Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Juristische Fragen

Silvain, Friday, 04.03.2005, 08:19 (vor 7642 Tagen) @ astrid

Als Antwort auf: Re: Juristische Fragen von astrid am 03. März 2005 19:37:40:

Hallo Astrid,

Du liegst in deiner Einschätzung völlig falsch.

Mag durchaus sein.

Die Miete hier im Haus zahle ich.
Um die Wohnung kümmere in erster Linie ich mich, weil ich es gerne schön habe und ihm es egal ist.
Ich bin nicht verheiratet. Er wäre es gerne.
Sein Kinderwunsch ist größer als meiner.
Er hat immer einen Aufstand gemacht, wenn ich Nachtdienste hatte - und wenn es nur für 1 Monat war.
Ich gehe arbeiten. Meist mehr Stunden als er, manchmal 2 Jobs (derzeit nicht)
[...]
Ich würde eigentlich 2 getrennte Wohnungen vorziehen - er will nicht.(Hat sich alles so ergeben, rausschmeißen tu ich ihn jetzt im Nachhinein nicht)

Die obigen Punkte hören sich allerdings eher danach an, dass die Rollenverteilung bzw. die Erwartungshaltung genau andersrum verteilt sind.

Einmal war ich in jemanden verliebt und da hätte ich genau das getan, wenn was draus geworden wäre. Da hätte es einfach nur so gepaßt.
Das ist dann aber meine/unsere Entscheidung und ich kann meinem Partner dann nicht im Nachhinein vorwerfen, daß er dann auch wirklich zu Hause ist auf meinen Wunsch.

Richtig. Daraus leitet sich jedoch nicht ab, dass jede Hausfrau deshalb zu Hause wäre, weil ihr Mann das so wollen würde.

Ich selber möchte nicht heiraten, will von niemandem abhängig sein, brauche eine sinnvolle Aufgabe, würde wohl auch als Hausfrau, bald bei dem und dort und da mithelfen, weil ich einfach das Bedürfnis habe etwas zu tun, Leute um mich zu haben und gemeinsam etwas vorwärts zu bringen.

Nimms mir nicht übel, aber eine solche Einstellung ist bei heutigen Frauen dermaßen selten, dass ich nicht mal hoffen würde, eine Frau mit solcher Einstellung zu finden. Nach meiner Erfahrung wollen die meisten Frauen heiraten, um versorgt zu sein und eben nicht mehr allzuviel tun zu müssen.

Es gibt Hausfrauen und Hausfrauen. Macht euch keine Hausfrau, wenn ihr sie nicht wollt. Zum heiraten und zu Hause anbinden gehören immer noch zwei.

Das stimmt nicht zwangsläufig. Zwei können natürlich insofern dazu gehören, als dass die Frau sich dazu entschließen könnte und der Mann dies tolerieren müsste, andernfalls er per Scheidung in den Ruin getrieben wird. Da kann man wohl kaum noch davon sprechen, dass sich beide dafür entschieden hätten.

Das ist natürlich sehr überspitzt, aber über die Fälle, in denen eine solche Übereinkunft einvernehmlich geschieht, braucht man nicht zu diskutieren.

Daß es Frauen gibt, die ihre Situation ausnutzen, unzufrieden sind obwohl sie im goldenen Käfig hocken, will ich nicht abstreiten. Genauso wie Männer können auch Frauen täuschen, betrügen, ausnutzen. Das finde ich dann auch genauso schlecht wie ich jeden Betrug, jeden Egotrip schlecht finde.

Was eine gute Einstellung ist.

Aber "Hausfrau" an und für sich kann man nicht verurteilen. Nur wenn sie nichts draus macht. Genauso wie jeder andere, der seinen Beruf nicht richtig ausübt anzuprangern ist.

Tut mir leid, aber das sehe ich nicht so. Ein vollwertiger Beruf bedingt zunächst, dass er in Vollzeit ausgeübt wird. Und allein der Titel "Hausfrau" bedingt dieses eben nicht. Deine Mutter wird mit einer sechsköpfigen Familie sicherlich "Vollzeit" zu tun gehabt haben. Aber welche heutigen Mütter haben 4 Kinder? Meine eigene Mutter sowie mehrere meiner Arbeitskolleginnen in deren Alter haben 2 Kinder großgezogen, den Haushalt alleine geführt und sind nebenbei noch halbtags arbeiten gegangen. Wenn ich da heute Mütter von einem Kind oder gar kinderlose Hausfrauen davon schwadronieren höre, sie würden einen "24-Stunden-Job" machen ungeachtet der Tatsache dass sie a) weniger bis gar keine Kinder zu betreuen haben und b) wesentlich modernere Haushaltsmaschinen zur Verfügung haben, kann ich da nur den Kopf schütteln.

Aber wenn du eine Frau überedest zu Hause zu bleiben für dich und nicht arbeiten zu gehen: Vergiß nicht, sie verliert dabei Pensionszeiten. Wenn sie doch in den Beruf zurück will, wird sie nach Jahren zu Hause nur undankbare Hilfsarbeiten zum Geldverdienen finden. Vielleicht wird sie dann auch als zu alt und dafür zu unerfahren überall abgelehnt werden. Deswegen die Verpflichtungen des Partners aufzukommen für den anderen, der zu Hause war und ihm womöglich durch die Fürsorge die Energien gegeben hat, daß er (für beide) Karriere machen konnte. Ich weiß nicht wie die Gesetzeslage derzeit ist: Aber für den Hausmann müssen natürlich dieselben Schutzmechanismen da sein wie für die Frau! Egal wie sich ein Paar entscheidet, für beide muß im Fall des Falles gesorgt sein.

Ich denke, genau diese Mechanismen sind es, die heute so viele Ehen zerstören. Im Rausch der Gefühle nämlich ist der Mann gerne bereit, für seine Frau arbeiten zu gehen, damit diese sich zu Hause ausruhen kann ebenso wie die Frau gerne bereit ist, für ihren Mann das Nest zu bereiten, damit dieser sich von der Erwerbsarbeit ausruhen kann. Sind die Gefühle aber erst verflogen, ist der Mann daran Schuld, dass die Frau sich nicht "selbst verwirklichen" konnte und die Frau daran Schuld, dass der Mann nun für zwei bezahlen muss. Ich für meinen Teil habe mich günstigerweise vorher über die Gesetzeslage informiert und kann so vorher schon sagen, dass ich es überhaupt nicht einsehen würde, für eine andere erwachsene Person arbeiten zu gehen. Aus meinem eigenen Umfeld kann ich im übrigen eher beobachten, dass viele Frauen aus Bequemlichkeit zu Hause bleiben wollen und der Mann dies aus Liebe zu seiner Frau toleriert. "Energien" bekommt dieser von solch einer Frau nicht, alldieweil diese mittlerweile nicht mal mehr richtig kochen kann geschweige denn einen ordentlichen Haushalt zu führen imstande ist.

Wenn man nicht bereit ist sich als Einheit zu betrachten, deren gemeinsame Zeit ein gemeinsames Projekt ist und auch alles was man sich da erarbeitet und aufbaut, dann also einfach von vornherein nicht heiraten! Tu ich ja auch nicht (Trotzdem wir Kinderplanung hatten)muß ja niemand.

Ich finde es interessant, solch eine Einstellung von einer Frau zu hören, findet sich selten. In der Tat könnte man die Ehe als gemeinsames Projekt betrachten und dann könnte es durchaus vertretbar sein zu sagen, man betrachte sich als Einheit und rechne die Leistungen nicht gegeneinander auf. Aber du weißt selber, wie unbeständig heutige Ehen sind: Jede zweite Ehe wird geschieden, die durchschnittliche Ehe hält nur wenige Jahre. Da stellt sich durchaus die Frage, warum ein Mann sich teils lebenslange Unterhaltspflichten antun sollte dafür, dass die Frau dieses Projekt nur wenige Jahre begleitet hat.

Grüße von einer selbstständigen, nicht verheirateten arbeiteten, haushaltführenden Astrid
mit ihrem "Lieblingshaustier" Mann, das man immerhin nicht gassi gehen führen muß und füttern tut er sich auch selber
und das bischen Unordnung das er macht ist ja nicht so schlimm!;-)

Was du hier geschrieben hast, hört sich schon ganz anders an als das Posting davor. Ich weiß angesichts deiner hier geschilderten Einstellungen zwar nicht, was dich zu dem letzten Posting getrieben hat, möchte ich aber dennoch für den davor etwas rauhen Ton entschuldigen, eine solch umfangreiche Antwort und Geduld ist selbstverständlich zu würdigen.

Liebe Grüße,
Silvain


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