Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Männliche Hebammen: Allein unter Frauen

Narrowitsch, Berlin, Tuesday, 13.07.2010, 20:50 (vor 5661 Tagen) @ Informant

Der Dresdner Jens Unger ist Deutschlands einzige männliche Hebamme.
Viele seiner Kolleginnen haben mit ihm ein Problem

Der Dresdner Jens Unger ist Deutschlands einzige männliche Hebamme.
Viele seiner Kolleginnen haben mit ihm ein Problem

Natürlich ist Unger keine Hebamme, wie auch die "Zeit" sehr schnell korrigiert.

Jens Unger ist, so die korrekte Bezeichnung, der einzige Entbindungspfleger
in Deutschland.

Aber es wirkt wohl auf die schreibende Zunft ein eigentümlicher Reiz, der gewisse LeserInnen sich wie Bolle amüsieren läßt, wenn sie Männer endlich, endlich in traditionellen Frauenfunktionen sehen und gelegentlich gezwungen haben Siehe: " Hausmann".

Man und frau mögen über Sinn oder Unsinn professioneller männlicher Geburtshilfe streiten, ich fürchte allerdings, dieser Artikel beabsichtigt mehr, als über ein scheinbares Kuriosum zu berichten; hinter ihm verbirgt sich - für ungeübte LeserInnen unsichtbar - die Fortführung einer von vielerlei femiinfizierten Institutionen losgetretenen Kampagne gegen sogenannte "Rollenstereotypen". In diesem Fall dient der als sympathisch beschrieben Jens Unger als Vehikel für etwas, was nicht sein darf und kann: Die Existenz von Berufsfeldern, die, um mit Roslin zu sprechen, im Schnitt vorzugsweise und aus guten Gründen von einem Geschlecht besetzt sind.

Die meisten Frauen wünschten eben eine >geschlechtssensible Begleitung«
rund um die Geburt, sagt die Sprecherin des Verbands, Edith Wolber

Dies leuchtet mir durchaus ein. Selbst wenn Unger - vermutlich zu recht- behauptet, ein Chirurg müsse keine Armfraktur erlitten haben, um bestens Armfrakturen zu heilen. Er unterliegt jedoch vermutlich dem absichtsvoll weit verbreiteten Denkfehler, es gebe nichts auf dieser Welt, was psychisch eine originär geschlechtsspezifische Bedeutung besäße. Dass selbstverständlich auch spezielle Ärzte im Falle von Komplikationen Müttern zur Hilfe eilen, bedarf meines Erachtens keiner weiteren Erörterung. Ach da ist - zu Missfallen der Femilobby - seit langer Zeit so.

Trotz dieser Überlegung zweifle ich nicht daran, dass Unger seinen Job - so man ihn anhand einer check-liste - beurteilen kann, bestens ausübt. Ich zweifele des weiteren nicht an der Stichhaltigkeit des Hinweises, männliche Geburtshelfer seien prima Ansprechpartner für (werdende) Väter. Das rechtfertigt jedoch in meinen Augen kein unterschwelliges Plädoyer für mehr Männer auf eroberten Frauenbastionen, diesmal von Hebammen vereidigt. Unger könnte seine Dienste - so sie denn mit diesem Argument begründet sind - besser in einer Beratungsstelle für werdende Väter anbieten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Das Argument, Hebammen könnten womöglich mit Gebärenden auf emotionaler Ebene besser umgehen , als das Gros der Männer, halte ich für plausibel und bedenkenswert. Auch dann, wenn Hebammen selbst noch nicht entbunden haben. Ich meine, die Jahrhundertelang praktizierte Gewohnheit, Frauen helfen bei Geburten Frauen, wurzelt in Erfahrungen, die niemand ohne Grund vom Tisch fegen sollte, auch wenn sie in der "modernen" Welt für nicht mehr "zeitgemäß" angesehen werden.

Soweit, so gut; man oder frau könnte sich auf Grundlage des Artikels ohne Ideologiekontermination zum Sachverhalt Gedanken machen und zu anderen Schlüssen kommen, als ich sie ziehe.

Aber so einfach ist das nicht in dieser Zeit mit der "Zeit".

Zumal der Hebammenverband klar zu verstehen gibt, dass die Zunft weiblich
sei und es auch bleiben werde.

Dieser Satz verrät, worum es natürlich auch geht, jenseits jeglicher sachlicher Erwägungen. Zukunft hat weiblich zu sein und zu bleiben und Männer haben sich danach zu richten. Wo immer Frauen sich organisieren, einen Verband etablieren, geht es nicht mehr um "sachlich" angemessene oder begründete Vertretung, die wegen ihrer "sachlichen Begründung" wegen ohnehin nach feministischer Weltsicht widerlichem Auswurf patriarchaler Gedankenmonster entspringen, sondern die zahllosen Weiberverbände repräsentieren immer Interessen von Frauen, die Pfründe erlangen oder erlangte, sichern wollen. Oder kennt jemand eine Ausnahme, die diese Regel noch besser bestätigen könnte? Also Männer - als Hebammer- das geht gar nicht.

Die "Zeitin" informiert uns sogleich des weiteren:

Wenn es für jeden angebotenen Platz mehr als 50 Bewerber gibt, lässt sich > für jeden männlichen Interessenten eine Frau finden, die im
Auswahlverfahren besser geeignet scheint. Die viel zitierten,
oft nur gefühlten Soft Skills geben dann den gewünschten Ausschlag.

Interessant, nicht wahr? Eigentlich ein typischer Fall für Quoten. Viel befürchten brauchten die Pfründenwahrerinnen aus dem Hebammenverband nicht; ich bezweifle, dass eine nennenswerte Anzahl junger Männer plötzlich genug weibliche Anteile in sich spürten, sie unbedingt mit solcher Vehemenz in den Beruf drängten, dass auf Quoten pochten. Nun wissen wir zwar aus Erfahrung, dass Quotiererei Grenzen findet, nämlich immer dort, wo sie Frauen in den Nachteil brächten, aber ein reizvolles Gedankenspiel bietet der männliche Geburtshelfer schon.

Denn siehe da, auch die "ZEIT" tut so, als sei sanfte Kritik am Vereinsgebaren angebracht und führt auf diese Weise - unbedarfte - Leserschaft auf das schmale Brett, in dieser Ausgabe schriebe endlich jemand, der auch in Geschlechterfragen an halbwegs objektiver Berichterstattung Interesse zeigt.

Doch genau das bezweifle ich.

Wäre es so, fände gewiss der Gedanke an den staatsbürokratischem Aufwand in den Bericht, mit der Frauenverbände und ihre Stiefellecker unter anderem Vorzeichen , also in eher männlich besetzte Berufsfeldern die Neubesiedlung voran peitscht. Stichwort: Wirtschaftsvorstände und Offizierslaufbahnen.

Doch das Blatt belässt bei einem Hinweis:

Dass auch Männer die dreijährige Ausbildung in den Hebammenschulen absolvieren dürfen, mag seit

> 1985 gesetzlich geregelt sein, ist aber bloße Theorie.

Dies ist genau der Punkt. Während staatliche Aktivität jedem Görlie in den Kopf senkt , es sei bestens für den Job "Kampfeinheit" geeignet, besser noch in den Büroetagen über den gläsernen Decken, weiß bis auf den heutigen Tag kaum ein Junge von der Möglichkeit Hebamme zu werden. Vermutlich aus gutem Grund: Plakataktionen wie etwa: Junge, auch du kannst Hebammen- liefen nicht nur ins Leere, sie machten sich lächerlich.

Vermutlich will da die ZEIT ein wenig Abhilfe schaffen. In diesem Artikel jedenfalls opfert sie ihre übliche Solidarität mit allen Frauen dieser Welt dem Auftrag Geschlechtsstereotype abzuschaffen und übt so mit den (feministischen) Frauen der Welt Solidarität. Einen sympathischen Kerl für diesen Zweck zu nutzen, sollte niemanden wundern.

Aber vielleicht sehe ich ja nur Gespenster, ich lasse mich gern belehren

© [image]

Hier noch ein Link zu einer der Aufgeberinnen, für konkrete Abschaffung der "Rollensterotype":

"Von Seiten des Vorstandes wurde darauf hingewiesen, dass der Deutsche Frauenrat einen Spagat zu leisten hat zwischen den Anforderungen von Mitgliedsverbände, die den Frauenanteil in technischen Berufen steigern wollen und denen, die die sozialen Berufe vertreten und für deren Aufwertung kämpfen. Das zentrale gemeinsame Thema ist dabei die Überwindung von Rollenstereotypen, wie sie auch im Positionspapier des DF zur Entgeltgleichheit formuliert wird. Es darf nicht länger von "Männerberufen“ und „Frauenberufen“ geredet werden. Alle Berufe, die technischen, die sozialen und alle anderen sind für die Gesellschaft gleichermaßen wichtig. Das Recht auf freie Berufswahl muss mit der gleichen Bezahlung für gleichwertige Arbeit einhergehen."

Darum geht es: Es darf nicht. Nichts darf, was frau nicht gesegnet hat.Das ist Gleichstellung

--
Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-

Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.


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