Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen
Hallo Nihi,
Aber darüber sich aufzuregen habe ich mir schon lange abgewöhnt.
Sven, ich bezweifle gar nicht, daß von Hartz IV zu leben verdammt hart
ist. Ich räume sogar ein, daß die Sätze womöglich zu niedrig sind. Aber ich
Ich halte die Sätze für Einzelhaushalte (!) eigentlich sogar für ausreichend.
sehe eben auch was ich sehe, und mir fällt beim besten Willen kein
geeigneterer Weg ein, um Menschen zu motivieren, diesen Zustand so schnell
es irgend geht zu beenden. Was ja Ziel sein soll, da sind wir uns einig?
Das ist zwar richtig, geht an der Realität aber völlig vorbei.
Es ist bereits heute so, dass den Arbeitslosen Bewerbungspflichten in einem Umfang auferlegt sind, der mit Sinnhaftigkeit nichts mehr zu tun hat. Die Arge stört sich herzlich wenig daran, wenn ein Arbeitsloser die geforderten Qualifikationen nicht erfüllt, notwendige Berufserfahrung nicht hat, in der Branche noch nie gearbeitet hat oder vom Arbeitgeber zwingend vorausgesetzte Bescheinigungen nicht besitzt. Er MUSS sich bewerben, schließlich will die Quote erfüllt sein, der Arbeitslose muss "verpflichtet" sein.
Also macht der Arbeitslose auch genau das: Er erfüllt eine bürokratische Quote - und verursacht damit neben erheblichen unnötigen Kosten bei sich selbst ebensolche bei den Arbeitgebern, denen es schon graut vor Bewerbern, die vom Arbeitsamt vermittelt wurden - aus obigen Gründen.
Damit die Arbeitslosen eine bessere oder sagen wir mal überhaupt eine Chance auf Vermittlung haben, bräuchte es entsprechende Weiterbildung. Die ist jedoch von HIV nicht abgedeckt; und die ARGE bezahlt nur dann Weiterbildung, wenn der zukünftige Arbeitgeber schriftlich bestätigt, dass er den Arbeitslosen einstellte, so dieser besagte Qualifikation hätte. Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher. Umschulungen im klassischen Sinne gibt es nicht mehr; denn wiewohl Millionen Arbeitslosen zwar die Voraussetzungen für ebensolche erfüllen, leitet sich daraus kein Rechtsanspruch ab.
Die Arge vermittelt keine Arbeit und schafft keine Arbeit ausgenommen jener, die sich aus einem gewaltigen Verwaltungsapparat ergibt. Sie verwaltet die Arbeitslosen einzig in dem staatlichen Auftrage, die Kosten zu drücken. Und das tut sie über Sanktionen, mit denen Arbeitslose ohne Bedenken in Obdachlosigkeit und den Hungertod getrieben werden. Jedes Jahr laufen Zehntausende Prozesse vor den Sozialgerichten, mit denen eben jene verzweifelt versuchen, genau das zu verhindern. Und die ARGE verliert den Großteil davon.
Und da fällt dem Arbeitnehmer was ein? Motivation durch "Aushungern"?
Kennst Du einen besseren? Wie hättest Du es denn gern?
Im Grunde stehen unserer Gesellschaft mehrere Wege offen:
1. Verteilung der verfügbaren Arbeit auf alle Arbeitnehmer. Damit würde freilich niemand sich mehr Luxus leisten können - und so ganz nebenbei hätten wir dann wieder eine Planwirtschaft.
2. Rückabwicklung der Rationalisierung und damit höhere Nachfrage nach Arbeitskräften. Führt nur leider auch zu höheren Arbeitskosten und damit zwangsläufig zu einer protektiven Marktwirtschaft - hatten wir vor 70 Jahren das letzte Mal.
3. Schlichte Anerkenntnis der Tatsache, dass die Arbeit X und die Arbeitnehmer Y zwei endliche Zahlen sind, wobei Y>X ist. Begreifen, dass es in einem marktwirtschaftlichen System entweder nur für einen extrem kurzen Zeitraum oder überhaupt nicht so etwas wie Vollbeschäftigung geben kann. Begreifen, dass es deshalb immer eine gewisse Zahl von Arbeitslosen geben MUSS.
Also, wozu genau soll der Arbeitslose "motiviert" werden?
Ich bestreite damit im übrigen überhaupt nicht, dass es eine Zahl Z an Arbeitslosen gibt, die aus Faulheit nicht arbeiten wollen und sich mit HIV arrangiert haben. Dazu gehören zwar auch noch eine gehörige Anzahl Menschen, die vor diesem System schlichtweg resigniert und sich mit ihrem neuen Brötchengeber arrangiert haben, aber die unterschlage ich jetzt mal.
Frage: Wieviel Sinn macht es also, ewig auf dieser einen Gruppe herumzureiten, während es nichteinmal genug Arbeit gibt, um sie an jene zu verteilen, die arbeiten wollen?
Außer natürlich, um eine Gruppe per extremem Negativbeispiel zu diffamieren, versteht sich.
gesamter Thread:
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Christine,
24.11.2009, 13:48
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen - Mannn, 24.11.2009, 14:01
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Marvin,
24.11.2009, 14:23
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen - Nihilator, 24.11.2009, 15:43
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Narrowitsch,
24.11.2009, 19:19
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Diana,
24.11.2009, 19:34
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Nihilator,
24.11.2009, 19:47
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen - Diana, 24.11.2009, 20:02
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Sven,
24.11.2009, 20:34
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Nihilator,
24.11.2009, 20:54
- Wir nähern uns wieder einmal einem Knackpunkt :-) -
Diana,
24.11.2009, 21:11
- Wir nähern uns wieder einmal einem Knackpunkt :-) - Nihilator, 24.11.2009, 22:04
- Wir nähern uns wieder einmal dem Tiefpunkt -
Gujido,
24.11.2009, 22:37
- Wir nähern uns wieder einmal dem Tiefpunkt -
guest,
25.11.2009, 16:53
- Beteiligung an Unterkunfts- und Heizkosten von Hartz IV.-Empfängern -
Christine,
25.11.2009, 20:04
- Beteiligung an Unterkunfts- und Heizkosten von Hartz IV.-Empfängern - guest, 25.11.2009, 21:26
- Beteiligung an Unterkunfts- und Heizkosten von Hartz IV.-Empfängern -
Christine,
25.11.2009, 20:04
- Wir nähern uns wieder einmal dem Tiefpunkt -
guest,
25.11.2009, 16:53
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen - Sven, 25.11.2009, 19:41
- Wir nähern uns wieder einmal einem Knackpunkt :-) -
Diana,
24.11.2009, 21:11
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Nihilator,
24.11.2009, 20:54
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Gujido,
24.11.2009, 22:33
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen - Nihilator, 25.11.2009, 09:52
- Hartz IV: Mehr Geld, aber nicht für Frauen -
Nihilator,
24.11.2009, 19:47
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Diana,
24.11.2009, 19:34