Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Carl Sagan

Unterdrücker, Friday, 11.06.2010, 19:16 (vor 5690 Tagen)

Ich begann, Carl Sagans Buch „Billions and Billions“ (deutscher Titel: der tropfende Wasserhahn) zu lesen und gleich das erste Kapitel beinhaltet eine sehr interessante These, die ich euch nicht vorenthalten will. Da mir dieses Buch nur in der englischen Version vorliegt, musste ich es selbst übersetzen. Sollte jemand die deutsche Version besitzen, so kann er/sie ja gerne die offizielle Übersetzung posten.

Bei der Übersetzung halte ich es mit Carl Bertrand: „Übersetzungen gleichen den Frauen: Sind sie treu, so sind sie nicht schön, und sind sie schön, so sind sie nicht treu!“

Im Zweifel zog ich die schöne Version der treuen vor, inhaltlich ist es aber nicht verfälscht!

Carl Sagan

Carl Sagan war ein höchst einflussreicher Mensch, der sich meines Wissens an beweisbare Fakten hielt, von daher ist seine Aussage hoch einzuschätzen, auch wenn sie mir/uns nicht gefällt. Über den Abschnitt, den ich gleich folgen lasse, möchte ich gerne mit euch diskutieren.

Aus: Carl Sagan Billions And Billions – Thoughts on Life and Death at the Brink of the Millenium. Erschienen im Jahre 1997 bei Headline Book Publishing.

Paperback Edition – Seiten 18 bis 20 – Part I – The Power and Beauty of Quantification – 2. The Persian Chessboard.

[Unterdrückerübersetzungsmodus an]

(…) Exponentialfunktionen sind auch der Kerngedanke hinter der Weltbevölkerungskrise. Die längste Zeit, in der Menschen die Erde bevölkerten, war die Bevölkerung gleichbleibend, die Geburten und Sterbefälle nahezu im perfekten Gleichgewicht. Dies wird ‚steady state‘ [stabiler Zustand] genannt. Nach der Erfindung der Landwirtschaft (…) begann die Bevölkerung dieses Planeten zu wachsen und trat in eine exponentielle Phase ein, die sehr weit von einem stabilen Zustand entfernt war. Im Augenblick beträgt der Verdoppelungszeitraum der Weltbevölkerung etwa 40 Jahre. Alle vierzig Jahre wird es doppelt so viele von uns geben. Wie der englische Geistliche Thomas Malthus im Jahre 1798 darlegte, wird eine exponentiell zunehmende Bevölkerung –Malthus beschrieb es als geometrische Progression- jegliche vorstellbare Zunahme des Nahrungsangebotes übertreffen. Keine Grüne Revolution, keine Hydrokultur, kein urbarmachen der Wüsten kann das exponentielle Bevölkerungswachstum abdecken. (…)

Wir sind offenkundig in einer sich gerade abzeichnenden Phase steilen exponentiellen Wachstums. Aber viele Staaten –die USA, Russland oder China zum Beispiel-haben bereits einen Zustand erreicht, oder werden diesen bald erreichen, indem das Bevölkerungswachstum nachlässt und einen Punkt erreicht, der Nahe am ‚steady state‘ ist. Dies wird ‚zero population growth‘ (ZPG)[Bevölkerungsnullwachstum]genannt.

Dennoch, eben weil Exponentialfunktionen so mächtig sind, wird die Weltbevölkerung exponentiell zunehmen, solange ein kleiner Teil davon sich exponentiell reproduziert. Die Sachlage bleibt im Wesentlichen dieselbe, auch wenn viele Länder sich auf ZPG-Level befinden.

Es gibt einen gründlich dokumentierten, weltweit auftretenden Zusammenhang zwischen Armut und hohen Geburtenraten. Ob große oder kleine Länder, kapitalistische oder kommunistische Länder, christliche oder muslimische Länder, westliche oder östliche Länder-in fast allen Fällen verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum oder kommt zum Stillstand, sobald die erdrückende Armut verschwindet. Dies nennt man demographische Transition. Es liegt im dringlichen, langfristigen Interesse der Menschheit, dass weltweit diese demographische Transition erreicht wird. Deshalb ist es nicht nur dem grundlegenden menschlichen Anstand geschuldet, anderen Ländern dabei zu helfen, damit sie für sich selbst sorgen können, sondern es liegt im eigenen Interesse der reicheren Nationen, die imstande sind, zu helfen. Ein Kernproblem der Weltbevölkerungskrise ist Armut.

Die Abweichungen von der demographischen Transition sind interessant. Einige Länder mit hohem Pro-Kopf-Einkommen haben weiterhin hohe Geburtenraten. Aber in diesen Ländern sind Verhütungsmittel schwer zu bekommen und/oder Frauen mangelt es an effektiver politischer Macht. Es ist nicht schwer, diesen Zusammenhang zu verstehen.

Gegenwärtig gibt es etwa 6 Milliarden Menschen. In vierzig Jahren, falls die Verdoppelungsrate konstant bleibt, werden es 12 Milliarden sein, in achtzig Jahren 24 Milliarden; in 120 Jahren 48 Milliarden … aber kaum jemand glaubt daran, dass die Erde so viele Menschen ernähren kann. Aufgrund der Macht dieser exponentiellen Steigerung, scheint es deutlich billiger und humaner zu sein, sich jetzt der weltweiten Armut anzunehmen, als auf was für Lösungen auch immer in den kommenden Jahrzehnten zu warten.

Unsere Aufgabe ist es, etwa eine weltweite demographische Transition zu erreichen und die exponentielle Kurve abzuschwächen –indem man die erdrückende Armut beseitigt, sichere und effektive Geburtenkontrolle weitgehend verfügbar macht und tatsächliche politische Macht (exekutive, legislative, judikative, militärische Macht, sowie in Institutionen, die die öffentliche Meinung beeinflussen) für Frauen ausbaut. Sollten wir scheitern, wird ein anderer, weit weniger kontrollierbarer Prozess dies für uns übernehmen.

[/Unterdrückerübersetzungsmodus aus]

Das Buch erschien, wie erwähnt, vor 13 Jahren. Carl Sagan starb im Dezember 1996, also ist davon auszugehen, dass er sein letztes Werk wohl vor zumindest 15 bis 20 Jahren begann zu schreiben. Sein Einfluss ist unverkennbar, wer dem Wikipedia-Link folgt, erfährt, dass zum Beispiel die Mars Pathfinder Mission nach seinem Tode in ‚Carl Sagan Memorial Station‘ umbenannt wurde.

Ich finde, man kann von dem, was dieser Wissenschaftler schrieb, halten was man will, aber eines ist augenscheinlich: das, was er sagt, wird doch eindeutig verwirklicht: Geburtenkontrolle (sprich: Abtreibung), politische Macht für Frauen, aber auch der Afghanistankrieg etc. Nur bringt er hier natürlich völlig andere Argumente.

'Billions And Billions' ist ein wissenschaftliches Buch, dass die breite Masse wohl nie lesen wird.

Was könnte an meiner These dran sein, dass Sagan recht hat, die wahren Gründe aber verschwiegen werden, weil die Eliten das Volk für zu doof halten, um diese zu verstehen, und daher unter anderem der Feminismus eingeführt, bzw. forciert wurde um dieses übergeordnete Ziel zu erreichen? Ebenfalls würde es schwierig sein, den Menschen zu verkaufen, man ziehe gegen (z.B.) Afghanistan in den Krieg, weil die da zuviele Kinder bekommen. Und mit 'den Menschen' meine ich gleichwohl diejenigen Staaten, die Truppen in Afghanistan haben, sowie auch (z.B.) Afghanistan selbst. Lieber erzähle ich dem bekriegten Volk: "Hört zu, die Taliban unterdrücken euch, der weltweite Terror geht von hier aus, wir sind hier um euch von diesem Übel zu befreien!", als das ich diesen (oft von moderner Bildung ausgeschlossenen)Menschen sage: "Wir sind hier, weil ihr zu viele Kinder habt!"

Auf eure Meinung freut sich der Unterdrücker.


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