dafür, daß Jungen in der Schule zunehmend ausgebremst werden. Viele Jungen neigen nun einmal dazu, schulische Aufgaben mehr durch logisches Denken als durch Fleiß zu lösen. Problematisch war das schon immer für die Jungen, die weniger intelligent sind. Aber auch eigentlich intelligente Jungen werden durch immer unflexiblere Unterrichtsmethoden zunehmend eingeschränkt. Ihnen bleibt einfach kein intellektueller Spielraum mehr. Stures Auswendiglernen langweilt und frustriert viele Jungen, und so geben sie es dann eben irgendwann auf.

Freundliche Grüße
von Garfield



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